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Schleswiger Nachrichten

31. Mai 2016 | 13:56 Uhr

Späterer Einzugstermin : Leitungen falsch verlegt: Pfusch beim Klinik-Neubau in Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eigentlich hätte das neue Schleswiger Krankenhaus zu Ostern eingeweiht werden sollen. Daraus wird nun nichts.

Der Einzugstermin in den Klinik-Neubau in Schleswig, der für den 2. April fest eingeplant und offiziell bekannt gegeben worden war, verzögert sich. Für wie lange – das allerdings weiß John Friedrich Näthke als Geschäftsführer der Klinik noch nicht. „Erst Anfang Februar werden wir wohl sagen können, wann der Umzug stattfinden kann“, sagte er. Auf jeden Fall solle er aber noch in diesem Jahr über die Bühne gehen. Die Belegschaft der Klinik sowie das Kieler Sozialministerium wurden am Montagnachmittag über die neue Entwicklung informiert.

Mit der Baufirma, die den unbrauchbaren Fassadenputz anbrachte, befindet sich der Helios-Konzern in einem Streit, der möglicherweise vor Gericht enden wird. Denn schließlich stecken in dem 80 Millionen Euro teuren Neubau auch beträchtliche Steuergelder. 50 Millionen bekam Helios vom Land, 30 Millionen steuert der Konzern selbst bei.

Auch John Friedrich Näthke selbst zeigte sich fassungslos über den geplatzten Einzugstermin. Vor allem auch darüber, was dem zugrunde liegt. „Es betrifft die gesamte Elektrik im Neubau. Schalter, Steckdosen, Kabel sowie IT-Leitungen sitzen alle an der falschen Stelle“, sagte er. Und das heißt: Alles muss wieder raus. Bereits fertige Decken und Wände sollen jetzt wieder aufgebrochen werden, um danach die Installationen an die richtigen Stellen zu platzieren.

Wie konnte das passieren? Näthke: „Bisher wissen wir nur: Es war der falsche Plan.“ Demnach sind die Handwerker nach veralteten Bauplänen vorgegangen. Welche Person oder Baufirma dies verbockt hat, wird derzeit ermittelt, erklärte der Geschäftsführer. Die Verantwortlichen würden ausfindig gemacht.

Dabei sah es bis vor wenigen Tagen noch gut aus. „Ich habe im Traum nicht damit gerechnet, dass so etwas passiert. Wir alle hatten uns schon auf das neue Haus ab Ostern gefreut“, meinte er. Der Umzug war bis ins Detail vorbereitet. Noch in den Weihnachtstagen sei man sehr guten Mutes gewesen.

Erste Hinweise darauf, dass mit der Elektrik im Hause etwas nicht stimmt, habe es dann in den ersten Januartagen gegeben. Bei einer Bauabnahme einzelner Bereiche sei festgestellt worden, dass Schalter und Kabel falsch angebracht wurden. Und schließlich kam heraus: In dem Neubau mit 28.000 Quadratmetern Nutzfläche sitzt nahezu alles, was mit Elektrik zu tun hat, an der falschen Stelle. „Dabei waren wir schon so weit“, meint Näthke. „Die Maler waren fertig, der Fußboden war verlegt, nichts sprach mehr gegen den Einzug nach Ostern.“ Jetzt müssen Wände und Decken wieder geöffnet werden.

Baupfusch Nr. 2 betrifft die Außenfassaden. Der Putz hatte schon seit dem Sommer überall Risse an den drei Baukörpern des Klinikums. Deshalb steckt das riesige Neubau-Gebilde hinter kunstvoll wirkenden Plastikplanen. Dadurch sollen die Handwerker ohne Frosteinwirkung an den Fassaden arbeiten können. Derzeit wird der gesamte Putz abgeschliffen. Anschließend kommt ein neuer drauf.

Viele Baufirmen sind an dem größten Neubau der Stadt beteiligt gewesen; die gute Nachricht aber ist, dass es sich um keine Schleswiger Firma oder eine aus der Region handelt, die für den Pfusch am Bau verantwortlich zeichnet.

 

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erstellt am 12.Jan.2016 | 11:37 Uhr

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