zur Navigation springen
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Schleswiger Nachrichten

03. September 2014 | 09:01 Uhr

Mehr Einsätze, weniger Helfer

vom

Wehrführer Sönke Schloßmacher: "2012 mussten wir 365 Mal ausrücken" / Den Löschzügen fehlen insgesamt 40 Aktive

Schleswig | Als aktives Mitglied der Feuerwehr kommt man selten zur Ruhe. Kaum hatte die Jahresversammlung am Freitag Abend im Waldschlösschen begonnen, piepten die Alarmmelder. Mehrere Feuerwehrleute sprangen von den Plätzen auf und eilten zu ihren roten Dienstfahrzeugen. Eine Krankenwagenbesatzung hatte um Unterstützung gebeten. Die Sanitäter mussten einen geistig verwirrten Menschen in eine Klinik bringen, konnten sich aber keinen Zutritt zu dessen Wohnung verschaffen. Den Feuerwehrleuten gelang es schnell, die Haustür zu öffnen.

Anzeige
Anzeige

Einen besseren Beleg für seine Worte hätte sich Wehrführer Sönke Schloßmacher kaum wünschen können. Denn wie er in seinem Jahresbericht deutlich machte, wird die Feuerwehr immer stärker gefordert. Nicht nur zu Bränden müssen die Männer und Frauen in der dunkelblauen Uniform ausrücken, auch Hilfsleistungen bei Unfällen und für den Rettungsdienst sowie die Sicherheitswachen gehören zu ihren Aufgaben. Im Einsatzbuch des vergangenen Jahres finden sich 365 Einträge - das entspricht durchschnittlich einem Einsatz pro Tag. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine Steigerung um fast 21 Prozent. Der Wehrführer betonte: "Jedes Feuerwehrmitglied investiert pro Woche mindestens sechs Stunden in sein Engagement. Und jede Kameradin und jeder Kamerad macht das ehrenamtlich."

Schloßmacher dankte den Vertretern der Stadt (neben Bürgermeister Thorsten Dahl waren die Ratsmitglieder Stephan Dose, SPD, Otmar Petersen, SSW, und Dr. Jürgen Wenzel, FDP, erschienen), dass sie die Arbeit der Feuerwehr nicht als Selbstverständlichkeit abtäten. Das Ehrenamt brauche Anerkennung, aber auch Unterstützung. Schloßmacher schilderte, dass die Zahl der Aktiven unter die 90-Mitglieder-Marke gefallen sei. Nur noch 87 Feuerwehrleute stünden für Einsätze zur Verfügung. Ideal wären für eine Stadt wie Schleswig etwa 130 Kräfte. In diesem Zusammenhang bekräftigte der Feuerwehrchef seinen Wunsch nach der Einstellung hauptamtlicher Gerätewarte, um den Ehrenamtlichen zumindest diese zeitintensive Tätigkeit zu ersparen.

Kreisbrandmeister Rainer Erichsen sagte, dass die Ausrüstung stimmen müsse, wenn man eine gut ausgebildete und motivierte Feuerwehr haben wolle: "In Schleswig gibt es Nachholbedarf." Er machte deutlich, dass ein neues Gerätehaus für den Löschzug Friedrichsberg eine hohe Priorität haben müsse. Von den 2,8 Millionen Schleswig-Holsteinern seien 60 000 in der Feuerwehr, das entspreche einem Anteil von zwei Prozent: "Wenn die Sicherheit so wichtig ist, warum schauen dann 98 Prozent nur zu?" Gerhard Hoppmann, früherer Leiter des inszwischen aufgelösten Löschzuges Lollfuß, ergänzte, dass die Quote in Schleswig noch schlechter ist. Nur 0,4 Prozent der Bevölkerung seien in der Wehr aktiv tätig: "Das finde ich sehr traurig."

Um neue Mitglieder für die Feuerwehr zu gewinnen, laden Wehrführer Sönke Schloßmacher und sein Stellvertreter Jörg Lange alle interessierten Bürger am Mittwoch, 27. Februar, ab 19 Uhr in das Gerätehaus Königstraße ein. Sie wollen über die Arbeit der Wehr informieren.

zur Startseite

von dj
erstellt am 25.Feb.2013 | 03:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

01. | Online Leser | 25.02.2013 | 06:56 Uhr
Die eigene Sicherheit

Ich bin selber seit vielen Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr in
einem Dorf im Schleswiger Raum tätig. Mittlerweile sind die Einsätze sehr vielfältig und es geht nicht mehr nur um reine Brandbekämpfung. Technische Hilfeleistungen, wie z.B. bei Verkehrsunfällen sind in der Überzahl. Leider sehen viele Bürger die Gefahr nicht, denn sie schauen nicht über ihren eigenen Tellerrand hinaus. Wir hatten sogar mal eine Beschwerde eines Anwohners, dass wir doch bitte bei nächtlichen Einsätzen unser Martinshorn erst einschalten sollen, wenn wir auf der Hauptstraße sind. Er müsse schließlich nächsten Tag wieder früh raus und brauche seinen Schlaf.
Wir Feuerwehrkameraden sind auch berufstätig und müssen auch früh aufstehen. Da fragt keiner, ob nachts ein Einsatz war oder nicht.
Viele Bürger fangen erst an darüber nach zu denken, wenn sie selber in eine Notlage geraten und auf die Hilfe der Feuerwehr angewiesen sind.
Ich kann nur jedem raten, sich zu informieren und die Gemeinschaft und die interessante Ausbildung in der Feuerwehr kennen zu lernen. Es ist sicherlich auch
anstrengend und erfordert einiges an Freizeit, aber diese Anstrengungen lohnen sich für sich selbst und für die Mitbürger!!!

02. | Werner Lorenzen-Pranger | 25.02.2013 | 06:10 Uhr
@ JØRAN-NJÅL SOLBAKKEN

Ob sich solche "Chefs" wohl schon mal überlegt haben was wohl passiert, wenn es aus den Gründen, die sie beschreiben, keine ehrenamtliche Feuerwehr mehr gibt - und ihre eiigene Hütte mal brennt?

03. | Jøran-Njål Solbakken | 25.02.2013 | 04:49 Uhr
Unternehmer einladen

Denn wenn ein Unternehmer keine aktiven ehrenamtliche Feuwehrleute in seinem Betrieb haben möchte, dann wird auch niemand trotz Interesse zur Feuerwehr gehen.
Ich kenne ehemalige Ehrenamtliche, deren Chefs das nicht mehr mitmachen wollten und daher das Ehrenamt aufgegeben haben. Die Arbeitsstelle ist halt wichtiger, als ein Ehrenamt!

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige