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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Friedrichsberg : Kinderspielzentrum hofft auf Spenden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach dem Tod ihres Gründers musste sich die Jugendstiftung Winkler neu aufstellen. Als Vereinsvorsitzende steht Edith Thaysen in der Verantwortung.

Etwas Sorgen macht sich Edith Thaysen (63) schon. Seit sie nach dem Tod von Professor Rainer Winkler im August ehrenamtlich den Vorsitz im Verein Kinderspielzentrum Schleswig-Friedrichsberg übernommen hat, wollen sie und ihre Mitstreiter die Einrichtung ganz im Sinne des Ehepaares Winkler fortführen. „Dabei sind wir darauf angewiesen, dass uns die bisherigen Spenden und Patenschaftsbeiträge erhalten bleiben.“ Dass diese einbrechen könnten, „weil nun unser Professor als starke Persönlichkeit mit hohem Ansehen und hohem Bekanntheitsgrad nicht mehr da ist“ – darum sorgt sie sich ein wenig.

Gerade in der Vorweihnachtszeit war der ehemalige Chefarzt Winkler stets verstärkt an die Öffentlichkeit gegangen, um für das Kinderspielzentrum zu werben. Die Paten kommen nicht nur aus Schleswig, sondern aus dem ganzen Land bis hin nach Hamburg, Bergisch Gladbach und München, wo Familienmitglieder der Winklers ebenfalls die Werbetrommel für das Projekt rühren. Rainer Winkler schuf ein dichtes Netzwerk für seine Einrichtung, die im Juli 30-jähriges Bestehen feierte. Jetzt fällt diese Aufgabe erstmals Edith Thaysen zu. „Ich hoffe sehr, dass die Menschen uns weiter unterstützen werden“, erklärt sie gegenüber den SN.

Sie selbst fühlt sich seit 1993 mit dem Kinderspielzentrum eng verbunden. Damals hatte sie ihren siebenjährigen Sohn dort nach der Schule untergebracht, während sie arbeiten ging („er war so gern da“). Auch als er dem Kinderspielzentrum längst entwachsen war, hat Edith Thaysen, die bis zu ihrem Renteneintritt im Vorzimmer des Landrats arbeitete, ehrenamtlich mitgearbeitet. Bis heute, sagt sie, fühle sie sich mitverantwortlich dafür, dass man den Kindern und Jugendlichen „diesen behüteten und aufbauenden Wohlfühlort“ inmitten des Stadtteils Süd erhalte – so wie es Monika und Rainer Winkler für sie vorgesehen hatten. Dafür hatten sie, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Kinderspielzentrums zu erhalten, mit ihrem Privatvermögen die Jugendstiftung Winkler gegründet. Deren Vorsitz hat jetzt seit August der Schleswiger Rechtsanwalt Klaus-Werner Dietz gemeinsam mit Claus Ehrich übernommen. Es sind durchweg Freunde und Weggefährten des verstorbenen Ehepaares Winkler, die die Geschicke des Kinderspielzentrums und des Fördervereins, für den gern neue Mitglieder gesucht werden, führen. Da ist Iris Ranft, die langjährige Leiterin des Kinderspielzentrums, sowie ihre Stellvertreterin Anne Wunderlich. Dann die Vorstandsmitglieder Monika Simon und Tanja Blinn. Zu den Beisitzern des Vereins gehört Inge Page, die von Montag bis Donnerstag „gesunde Hausmannskost“ in der Küche frisch zubereitet. „Nur freitags gibt es bei uns Reste-Essen.“ Wie in vielen Privathaushalten eben.

Von 12 bis 14 Uhr ist der große Tisch in der Küche des Kinderspielzentrums Mittelpunkt für alle. Zuerst ist die Kita-Gruppe dran, dann trudeln allmählich die Schulkinder von der Bugenhagenschule und der Dannewerkschule ein. Nach dem Essen werden Geist und Körper beansprucht: Zwei Lehrerinnen kümmern sich ehrenamtlich um Schularbeitenhilfe, zum Ausgleich wird gespielt. Karl-Heinz Kirberger, ehemaliger Arbeitsamtsleiter, bringt den Kindern und Jugendlichen Schach bei, wenn sie wollen. Wulf Schady, ehemaliger Leiter der Dannewerk-Grundschule, übt das Gitarrespielen mit ihnen ein, und es gibt regelmäßig Hip-Hop-Tanzen. Zweimal in der Woche öffnet zudem ein Jugendcafé seine Türen. Es gilt auch über die Stadtteilgrenzen hinaus als cool genug, damit es guten Zulauf bekommt, wie Edith Thaysen berichtet.

„Es ist uns eine wirkliche Herzensangelegenheit, das Werk für die Kinder am Leben zu erhalten“, meint sie. Die Winklers gaben den Leitspruch aus, der von der US-Schriftstellerin Pearl S. Buck stammt: „Kinder, die man nicht liebt, werden Erwachsene, die nicht lieben.“ Dass möglichst viele Kinder das Gegenteil davon erfahren dürfen, sei der Grundgedanke der Arbeit im Kinderspielzentrum.

Aktuell kommen 55 Kinder, davon 34 mit Migrationshintergrund. „Und die Anmeldeliste wird nicht kleiner“, sagt Edith Thaysen. „Aber alle können wir wegen unserer begrenzten Räumlichkeiten natürlich nicht aufnehmen.“ Jetzt soll der nächste Plan umgesetzt werden: „Wir müssen eine weitere Toilette bauen.“

>Wer spenden möchte oder Pate werden will – Näheres dazu steht auf der Internet-Seite www.jugendstiftung-winkler.de
 


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erstellt am 29.Nov.2016 | 07:59 Uhr

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