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Schleswiger Nachrichten

30. Mai 2016 | 18:25 Uhr

Lehrermangel in Böklund : Laien-Lehrerin: Hilfskraft gibt Englisch-Unterricht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Um Stundenausfall in der Unterstufe zu vermeiden, setzt die Auenwaldschule in Böklund drei Wochen lang auf eine Notlösung.

Böklund | Die Schüler der fünften bis siebten Klassen der Auenwaldschule in Böklund werden diese Woche verdutzt gucken, wenn nach den Weihnachtsferien die erste Englisch-Stunde beginnt. Statt einem werden im besten Fall gleich zwei Erwachsene den Unterricht leiten – und einer von den beiden wird gar nicht so viel älter sein als die Schüler selbst. Denn nachdem eine Englisch-Lehrerin, die bereits als Krankheitsvertretung eingestellt war, die Schule mit Beginn der Ferien vorzeitig verlassen hat, musste kurzfristig Ersatz gefunden werden. Nun wird für die restlichen Wochen des ersten Schulhalbjahres, also bis Ende Januar, eine ehemalige Schülerin der Gemeinschaftsschule, die inzwischen Abitur gemacht hat, in den Englischstunden in besagten Klassenstufen mit den Schülern Konversation in der Fremdsprache führen, Grammatik lehren und Vokabeln pauken. Es ist eine Notlösung, denn pädagogisch ausgebildet ist die neue Kraft hinterm Pult noch nicht.

Vielerorts wird der hohe Unterrichtsausfall beklagt. Durch langzeitigen Ausfall verringern sich die Bildungschancen der Schüler und damit auch die Berufsschancen.

Viel verraten über die Aushilfslehrkraft, die kürzlich von einem längeren Aufenthalt in Australien zurückgekommen ist und fließend Englisch spricht, will Schulleiterin Gerhild Westphal aus Datenschutzgründen noch nicht. Nur so viel: „Sie besitzt die nötige sprachliche und menschliche Kompetenz. Sie ist begeisterungsfähig, aufgeschlossen und dem Gegenüber zugewandt“, sagt die Schulleiterin – alles Fähigkeiten, die für Lehrer unabdingbar seien. „Deswegen habe ich sie gefragt, ob sie uns aus der Klemme hilft. Ich traue mir zu, zu entscheiden, ob jemand für diesen Job geeignet ist oder nicht. Die Eltern brauchen sich wirklich keine Sorgen zu machen.“ Mit dem nötigen pädagogischen Fachwissen wollen die Schulleiterin selbst sowie andere ausgebildete Kolleginnen die junge Aushilfskraft, die selbst ein Lehramtsstudium anstrebt, begleiten – im besten Fall nicht nur in der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, sondern auch im Klassenzimmer selbst. „Sie wird wie eine Praktikantin unter unserer Anleitung arbeiten. Wir stehen ihr als Mentoren zur Seite. Zensuren wird sie natürlich nicht vergeben“, sagt Gerhild Westphal bezugnehmend auf die Halbjahreszeugnisse.

Die Schulleiterin war, nachdem bekannt geworden war, dass kurzfristig und für eine befristete Zeit eine neue Englisch-Lehrkraft gefunden werden muss, die üblichen vom Bildungsministerium vorgegebenen Schritte gegangen. Sie suchte im Zentralregister im Internet, dem vom Ministerium installierten Portal „pbOn“, unter den Profilen der sich dort vorstellenden Englisch-Lehrer und Vertretungskräfte nach einem geeigneten und willigen Kandidaten für die Böklunder Gemeinschaftsschule – jedoch ohne Erfolg.

Ein Grund dafür ist, so vermutet die Schulleiterin, der Zeitpunkt der Suche gewesen. Anfang Januar sei kein üblicher Termin für einen Stellenwechsel oder Neueinstellungen. Sybille Pahlke, eine der beiden im Kreis Schleswig-Flensburg beheimateten Schulrätinnen, ergänzt: „Je kürzer die Vertragsdauer ist, desto schwieriger ist es, jemanden zu finden.“ Zwar seien Lehrkräfte für Naturwissenschaften wie Physik und Chemie noch seltener als Englisch-Lehrer. Generell aber gelte: Der Bewerbermarkt sei zurzeit nicht üppig.

Die Schulaufsicht des Kreises und das Bildungsministerium in Kiel befürworten die zwar ungewöhnliche, aber praktikable Lösung. „Für uns ist das eine gute Entscheidung, die die Schule getroffen hat, weil der Lehrerausfall nicht gleich Unterrichtsausfall bedeutet. Die Übergangszeit, bis eine neue Lehrkraft gefunden ist, wird so gesichert. Das ist die oberste Prämisse und es ist absolut im Sinne der Schüler“, sagt Beate Hinse, Sprecherin im Bildungsministerium.

Auch aus dem Elternbeirat einer betroffenen Klasse habe sie Zustimmung für die gefundene Lösung erhalten, sagt Gerhild Westphal. Allerdings seien noch nicht alle Eltern informiert worden, da die Schule bis zuletzt noch auf den Einsatz einer ausgebildeten Lehrkraft gehofft habe. Ein Rundbrief, der eigentlich vor den Ferien rausgehen sollte, werde alle Eltern daher erst in diesen Tagen erreichen. Auch Schulelternbeiratsvorsitzender Heiko Schulz wurde erst durch die Nachfrage der Schleswiger Nachrichten darüber informiert, wie es diese Woche nach den Ferien weitergehen soll. Der Vater einer Tochter, die in die siebte Klasse geht, nahm die Übergangslösung gelassen und positiv auf.

Für die nächsten drei Wochen ist der Englischunterricht gesichert, doch wie geht es dann weiter an der Auenwaldschule? „Die Stelle zu besetzen, hat oberste Priorität. Wir gehen davon aus, dass wir bis zum 1. Februar eine neue Lehrkraft gefunden haben“, sagt Beate Hinrichs. Böklunds Schulleiterin hofft das ebenfalls. „Ich bin zuversichtlich. Irgendwie werden wir es hinkriegen“, sagt Gerhild Westphal.

 

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erstellt am 05.Jan.2016 | 10:43 Uhr

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