zur Navigation springen

Schleswig-Flensburg : Kinderschutz für den ganzen Kreis?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kinderschutzbund will seine Aufgaben nicht nur in Schleswig wahrnehmen. Unterstützer, Mitarbeiter und Förderer werden gesucht.

Schleswig | Die Jahreshauptversammlung des Kinderschutz-Kreisverbandes war eine eher familiäre Veranstaltung. Auf der Einladung hatte der Vorsitzende Jörg Smoydzin die rund 120 Mitglieder zwar um rege Beteiligung gebeten, doch sein Ruf drang nicht durch. Und so waren es letztlich nur noch vier ordentliche Mitglieder, die zur Entlastung des Vorstands ihre Hand heben konnten. „Ich bin etwas ratlos“, sagte der Vorsitzende, „wir haben im abgelaufenen Jahr so viele Veranstaltungen gemacht und auch unsere Räume in Schuss gebracht. Ich dachte, dass das auf mehr Interesse bei unseren Mitgliedern stößt.“

In seinem Bericht sprach Smoydzin noch ein anderes Problem an: Eigentlich trägt der Kreisverband, der 1979 von den Landfrauen initiiert wurde, seinen Namen zu unrecht. Die „Zentrale“ des Kinderschutzbundes ist das Kinderparadies in der Gallbergschule im Schleswiger Stadtteil St. Jürgen. „Wir sind sehr auf diese Umgebung fokussiert, in Kappeln, Süderbrarup, Satrup, Kropp und Erfde sind wir leider nicht vertreten. Das können wir allerdings mit unseren finanziellen und personellen Mitteln derzeit auch gar nicht abdecken.“ Dabei ist Smoydzin und seinem Team durchaus bewusst, dass es nicht nur in Schleswig-St. Jürgen hilfsbedürftige Kinder gibt. Darum sind jetzt erste Ideen und sogar ein Projekt entwickelt worden, mit denen der Kreisverband tatsächlich in das Kreisgebiet vorstoßen könnte.

Das Projekt hat mit einem „Sack voll Geld“ zu tun, der im Schloss Gottorf bereitsteht. Das hatte der Rotary Club Schleswig/Gottorf während des Landmarktes durch Kassendienst und Spenden verdient und dem Kinderschutzbund zur Verfügung gestellt, um Kindern einen Zugang zur Kultur auf Schloss Gottorf zu ermöglichen. Davon soll nun auch das Umland profitieren. „Wir haben Schulen im Kreis angeschrieben – vielleicht bekommen wir dort auf diese Weise einen Fuß in die Tür“, hofft Smoydzin. Zudem setzen die Kinderschützer darauf, die Landfrauen als Botschafterinnen gewinnen zu können. „Es geht darum, unserem satzungsgemäß verankerten Anspruch als Kreisverband gerecht zu werden“, sagt Smoydzin, „noch ist das leider nicht der Fall.“

Der Kinderschutzbund finanziert sich vornehmlich aus Spenden, Zuschüssen, Kinderbetreuungskosten und Bußgeldern. Knapp 100  000 Euro wurden im vergangenen Jahr ausgegeben – der Löwenanteil mit mehr als 75  000 Euro wurde für Löhne und Gehälter im Kinderparadies ausgegeben, das zudem renoviert und mit neuen Möbeln ausgestattet wurde. Es handelt sich dabei um die eigenen Räume in der Schleswiger Gallbergschule, in denen täglich durchschnittlich 15 Schülerinnen und Schüler aus Schleswiger Grundschulen betreut werden. Die Kinder werden von den Schulen direkt oder vom Jugendamt vermittelt und kommen vornehmlich aus den Stadtteilen St. Jürgen und Altstadt – beides Wohngebiete mit hohem Hartz-IV-Anteil. Hier essen die Kinder zu Mittag, machen Hausaufgaben und spielen bis um 17 Uhr. Als verlässliche Ansprechpartner in der angenehmen Atmosphäre, in der allerdings auch klare Regeln gelten, stehen die Erzieherinnen Doris Riemann und Maren Biltz jederzeit zur Verfügung – auch wenn es um größere Probleme geht. Hier wird im wahrsten Sinne Kinderschutz betrieben – und vielleicht auch bald an anderen Stellen im Kreisgebiet.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Mär.2017 | 13:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen