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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 09:30 Uhr

Schleswig : Kirchenjugend kämpft für den Michaelisberg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Rege Beteiligung an der Diskussionsrunde über die Zukunft der Gemeindehäuser. Die Entscheidung fällt am Mittwoch.

Die Fusion der drei Schleswiger Kirchengemeinden ist erst ein Jahr her, schon steht mit der künftigen Nutzung der kirchlichen Immobilien die nächste Entscheidung an. „Dabei binden wir Sie frühzeitig mit ein“, sagte Pastor Michael Dübbers zu den rund 60 Anwesenden, die am Sonnabend im Gemeindehaus Michaelisberg mitdiskutieren wollten. „Wir brauchen Ihre Meinung“, betonte der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, welcher am kommenden Mittwoch die endgültige Entscheidung fällen wird.

Zunächst erfolgte eine Bestandsaufnahme der sechs Gemeindehäuser samt Bewirtschaftungs- und möglicher Sanierungskosten, die bei einer weiteren Nutzung auf die Kirchengemeinde zukämen. Alle Gebäude wie Domhalle, Michaelisberg oder das Gemeindehaus Friedenskirche auch energetisch auf den neuesten Stand zu bringen, würde rund 15,4 Millionen Euro kosten. Saniert man lediglich die Substanz, würde dies 6,2 Millionen Euro kosten.

Zwar ist das Aufkommen an Kirchensteuer so hoch wie nie zuvor, dennoch schloss der Kirchenhaushalt letztes Jahr ohne Plus. Hauptgrund sind die laufenden Kosten für die Gebäude, die 60  000 Euro im Jahr betragen – Dom und Dreifaltigkeitskirche nicht mitgerechnet. Da die Gemeinde mit aktuell 13  000 Mitgliedern laut Dübbers durch den demografischen Wandel jedes Jahr 300 verliere, sei die Trennung von Gemeindehäusern unausweichlich. Allerdings betonte er, dass nicht sofort abgerissen werden würde, sondern erst über eine Nachnutzung entschieden werde. Denkbar seien Vermietung, Verkauf oder gewerbliche Nutzung.

Grundlage für die Diskussion waren jetzt drei Modelle. Das erste sieht vor, das Gemeindehaus Michaelis-Süd aufzugeben, wodurch jährlich 9700 Euro Bewirtschaftungskosten eingespart werden könnten. Zudem würde es 1,25 Millionen Euro kosten, um den Istzustand zu sanieren – ohne ihn allerdings optimiert zu haben. Von einem Verkauf versprach sich Kai Lorenzen-Silbernagel, Architekt und Mitglied des Kirchengemeinderats, einen finanziellen Rückfluss. Er betonte, dass der Fortbestand der dort untergebrachten Aktivitäten wie auch des Eine-Welt-Ladens an anderen Standorten gewährleistet werden könne. Dies solle unter anderem durch die Sanierung des Michaelisbergs erfolgen. Geschätzte Investitionskosten für eine umfassende Sanierung und Modernisierung: 5,5 Millionen Euro.

Im zweiten Modell wird das Gemeindehaus Michaelisberg aufgegeben, das mit laufenden Kosten von 16  800 Euro zu Buche schlägt. Die Sanierung des Istzustands würde 2,8 Millionen Euro kosten. Im Gegenzug soll Michaelis-Süd für 3,5 Millionen Euro saniert und ausgebaut werden.

Modell Drei schließlich sieht die Aufgabe beider Gemeindehäuser sowie der jetzigen Domhalle vor. Stattdessen soll in der Pauluskirche ein neues Gemeindezentrum mit Jugendhaus entstehen und gegenüber dem Domportal ein Neubau mit Chorräumen, Eine-Welt-Laden, Dom-Shop und Gemeindebüro. Die Einsparung an Bewirtschaftungskosten beträgt 26  500 Euro im Jahr, es müssten aber gut drei Millionen Euro investiert werden.

Dass die letzte Option einen gewissen Charme hatte, zeigte die mit über 30 Personen sehr große Beteiligung an der Diskussionsrunde zu diesem Modell. Die beiden anderen Modelle wurden jeweils in anderen Räumen thematisiert. Das Gemeindehaus Michaelisberg sei wegen eindringender Feuchtigkeit in finanzieller Hinsicht ein „Fass ohne Boden“ meinte ein Teilnehmer. Die Risse im Fundament der Domhalle machten ihr Angst, sagte hingegen Christina Selle, die dort mit den Kinder- und Jugendchören probt. Die Idee einer neuen Domhalle kam bei ihr deshalb gut an. Argumente für oder gegen Michaelis-Süd fielen dagegen kaum.

Vehement gegen einen Umzug ins jetzige Gemeindehaus an der Pauluskirche sprach sich die Jugend aus. Der Michaelisberg sei dank seiner vielseitigen Nutzbarkeit „der beste Platz, den wir je hatten“, meinte Darius Pahlenkemper von den Pfadfindern. Sie hätten drinnen wie draußen genügend Platz und die Lage sei zentral. Im abgelegenen Stadtnorden gebe es zu wenig Parkplätze und Lagerraum für ihr Material. Ralf Braun vom Kirchengemeinderat entgegnete: „Wir haben genug Raum, es kommt nur drauf an, wie wir uns verteilen.“ Auch wenn die Jugendlichen wenig Resonanz auf ihre Argumente erhielten, schrieben sie diese auf kleine Kärtchen, die dem Kirchengemeinderat übergeben wurden. Gero Moltzen schlug vor, dass ein Jugendwart dazu geholt werden sollte, „wenn entschieden wird“.

Am Ende der Veranstaltung sagte Michael Dübbers in Hinsicht auf Mittwoch: „Ich wünsche mir, dass wir miteinander die Entscheidung respektieren. Wir sind uns der Verantwortung bewusst.“

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