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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 00:19 Uhr

Amt Arensharde : Knappes Votum für Schul-Schließungen in Hollingstedt und Treia

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ausschuss empfiehlt neuen Grundschulstandort in Silberstedt und Schließung der Einrichtungen in Hollingstedt und Treia.

Die Entscheidung fiel nach mehr als dreieinhalb Stunden voller Informationen, Diskussion und Emotionen überraschend schnell. Mit fünf gegen vier Stimmen beschloss der Schul- und Kulturausschuss des Amtes Arensharde am Dienstagabend seine Empfehlung an den Amtsausschuss: Die Grundschule Hollingstedt soll für zwei Jahre mit zusätzlichen Lehrer-Stunden fortgeführt werden, die Schulrätin Sybille Pahlke zugesichert hatte. Während dieser Zeit soll für 2,6 Millionen Euro (ohne Ausstattung) in Silberstedt ein neuer Grundschul-Standort an der Erich-Kästner-Gemeinschaftssschule geplant werden. Danach sollen die Grundschul-Standorte Hollingstedt und Treia geschlossen werden.

Fast 200 Besucher waren zur Sondersitzung in die Amtsverwaltung Silberstedt gekommen, um zu erfahren, wie es mit den Grundschulen im Amt weitergehen soll – die Spannung war mit Händen zu greifen. Schon in der vergangenen Woche hatte sich eine heftige Diskussion entzündet, nachdem durchgesickert war, dass der Ausschuss in nicht öffentlichen Beratungen zwei Vorschläge erarbeitet hatte.

Die Ausschuss-Vorsitzende Sabine Sütterlin-Waack sprach in ihrer Begrüßung von einem schwierigen Thema, von Emotionen und der Hoffnung auf eine sachliche Sitzung. Die Veröffentlichung der Pläne habe für erhebliche Verunsicherung gesorgt, erklärte sie, übte aber auch Selbstkritik: Der Ausschuss habe das Thema zu lange unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt. Dann stellte sie die beiden Beschluss-Vorschläge vor: Schließung des Grundschulstandorts Hollingstedt mit Empfehlung, die Kinder in die Schule Treia zu schicken. Gleichzeitig Planung einer neuen Grundschule in Silberstedt. Wenn die bezugsfertig ist, Schließung auch der Schule in Treia. Zweite Möglichkeit: Schließung der Schule Hollingstedt mit der Empfehlung, die Kinder in Treia anzumelden.

Der Leitende Verwaltungsbeamte Ralf Lausen erklärte das Problem anhand von Zahlen: An der Grundschule Hollingstedt ist Unterricht wegen der niedrigen Schülerzahlen (57, Tendenz sinkend) nur eingeschränkt möglich. Die Grundschule Treia bewegt sich knapp über dem Minimum von 80 Schülern. Und: Die Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule Silberstedt wird demnächst unter die vorgegebene Minimalschülerzahl von 240 rutschen. Es wurde im Laufe der Erläuterungen immer deutlicher: Es ging nicht nur um die Probleme der Grundschule Hollingstedt, sondern auch und vor allem darum, die einzige Gemeinschaftsschule im Amt zu stärken. Damit waren vor allem viele Treianer nicht einverstanden. „Wenn Hollingstedt und Silberstedt ein Problem haben – warum soll dann Treia geschlossen werden“, fragte Treias Kulturausschuss-Vorsitzender Raoul Pählich. Dass erhebliche Animositäten im Spiel sind, machte Hollingstedts Bürgermeisterin und Amtsvorsteherin Petra Bülow deutlich, die sich maßlos darüber aufregte, dass die SPD Treia über Facebook über die bevorstehende Schließung der Grundschule Hollingstedt berichtet hatte. „Wir sind in der Lage, den Eltern so etwas selbst mitzuteilen“, sagte sie und kündigte an, dass keine Hollingstedter Schüler die Schule in Treia besuchen würden: „Das wollen die Eltern nicht. “ Die Konter blieben nicht aus. Von Propaganda gegen Treia war die Rede und es kam die Frage auf, warum Treias Schule so schlecht gemacht werde.

Es gab aber auch die Anregung, langfristiger und größer zu denken: Jübeks Bürgermeister Herbert Will beispielsweise plädierte vehement dafür, an das Amt Arensharde und die Qualität des Unterrichts zu denken und so zu entscheiden: „Natürlich gibt es nichts Schlimmeres für einen Bürgermeister, als die Schule im Ort zu verlieren. Da kann man die Wiederwahl glatt abhaken. Aber es geht auch um unsere Kinder und um das Amt.“

Nachdem Sabine Sütterlin-Waack die Diskussion beendet hatte, zog sich der Ausschuss zur Beratung hinter verschlossene Türen zurück. Dann folgte auch zügig der Beschluss – mit dem deutlichen Hinweis, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Die trifft der Amtsausschuss im Dezember.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 11:49 Uhr

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