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Schleswiger Nachrichten

28. September 2016 | 02:03 Uhr

Schleswig : Kirche gibt zwei Gemeindehäuser auf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die evaneglischen Gemeindehäuser Michaelisberg und St.-Michaelis-Süd sollen verkauft werden. Eine Sanierung würde 9 Millionen Euro kosten.

Die evangelische Kirchengemeinde Schleswig will sich von ihren beiden großen Gemeindehäusern im Stadtzentrum trennen. Das hat der Kirchengemeinderat am Mittwochabend in nichtöffentlicher Sitzung mit großer Mehrheit beschlossen. Pastor Michael Dübbers als Gemeinderatsvorsitzender und seine Stellvertreterin Katja Wriedt gaben das Ergebnis gestern Mittag bei einem Pressegespräch in der Kanoniker-Sakristei im Dom bekannt. Die Wahl des Ortes hatte Symbolkraft, denn der Dom dürfte nun mehr als bisher zu einem Zentrum des Gemeindelebens werden. „Wir ziehen uns nicht aus der Innenstadt zurück, für uns gehört der Dom zur Innenstadt dazu“, betonte Dübbers denn auch. Das Gemeindeleben soll künftig aber zu großen Teilen im Stadtnorden stattfinden, im Gemeindehaus an der Pauluskirche.

Sowohl das Gemeindehaus St. Michaelis-Süd am Übergang vom Lollfuß zum Stadtweg als auch das Gemeindehaus auf dem Michaelisberg (Bismarckstraße) sind stark sanierungsbedürftig. Rund neun Millionen Euro würde es kosten, in beiden Immobilien allein die gröbsten Mängel zu beseitigen, schätzt Dübbers. „Und dann wären die Gebäude energetisch noch immer nicht auf dem neuesten Stand.“

Teure Gebäude: Die Sanierung des Gemeindehauses St.Michaelis-Süd (links) würde 3,5 Millionen Euro verschlingen – auf dem Michaelisberg (rechts) wären es 5,5 Millionen.
Teures Gebäude: Die Sanierung des Gemeindehauses St.Michaelis-Süd (würde 3,5 Millionen Euro verschlingen.
 

Beide Gemeindehäuser sind schon seit Jahren nicht mehr ausgelastet. Ein herber Rückschlag war es für die damalige Domgemeinde, als sie vor drei Jahren auf dem Michaelisberg die Familienbildungsstätte als Mieterin verlor, weil ihre Räume von Schimmel befallen waren. Das Gemeindehaus geriet dadurch zunehmend ins Abseits. Inzwischen ist es vor allem ein Zentrum der Jugendarbeit. Deshalb waren es vor allem die jungen Kirchenmitglieder, die protestierten, als der Verkauf des Hauses auf einer Informationsveranstaltung am vergangenen Sonnabend ein Thema war. „Wir wären gerne auf dem Michaelisberg geblieben“, sagte der 15-jährige Bahne Henningsen auch gestern noch einmal. „Der ZOB ist in der Nähe. Das ist viel verkehrsgünstiger als die Pauluskirche.“

<p>Das Gemeindehaus auf dem Michaelisberg: Hier würde die Sanierung wohl 5,5 Millionen Euro kosten.</p>

Das Gemeindehaus auf dem Michaelisberg: Hier würde die Sanierung wohl 5,5 Millionen Euro kosten.

Foto: oje
 

Dies sei ein wichtiges Argument, räumte Dübbers ein. Dass der Kirchengemeinderat dennoch anders entschieden habe, dafür gebe es „natürlich finanzielle Gründe“ – aber nicht nur. Im Gemeindehaus an der Pauluskirche möchte die Kirchengemeinde noch mehr als bisher junge Familien erreichen, von denen viele im Norden der Stadt leben. Dübbers verweist unter anderem auf das neue Wohngebiet am Berender Redder.

Weniger umstritten war der Abschied vom Gemeindehaus St.-Michaelis-Süd. Hier ist ein Treffpunkt für Flüchtlinge entstanden, aber oft steht das Haus zu großen Teilen leer. Eine Zeit lang hatte die Domschule dort Räume als Klassenzimmer angemietet, aber seitdem das Gymnasium einen neuen Fachraumtrakt erhalten hat, besteht dafür kein Bedarf mehr. Der Eine-Welt-Laden im Untergeschoss des Gemeindehauses könnte in den Dom-Shop integriert werden, meint Dübbers. Der Dom und seine direkte Umgebung werden im täglichen Gemeindeleben künftig eine größere Rolle spielen als bisher. Aber wie das konkret aussehen soll, ist noch offen. An der Plessenstraße und direkt vor dem Domportal befinden sich zwar die Bischofskanzlei und die Kirchenkreisverwaltung, aber die Kirchengemeinde Schleswig hat hier nur eine eher versteckte Anlaufstelle in der Domhalle in der Norderdomstraße. Dieses denkmalgeschützte Gebäude bleibt ein Sorgenkind der Gemeinde. Ob die Domhalle saniert wird oder verkauft, ist noch offen. Trennt sich die Gemeinde von dem Gebäude, würde man wohl ein neues Gemeindebüro im Umfeld des Doms bauen. Bauarbeiten stehen auf jeden Fall auch an der Pauluskirche an. Hier wird nicht nur das Gemeindehaus saniert, auch die Kirche selbst soll im Innern ihre Gestalt verändern – die Überlegungen gehen bis hin zu Gruppenräumen unterm Dach. Dazu müsste eine zusätzliche Zwischendecke eingezogen werden.

Dübbers rechnet damit, dass die Umbauten allein aus dem Verkauf der beiden innerstädtischen Gemeindehäuser nicht zu finanzieren sein werden. Die Gemeinde wird zusätzlich bis zu 3,5 Millionen Euro in die Hand nehmen müssen. Die konkreten Planungen beginnen jetzt erst. Die Lichter in den Gemeindehäusern Michaelisberg und St. Michaelis-Süd werden wohl erst in rund drei Jahren ausgehen.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 14:45 Uhr

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