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Schleswiger Nachrichten

26. Juni 2016 | 17:33 Uhr

Heike Franzen hat das Nachsehen : Klömmer auf dem Weg nach Kiel

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

CDU-Mitglieder im Wahlkreis 6 votieren für den Erfder Bürgermeister als Landtagskandidaten.

Der Stachel der Enttäuschung saß tief bei Heike Franzen. Als Thomas Klömmer reihenweise Glückwünsche entgegennahm, scheute die CDU-Landtagsabgeordnete den Gang zu ihrem Kontrahenten und verließ beinahe fluchtartig den Saal. Die eigenen Parteifreunde im Wahlkreis 6 (Dithmarschen-Schleswig) hatten der Karriere der profilierten Bildungspolitikerin am Donnerstagabend in der Eiderlandhalle in Pahlen (Kreis Dithmarschen) gerade ein jähes Ende bereitet. Klömmer, Bürgermeister in Erfde und Hauptausschussvorsitzender im Kreistag, wird stattdessen als Direktkandidat bei der nächsten Landtagswahl im Mai 2017 für die Christdemokraten antreten. „Ich freue mich riesig“, sagte der 33-Jährige.

Der Mobilisierungsgrad war enorm, 501 stimmberechtigte Mitglieder waren zur Wahlkreisversammlung nach Pahlen gekommen. Schließlich barg die Konstellation im neu geschnittenen Wahlkreis 6, der vom Amt Arensharde bis nach Heide reicht, mit drei Bewerbern reichlich Brisanz. Für den Dithmarscher CDU-Kreisverband ging der Heider Ratsherr Andreas Hein (48) ins Rennen. Dass im Schleswig-Flensburger Kreisverband neben Heike Franzen auch Thomas Klömmer seine Landtagsambitionen angemeldet hatte, hatte im Vorfeld für einige Verärgerung gesorgt (wir berichteten).

Dass Franzen schon im ersten Wahlgang deutlich scheitern sollte, überraschte dann aber doch. Lediglich 142 Stimmen konnte die Schubyerin auf sich vereinen. Klömmer (183) und Hein (175) zogen in die Stichwahl. Dort setzte sich der Erfder mit 262 zu 223 Stimmen durch.

„Das ist Demokratie“, meinte Franzen in einer ersten Reaktion gegenüber unserer Zeitung. Chancen, vielleicht doch wieder ins Kieler Parlament einzuziehen, hat die stellvertretende CDU-Landesvorsitzende praktisch keine. Auch ein vorderer Platz auf der Landesliste würde der bald 52-Jährigen, die für den Fall eines Regierungswechsels schon als mögliche Bildungsministerin gehandelt wurde, nicht helfen. Da die Union in der Regel viele Direktmandate gewinnt, kommt die Landesliste nicht zum Zuge.

Franzen hatte die Menge mit ihrer 15-minütigen Bewerbungsrede nicht überzeugen können. Aufgeregt und zuweilen fahrig wirkte sie bei ihrer Schelte für die Kieler „Küstennebelkoalition“, wie sie das Regierungsbündnis aus SPD, Grünen und SSW nannte. Aber wie wichtig sind solche Vorstellungsreden eigentlich? Klömmer las eine Viertelstunde lang stur von seinem Manuskript ab, erntete am Ende kaum Beifall – und gewann die Kandidatenkür dennoch. Wohl auch, weil er im wenige Kilometer von Erfde entfernten Pahlen quasi ein Heimspiel und es am besten verstanden hatte, seine Gefolgsleute zu mobilisieren. Gleich 80 neue Parteimitglieder hatte er rechtzeitig – satzungskonform – vor der Wahlkreisversammlung in seiner Region rekrutieren können. Eine Strategie, die aufging.

Klömmer, der sein Geld als Landesgeschäftsführer der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von Schleswig-Holstein und Hamburg verdient, ist nunmehr auf dem Weg nach Kiel. Der Wahlkreis gilt als „tiefschwarz“ und somit als sichere Bank für den CDU-Direktkandidaten. Klömmer betonte, dass er froh über den Neuzuschnitt sei. „Süderstapel und Erfde waren vorher immer der letzte Zipfel des Wahlkreises. Jetzt liegen wir mittendrin.“ Für seine Kontrahentin Franzen fand er zudem warme Worte: „Ich habe großen Respekt vor der politischen Leistung von Heike Franzen.“

Der CDU-Kreisvorsitzende Johannes Callsen konnte derweil seine Enttäuschung über das Aus für seine Landtagskollegin, die seit elf Jahren im Parlament sitzt, nicht verbergen. „Für die Fraktion ist das ein erheblicher Verlust. Es ist auch für unseren Kreisverband ausgesprochen bedauerlich.“

Später fand die Ausgebootete dann doch noch einen Weg, dem Gewinner des Abends zu huldigen. „Thomas Klömmer ist der Kandidat für den Wahlkreis Dithmarschen/Schleswig. Ich gratuliere“, schrieb Heike Franzen auf Facebook.

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erstellt am 13.Feb.2016 | 07:23 Uhr

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