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Schleswiger Nachrichten

06. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Sicherheitspolitischer Empfang in Schleswig : „Mehr Verantwortung übernehmen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Brigadegeneral Thomas Hambach spricht beim sicherheitspolitischen Empfang im Rathaus über die globalen Herausforderungen.

Wie bestellt donnerten Tornado-Kampfjets aus Jagel am Montagabend über die Schlei und sorgten im Ständesaal des Rathauses für die passenden Begleittöne. Denn dort ging es um die „strategischen Herausforderungen globaler Sicherheitspolitik“ – und dabei spielen schließlich auch die Soldaten vom Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ mit ihren Aufklärungsflugzeugen eine Rolle. Die Tornados aus Jagel und Büchel (Rheinland-Pfalz) leisteten im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) einen „wirkungsvollen Beitrag“, betonte Brigadegeneral Thomas Hambach. Der Direktor Lehre der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg war der Referent des zweiten sicherheitspolitischen Empfangs, zu dem die Stadt Schleswig und der Arbeitskreis Reserveoffiziere Schleswig/Flensburg eingeladen hatten.

Hambach ist in der Region kein ganz Unbekannter. Anfang des Jahrtausends war er zweieinhalb Jahre lang Kommandeur der technischen Gruppe in Jagel. Aber nicht nur deshalb brach er eine Lanze für das Geschwader. Die Aufklärungsbilder, die die Tornados bei ihren Flügen über Syrien und dem Irak machten, seien in dieser Qualität einzigartig, sagte Hambach. Dies sei ihm erst unlängst bei einem Besuch in Katar bestätigt worden, von wo aus die Lufteinsätze der internationalen Allianz gegen den IS koordiniert werden.

Hambach wies darauf hin, dass das Gefühl der Bedrohung in der Bevölkerung wachse. Aber: „Terrorismus ist keine existenzielle Bedrohung für unsere Gesellschaft. Denn dann wäre es der Straßenverkehr erst recht.“ Schließlich sei die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, wesentlich größer als Opfer eines Terroranschlags zu werden. „Das klingt zynisch, aber hin und wieder muss man an gewisse Dinge nüchtern herangehen“, so Hambach.

Großen Raum in seinen Ausführungen nahm der Umgang mit Russland ein. Hambach befand, dass die Nato im Ukraine-Konflikt mit der Stationierung von Truppen in Polen und im Baltikum die richtige Antwort auf Moskaus Vorgehen gefunden habe. Zugleich betonte er, dass der Dialog mit Putin fortgesetzt werden müsse. „Es ist viel Vertrauen zerstört worden.“

Hambach zitierte eine Umfrage, wonach die Mehrheit der Deutschen ein größeres außenpolitisches Engagement ablehne. „Passt das in unsere Zeit?“, fragte er und lieferte die Antwort gleich mit: Allein schon deshalb, weil Deutschland als Exportnation auf sichere Transport- und Handelswege angewiesen sei, steige seine sicherheitspolitische Verantwortung in der Welt. „Wir werden uns höhere Verteidigungsausgaben leisten müssen.“ Eine aktivere Sicherheitspolitik gebe es jedoch nur aus einem starken Europa und aus Bündnissen heraus, schlussfolgerte Hambach. „Die EU darf weder sich selbst schlecht reden, noch dürfen wir die EU schlecht reden.“ Auch gelte es, bei Auslandsmissionen nicht nur Soldaten in die Krisenländer zu schicken, sondern anschließend auch den Wiederaufbau und die Bildung zu begleiten. Hambach: „Jedem Soldaten müsste eigentlich ein Schulbuch folgen.“

In der anschließenden Diskussion wollte Bürgermeister Arthur Christiansen vom Gast aus Hamburg wissen, wohin die Supermacht USA marschiert, sollte Donald Trump die bevorstehende Präsidentschaftswahl gewinnen. Seine eigene negative Einschätzung, so Hambach, sei, „dass ich nicht weiß, was dann passiert“. Seine positive Einschätzung hingegen speise sich aus der normativen Kraft des Faktischen. Mit anderen Worten: Trump könnte so in das bestehende Regierungshandeln eingebunden werden, dass abenteuerliche Experimente ausbleiben.

Dass die Herausforderungen nicht kleiner werden, darüber herrschte am Montagabend weitgehend Einigkeit im Ständesaal. Umso wichtiger sei es, den sicherheitspolitischen Diskurs zu fördern und die Gesellschaft aufzuklären, sagte Brigadegeneral Hambach. Und somit steht auch für Arthur Christiansen fest, dass es eine „gute Entscheidung“ gewesen sei, die nach dem Abzug der Bundeswehr eingeschlafene Tradition der sicherheitspolitischen Empfänge in Schleswig wieder aufleben zu lassen.

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erstellt am 21.Sep.2016 | 07:59 Uhr

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