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Schleswiger Nachrichten

06. Dezember 2016 | 22:59 Uhr

Giftige Altlasten auf der Wiking-Halbinsel : Lösung endlich in Sicht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kreis und Stadt einigen sich auf gemeinsames Vorgehen bei der Sanierung des verseuchten Boden. Grünen-Ratsherr Thaysen fordert indes eine Ölsperre – und zwar sofort!

Es ist mehr als 45 Jahre her, dass man in Schleswig erstmals auf das Problem aufmerksam wurde. Als tausende tote Fische in der Schlei zwischen Wiking-Halbinsel und Möweninsel trieben, kamen erste Gerüchte auf, dass mit Giftstoffen belastete Rückstände der alten Teerpappenfabrik „Erichsen und Menge“, die bis 1952 an der Callisenstraße stand, der Grund waren. 1989 wurden – als Ergebnis intensiver Untersuchungen – aus diesen Vermutungen erstmals Fakten. Seitdem hat man sich beim Kreis, als zuständige Bodenschutzbehörde, und der Stadt Schleswig, als Grundstückseigentümerin, immer wieder mit dem Thema einer nötigen Sanierung des verseuchten Bodens beschäftigt.

Wirklich passiert ist allerdings nichts. Stattdessen scheuten sich beide Behörden jahrelang, die Verantwortung zu übernehmen – in erster Linie mit Blick auf die Übernahme von Kosten. Jetzt jedoch scheint endlich eine Lösung in Sicht. „Wenn alles glatt läuft, könnten wir Ende des Jahres so weit sein, dass wir konkrete Maßnahmen einleiten“, sagte Landrat Wolfgang Buschmann bei einem Pressegespräch gestern Nachmittag im Schleswiger Kreishaus.

Dazu hatte Buschmann gemeinsam mit Bürgermeister Arthur Christiansen eingeladen. Beide Seiten wollten ein Zeichen setzen, dass man die Sanierung der Wiking-Halbinsel nun endlich ernsthaft angehen und zu einer Lösung kommen möchte. Denn, das wurde in diesen Tagen deutlich sichtbar: Die Zeit drängt. Vergangene Woche hatte Grünen-Ratsherr Johannes Thaysen öffentlich darauf aufmerksam gemacht, dass zurzeit wieder Öl und weitere Schadstoffe auf der Wasseroberfläche in der Nähe des Wikingturms zu sehen sind. „Wir müssen dieses Thema jetzt möglichst schnell klären. Die Schlei wartet darauf“, betonte nun auch Christiansen. Gemeinsam mit dem Kreis habe man sich deshalb jetzt – nachdem Anfang Juni ein neues Gutachten zu den erforderlichen Sanierungsmaßnahmen fertiggestellt wurde – erstmals auf einen gemeinsamen Fahrplan geeinigt. Demnach wird der Kreis noch im Sommer eine Anordnung verfassen und damit die Stadt auffordern, entsprechende Schritte einzuleiten. Dabei benennt der Kreis die Stadt als den sogenannten „Hauptstörer“, ein juristischer Fachbegriff, mit dem die Hauptverantwortung auf die Stadt geschoben wird. Letztere wiederum wird den Bescheid dann vom Verwaltungsgericht prüfen lassen.

Momentan gehen Kreis und Stadt davon aus, dass die Juristen dem Antrag folgen. Wenn das so ist, kann die Sanierung angegangen werden. Die Kosten für die Versiegelung von Bodenflächen und den Bau einer Spundwand werden zurzeit auf rund eine Million Euro geschätzt. Für Instandhaltungsmaßnahmen in den Folgejahren wird mit einer weiteren Million gerechnet. „Wir hoffen aber auf Fördermittel von Land, Bund und der EU“, sagte Christiansen. Es gebe bereits positive Signale aus dem Kieler Wirtschaftsministerium. Ob später auch die betroffenen Grundstückseigentümer anteilig zur Kasse gebeten werden, stehe noch nicht fest.

Viele Jahre lang hatte man im Rathaus konsequent die Verantwortung abgelehnt, da die Teerpappenfabrik privat betrieben wurde und die Grundstücke auch heute noch (oder wieder) in Privatbesitz sind. Allerdings hat auf der Wiking-Halbinsel bis 1953 auch ein von der Stadt betriebenes Gaswerk gestanden, dessen Teerrückstände wiederum von der Dachpappenfabrik weiterverarbeitet wurden. „Deswegen muss man das verseuchte Gebiet gesamt betrachten“, erklärte der Leiter des Kreis-Umweltamtes, Thorsten Roos. Schwierige Besitzverhältnisse, verschiedene Giftstoffe mit unterschiedlicher Herkunft, dazu die Frage der Kostenübernahme: All das hat dazu geführt, dass das Thema jahrzehntelang von Kreis und Stadt wenn überhaupt nur mit der Kneifzange angefasst wurde. „Damit soll nun endlich Schluss sein“, betonte Christiansen. Schließlich habe man eine gemeinsame Verantwortung für die Schlei. Das sieht auch Johannes Thaysen so. Er sehe das neue Vorgehen von Kreis und Stadt als gutes Zeichen. Allerdings müsse man angesichts der aktuellen Giftstoff-Austritte sofort handeln. „Es ist Gefahr in Verzug. Wir brauchen eine Ölsperre – sofort“, forderte er. Der Kreis will in der nächsten Woche entscheiden, ob er dem Wunsch nachkommt.

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erstellt am 18.Jun.2016 | 16:00 Uhr

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