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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 10:48 Uhr

Schleswig : Mercurio kämpft ums Luisenbad

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Italienischer Gastronom möchte die Bewirtung des Strandbades dauerhaft übernehmen – die Stadt aber besteht auf einer öffentlichen Ausschreibung.

„Jetzt werde ich mir Mühe geben, dass die Gäste, aber auch die Leute im Rathaus so zufrieden sind, dass ich hier auch in den kommenden Jahren für die Bewirtung sorgen kann.“ Mit diesen Worten hatte Paolo Mercurio Mitte Juni gegenüber den SN seine Einigung mit der Stadt über einen Vertrag für die Nutzung des Luisenbades kommentiert. Bis Ende September kann der Gastronom nun das Strandbad-Café auf den Königswiesen bewirtschaften. Darauf hatte man sich nach langem Hin und Her und öffentlichen Diskussionen endlich verständigt (wir berichteten). Wie es allerdings in den kommenden Jahren weitergeht, das steht noch in den Sternen. In dieser Frage scheiden sich nun erneut die Geister. Während Mercurio fordert, dass sein Vertrag verlängert wird, sieht sich die Stadt nach weiteren potenziellen Betreibern um.

Um dieses Wirrwarr zu verstehen, muss man zunächst einmal zurückblicken: Der Pachtvertrag mit Paul Sindram, der die Gastronomie am Luisenbad sechs Jahre lang betrieben hatte, war Anfang 2016 ausgelaufen. Parallel dazu einigte sich die Stadt mit dem Land darauf, dass auf der rund 180 Quadratmeter großen Terrasse des Gebäudes überhaupt Getränke und Speisen verkauft werden dürfen. Denn das ist eigentlich bereits seit 2008 nicht erlaubt gewesen. Im Zuge der Landesgartenschau wurde das Luisenbad aufwändig saniert – und zwar mit Fördermitteln des Landes. Daran wiederum waren strenge Auflagen geknüpft, unter anderem ein Verbot von Gastronomie im Außenbereich. Gehalten hat sich die Stadt daran nicht wirklich, was wiederum in Kiel nicht gut ankam. Anfang dieses Jahres wurde schließlich eine Lösung gefunden: Schleswig überweist rund 50  000 Euro zurück ans Land. Dafür kann man nun auch legal seinen Kaffee auf der Außenterrasse trinken. Bleibt nur ein Knackpunkt: Um das verlorene Geld wieder reinzuholen, verlangt die Stadt jetzt – anders als in den Vorjahren – eine monatliche Pacht. Genau deshalb gestalteten sich die Verhandlungen mit Paolo Mercurio so schwierig.

Denn, darin war er sich mit seinem Vorgänger einig, viel Geld verdienen lässt sich an dem Standort nicht. Schließlich aber willigte er doch ein, eine Pacht von monatlich 550 Euro zu zahlen. Dazu kommen weitere 550 Euro Nebenkosten. Deutlich weniger, als die Stadt gehofft hatte – und deutlich mehr, als Mercurio eigentlich zahlen wollte. „Zu diesen Bedingungen würde ich das Luisenbad nun aber auch in den kommenden Jahren bewirtschaften. Auch wenn es schwer ist und ich bislang nur bei plus minus null rauskomme. Aber es macht mir Spaß hier. Ich mag diesen Ort, ich rede gerne mit den Leute“, sagt der Süditaliener, der bereits Rentner ist und dessen Sohn das Restaurant „Da Marcello“ am Kaufmannshof betreibt.

Um seinem Wunsch nach Verlängerung des Pachtvertrages Nachdruck zu verleihen, hat er jetzt einen entsprechenden Brief geschrieben und an alle Fraktionsvorsitzenden und Einzelvertreter in der Ratsversammlung geschickt. Seine Forderung: Die Stadt solle auf eine erneute Ausschreibung verzichten und mit ihm den Vertrag zeitnah verlängern.

Darauf angesprochen verweist man bei der Verwaltung, die das Luisenbad weiterhin im Internet anbietet, auf die im Juni getroffenen Vereinbarungen. Diese würden nur für die laufende Saison gelten. „Für die Verpachtung im nächsten Jahr besteht für Herrn Mercurio wie auch für andere Interessenten die Möglichkeit, sich zu melden. Alle Interessenten werden Ende September/Anfang Oktober von der Stadt eine Angebotsanfrage erhalten und haben damit die Möglichkeit, sich mit ihrem Konzept zu bewerben“, erklärt Rathaussprecherin Antje Wendt auf Nachfrage. Einen Wettbewerb auszuschließen käme für die Stadt nicht infrage. Das sieht auch SPD-Fraktionschef Stephan Dose so. „Die Politik hat den Bedingungen für den Vertrag mit Herrn Mercurio zugestimmt. Alle Seiten wussten, worauf sie sich eingelassen haben.“ Zwar begrüße er ausdrücklich, dass Mercurio neues Leben in das Strandbad gebracht habe. „Aber wenn jemand kommt, der mehr als er zahlt, kann die Stadt ja schlecht Nein sagen.“

Das jedoch hofft Mercurio. Er setzt dabei auch auf seinen Heimvorteil und die positive Resonanz seiner Gäste. „Die Leute kommen gerne zu mir“, sagt er. Deshalb wolle er unter anderem in neues Mobiliar investieren. „Aber dafür brauche ich Planungssicherheit.“

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erstellt am 24.Aug.2016 | 07:45 Uhr

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