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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 19:17 Uhr

„Wir stehen für die Liebe zum Land“ : Kreislandfrauentag in Schleswig – zwischen Tradition und Aufbruch

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Bundesvorsitzende Brigitte Scherb fordert die Teilnehmerinnen zu mehr politischem Engagement auf.

Schleswig | Im Rathaus duftet es nach Kaffee und Kuchen. Der schmeckt auch Brigitte Scherb, wie sie wenig später am Rednerpult im Ständesaal verrät. Doch die Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes ist gestern Nachmittag nicht nach Schleswig gekommen, um Klischees zu bedienen. „Wir sind mehr als eine kaffeetrinkende, kuchenessende und reisefreudige Gemeinschaft“, ruft sie den knapp 100 Teilnehmerinnen des Kreislandfrauentages (Kreisteil Schleswig) zu. Und dann setzt sie zu einer leidenschaftlichen, gut eine Stunde dauernden Rede an, die den Ersten Kreisrat Walter Behrens (CDU) anschließend zu der etwas flapsigen Bemerkung veranlassen wird: „Ich habe mich gefragt, ob Sie eine Sauerstoffflasche auf dem Rücken tragen. Irgendwann müssen Sie doch auch mal Luft holen.“

Brigitte Scherbs Auftritt hat etwas von einer Parteitagsrede, wo es dem politischen Führungspersonal darum geht, die eigenen Reihen zu mobilisieren. Und die Bundesvorsitzende will auch gar nicht verhehlen, dass der Kreislandfrauentag für sie „auch eine politische Kundgebung“ sei. Sätze wie „Wir sind die gesellschaftliche Kraft im ländlichen Raum“ oder „Wir stehen für die Liebe zum Land“ fallen immer wieder. Die Bäuerinnen und Landfrauen, so Scherb, stünden für Bewährtes, für Traditionen. „Aber wir wollen auch die Zukunft gestalten.“ Nach Ansicht der Gastrednerin tun das die rund 2000 „tüchtigen“ Damen, die im Kreisverband organisiert sind. „Sie bieten Bildungsprogramme an und unterstützen diejenigen, die in Not sind. Für mich ist das Innovation pur.“ Das zeige sich aktuell in der Flüchtlingskrise, wo sich die Ortsvereine aus eigener Verantwortung heraus eingebracht hätten.

Aber es geht der Niedersächsin Brigitte Scherb an diesem Nachmittag um mehr, als das Wir-Gefühl zu stärken und den Anwesenden für das Engagement zu danken. Die oberste Lobbyistin fordert die Landfrauen auch dazu auf, kämpferischer zu sein und die eigenen Interessen stärker nach außen zu vertreten. Dazu sei es erforderlich, dass mehr Frauen aus den eigenen Reihen selber den Schritt in die Politik wagten. Und dann hat Scherb mit einem Zitat der früheren britischen Premierministerin Margret Thatcher die Lacher auf ihrer Seite: „Wollen Sie wissen, wie etwas geschieht – fragen Sie Männer. Wollen Sie aber, dass etwas geschieht, fragen Sie Frauen – am besten Landfrauen.“

Einmischen, sich zu Wort melden – das gelte vor allem auf den Feldern, auf denen Frauen immer noch benachteiligt seien. Scherb fordert „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ und eine paritätische Besetzung von Männern und Frauen in Organisationen und in Führungsebenen der Betriebe. „Wir Frauen müssen lernen, unsere Ansprüche auch deutlich zu formulieren.“ Dabei könne das weibliche Geschlecht gerade seine als Mütter erlernten Management-Fähigkeiten in den Firmen einbringen.

Dass die Frauen zumindest auf politischer Ebene im Kreis Schleswig-Flensburg bereits gut vertreten sind – darauf weist Walter Behrens hin. Von den aktuell sechs Landtagsabgeordneten aus der Region seien vier Frauen. Dazu komme eine Bundestagsabgeordnete als einzige Vertreterin des Kreises in Berlin. Und der Kreistag bestehe immerhin zu rund 30 Prozent aus weiblichen Mitgliedern. Aber, so Behrens weiter, im Mai 2018 fänden die nächsten Kommunalwahlen statt. „Ich möchte Sie jetzt schon auffordern, sich zu engagieren.“

Brigitte Scherb ist überzeugt davon, dass die hiesigen Landfrauen ihrer Region neue Impulse verleihen und den Strukturwandel erfolgreich begleiten werden. Und dass sie Kuchen backen können, das weiß sie natürlich auch.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 13:55 Uhr

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