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Schleswiger Nachrichten

01. Juli 2016 | 04:43 Uhr

Schleswig-Flensburg : Luftretter suchen Landeplätze

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Aufruf an Feuerwehr und Gemeinden im Kreis: Mehr Standorte verbessern die Notfallversorgung bei Dunkelheit.

Der schwere Verkehrsunfall in Wohlde an Weihnachten hat eines verdeutlicht: Schnelle Hilfe aus der Luft ist keine Selbstverständlichkeit. Das gilt freilich nicht nur für die dünn besiedelte Fläche im Südwesten des Kreises, sondern generell. Denn dem Einsatz der Hubschrauber der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) sind Grenzen gesetzt. Bei Tageslicht ist der Einsatz der Luftretter kein Problem. Bei Dunkelheit allerdings sind sie nicht erste Wahl, wenn es um das schnelle Erreichen eines Unglücksortes durch den Notarzt geht. Allerdings ist die DRF dabei, ihr Netz potenzieller Landeplätze im Kreisgebiet auszubauen. Dafür ist sie auf Hilfestellung angewiesen.

Von den beiden für das Kreisgebiet zuständigen zwei DRF-Stationen Niebüll und Rendsburg ist nur die Rendsburger für den Nachtbetrieb vorgesehen. Und selbst wenn deren Hubschrauber Christoph 42 einsetzbar ist, ist im Notfall nicht gesagt, dass er auch tatsächlich abfliegt. Die endgültige Entscheidung liegt beim Piloten, und die hängt von mehreren Kriterien ab.

So sind nach Angaben von DRF-Sprecherin Petra Hentschel bei der Regionalen Rettungsleitstelle in Harrislee gemeldete Landepunkte hinterlegt, für die gewährleistet ist, dass bei einem Einsatz die Landung durch die örtliche Feuerwehr vorbereitet ist. Der Boden muss für die Landung geeignet sein. Es dürfen sich keine Hindernisse in der Nähe befinden. Und die Landefläche muss von den Helfern ausgeleuchtet werden. Denn wie am Tag flögen die Piloten der Luftrettung auch bei Dunkelheit „auf Sicht“, so Hentschel.

Vor eineinhalb Jahren hat die DRF aus Rendsburg damit begonnen, das Netz von Landeplätzen zu erweitern, um einen Beitrag für mehr Sicherheit im ländlichen Raum bieten zu können. Seitdem werden die Freiwilligen Feuerwehren in der Region gezielt angesprochen. Denn sie werden als unverzichtbarer Partner benötigt, um über die ebenfalls eingebundene Rettungsleitstelle im Ernstfall schnell den Landeplatz für den Hubschrauber vorzubereiten.

Als einer dieser Landepunkte ist bei der Regionalleitstelle auch der Sportplatz in Norderstapel vermerkt, allerdings deaktiviert. Und genau das sorgte bei dem Einsatz am ersten Weihnachtsabend in Wohlde offenbar für einige Verwirrung (wir berichteten). Von einem Politikum, wie berichtet wurde, könne man allerdings nicht sprechen, betont Rainer Rahn, Bürgermeister von Norderstapel. Er sieht vielmehr ein Problem in der Kommunikation zwischen Feuerwehr und Gemeinde, konkret zwischen der Feuerwehr Süderstapel, die die Kooperation mit der Flugrettung vereinbart hat, und den Gemeinden Süder- sowie Norderstapel, denen der Sportplatz gemeinsam gehört.

Denn weder die Bürgermeister noch die Gemeindevertretungen waren bisher offiziell in die Kooperation eingebunden, geschweige denn über Details informiert. „Ich habe nie einen Antrag für Außenlandungen auf dem Sportplatz gesehen“, sagt Rahn, der hervorhebt, für die Sicherheit der Bürger im Ort verantwortlich zu sein. Da sei die Feuerwehr aus dem Nachbarort wohl etwas forsch vorangegangen.

Gleichwohl stehe er dem Projekt positiv gegenüber. „Selbstverständlich sind die Luftretter bei uns herzlich willkommen“, sagt Rahn, der als Polizeibeamter hauptberuflich ohnehin eng mit den Rettungsdiensten zusammenarbeitet.

Dass der Sportplatz in Norderstapel – wo seit Beginn der Kooperation von Feuerwehr und DRF erst drei Landungen stattfanden – bei der Leitstelle deaktiviert ist, beruht nach Angaben Rahns offenbar ebenfalls auf einem Missverständnis. Die Gemeinde Süderstapel habe gegenüber der Leitstelle darum gebeten, auf eine Sirenenalarmierung zu verzichten. Hintergrund war der Wunsch, die Menschen im Ort nach einer Reihe von Brandstiftungen in 2014 und 2015 nicht zu verunsichern. Das Problem solle zeitnah aus der Welt geschaffen werden.

Unterdessen ist die DRF mit Hochdruck auf der Suche nach neuen potenziellen Landeplätzen, um die schnelle Notfallrettung aus der Luft auch zu späterer Stunde verbessern zu können. Mitarbeiter und Piloten aus Rendsburg bieten den Feuerwehren Schulungen für die Vorbereitung von Landeplätzen an. „Wir wollen auf diesem Gebiet noch intensiver tätig werden“, sagt Petra Hentschel. Dabei sei man aber darauf angewiesen, dass die Feuerwehren im Kreisgebiet von sich aus potenzielle Landeplätze vorschlagen. Hentschel: „Um der Sicherheit Willen kann man gar nicht genug sichere Landesplätze haben. Daher freuen wir uns, wenn sich Feuerwehren oder Polizei bei uns melden.“

 

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erstellt am 01.Jan.2016 | 19:12 Uhr

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