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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 15:33 Uhr

LTE-Funkmasten : Kurze Freude über schnelles Internet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erst im vergangenen Jahr eingerichtet, schaltet die Telekom ihr LTE-Funknetz entlang der Flensburger Förde teilweise ab. Die Kunden klagen über schlechten Service.

Die Freude über schnelles Internet per Funkverbindung entlang der Flensburger Förde währte nur kurz. Erst im vergangenen Jahr aktiviert, wurden jetzt fünf Sendemasten entlang der Funkstrecke zwischen Harrislee und Niesgrau abgeschaltet. Endgültig. An weiteren Masten wird die Sendeleistung vermindert, damit es im Nachbarland Dänemark zu keinen Störungen der Funkverbindungen kommt. Von dort liegen zwar keine offiziellen Beschwerden vor – aber zuviel ist zuviel, sagt die Telekom.

Klaus Braubach lebt in Steinberghaff und ist immer noch fassungslos angesichts der unvermittelten Kappung seiner LTE-Internetverbindung. „Zunächst dachten wir, dass es sich um eine Störung handelt.“ Eine Störung, wie sie dort immer mal wieder auftrat. Sechs Nachbarn nutzen die LTE-Verbindung der Telekom. Braubach wandte sich an die Störungsstelle, kontaktierte Hilfeforen im Internet – und bekam nach etlichen Nachfragen folgende Begründung: Dänische Telekommunikationsanbieter hätten sich über zu starke Signale aus Deutschland beschwert, deshalb sei die Verbindung gekappt worden.

Braubach (50), gelernter Radio- und Fernsehtechniker, konnte sich selber helfen. Gemeinsam mit einem Nachbarn installierte er eine UMTS-Antenne, mit der er nun zwar deutlich langsamer als mit LTE – acht MBit/s statt 18 MBit/s – ins Internet kommt, aber er bekommt noch eine Verbindung. 60 Euro hat ihn die Antenne gekostet. „Hätten wir gar nichts unternommen, hätten wir vermutlich bis heute kein Internet“, sagt Braubach. Er ärgert sich über die Informationspolitik der Telekom, darüber, dass er keine offizielle Mitteilung über die Abschaltung erhalten hat. „Man hat keine wirklichen Ansprechpartner“, ärgert er sich. „Die verfahren nach dem Prinzip: Abwarten, wer sich meldet.“ Er hat die Telekom um eine schriftliche Stellungnahme gebeten, bislang aber keine Antwort erhalten.

Besonders kurz konnte sich Rainer Hansen aus Westerholz über das schnelle Internet aus der Luft freuen. Erst drei Wochen vor der Abschaltung war er LTE-Kunde der Telekom geworden. Die Familie war er erst kurz zuvor von Flensburg aufs Land gezogen. Dann war plötzlich Schluss. Ohne Vorwarnung wurde die Übertragungsgeschwindigkeit stark reduziert, Empfang ist seither nur noch sporadisch möglich.

Auch Hansen gab eine Störungsmeldung auf, kontaktierte mehrfach die Telekom. Schließlich erhielt auch er die Begründung, die Sendeleistung sei auf Anweisung der Bundesnetzagentur (BNA) heruntergefahren worden, da es Beschwerden aus Dänemark gab.

Hansen versuchte, sich selbst zu helfen, indem er auf seiner Terrasse ein Podest errichtete, auf das er seinen LTE-Router bei Bedarf stellt. Damit habe er gelegentlich Empfang, sagt er. Keine besonders praktikable Lösung, vor allem bei Regenwetter, und auch keine besonders verlässliche, denn guter Empfang ist immer noch Glückssache. In der Hoffnung, die schwachen Funkwellen besser einfangen zu können, will Hansen sich eine LTE-Antenne beschaffen. Doch die bekommt man nicht einfach so im lokalen Elektrofachhandel.

Von Beschwerden dänischer Funknetzbetreiber über zu starke deutsche Funkwellen weiß man bei der Bundesnetzagentur, zuständig für derartige Konflikte in Grenznähe, nichts. Bei ihnen sei keine Beschwerde eingegangen, sagt Anja Klammer von der BNA. Solche Beschwerden seien aber die Voraussetzung dafür, die Anbieter aufzufordern, etwas zu unternehmen. „Die Netzagentur hat keine Abschaltung veranlasst“, stellt Klammer klar.

Die Telekom jedoch beharrt darauf, einige Sendemasten abschalten zu müssen, weil es auf der dänischen Seite zu Beeinträchtigungen gekommen sei, so Telekom-Pressesprecherin Stefanie Halle. „Ja“, sagt sie, „wir haben aktuell von Niesgrau bis Harrislee Probleme mit der LTE-800-Nutzung, also 50MBit/s, an fünf Standorten.“ Es seien jedoch nur die Antennen abgeschaltet worden, die Richtung Norden sendeten. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung“, sagt Halle. Demnach sollen die Antennen Richtung Dänemark leistungsreduziert, mit sogenannten Dämpfungsgliedern betrieben werden. Die fehlende LTE-Versorgung könne zum großen Teil durch UMTS aufgefangen werden. „Wann genau LTE wieder voll zur Verfügung steht, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, so Halle.

Hansen, Braubach und anderen wurde von der Telekom eine Rückabwicklung der LTE-Verträge angeboten. Doch davon wollen sie nichts wissen. Durchhalten und hoffen lautet ihre Devise. Braubach gibt sich bis auf Weiteres mit der langsameren UMTS-Lösung zufrieden. Und Hansen hofft, dass er doch noch eine LTE-Antenne besorgen kann, die für eine stabilere Verbindung sorgt. Eine Rückabwicklung des Vertrages ist für ihn keine Option. „Dann haben wir vertraglich vereinbart eine viel geringere Bandbreite, die uns dasselbe kostet.“

 

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erstellt am 26.Aug.2014 | 11:39 Uhr

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