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Schleswiger Nachrichten

07. Dezember 2016 | 13:40 Uhr

Schleswig ohne Public Viewing : Keine EM auf den Königswiesen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Public Viewing in Schleswig fällt in diesem Sommer aus. Mögliche Veranstalter sprechen von zu hohen Kosten für Videoleinwand.

Es ist der 13. Juli 2014. In Schleswig ist es eine halbe Stunde vor Mitternacht. Im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro dribbelt Andre Schürrle an der linken Seitenlinie entlang, hebt den Ball in den Strafraum, wo Mario Götze ihn mit der Brust annimmt und mit dem linken Fuß in Tor der Argentinier schiebt. Auf den Königswiesen brandet ohrenbetäubender Jubel auf. Wenige Minuten später ist Deutschland Weltmeister.

Eine Szene dieser Art wird sich am 10. Juli in diesem Jahr nicht wiederholen, und das liegt nicht daran, dass die Argentinier bei der Europameisterschaft nicht mitmachen. Es liegt einfach daran, dass es in diesem Sommer auf den Königswiesen kein Public Viewing geben wird. Während der Weltmeisterschaften 2010 und 2014 und auch während der letzten Europameisterschaft 2012 hatte Paul Sindram das Spektakel unter freiem Himmel veranstaltet. Als Pächter des Cafés im Luisenbad hatte einen Teil der erforderlichen Infrastruktur gleich vor Ort. Wie berichtet, hat sich Sindram im vergangenen Jahr aus dem Luisenbad zurückgezogen, um sich auf auf seinen Hauptberuf als Architekt und auf sein Strandcafé Marienbad am Busdorfer Schleiufer zu konzentrieren.

Dass es noch keinen neuen Pächter für das Luisenbad gibt, ist aber nicht der Hauptgrund dafür, dass das Public Viewing in diesem Jahr ausfällt. Mehrere potenzielle Veranstalter hatten sich in den vergangenen Monaten mit dem Thema beschäftigt. Sie alle haben am Ende Aufwand und Risiko gescheut.

„Das wären Kosten von ein paar tausend Euro“, sagt zum Beispiel Ingo Harder, der derzeit mitten in den Vorbereitungen für „Schleswig swingt“ steckt. Anders als beim Stadtfest, das am 22. und 23. Juli in der Ladenstraße stattfinden wird, wäre es beim Public Viewing wesentlich schwieriger, die Investitionen über Sponsoren und Getränkeverkauf wieder hereinzubekommen. „Erst recht, wenn die Leute ihre Getränke im Rucksack selber mitbringen“, sagt Harder.

Ähnlich sieht Stadtmanager Rüdiger Knospe die Sache. Er hatte überlegt, auf dem Capitolplatz eine LED-Leinwand aufzustellen. „Aber dazu reicht unser Budget nicht aus“, sagt er. Großleinwände sind teuer. Paul Sindram hatte mit seinem aufblasbaren Videowürfel eine etwas kostengünstigere Lösung. „Den Würfel würde ich zur Verfügung stellen, wenn jemand noch kurzfristig ein Public Viewing organisieren möchte.“ Dass es dazu kommt, kann er sich jedoch nicht wirklich vorstellen. „So etwas braucht Vorbereitungszeit.“ Auf dem Würfel war die Bildqualität zwar nicht so gut wie auf einem hochmodernen LED-Großbildschirm, aber dafür, sagt Sindram, sei der Würfel sturmfest.

Wer sich die Europameisterschaft lieber in großer Runde als im heimischen Wohnzimmer ansieht, hat trotzdem noch Alternativen. Gaststätten stellen Fernseher auf. Im Bowlingcenter am Wikingeck werden auf einer Leinwand alle Spiele übertragen – nicht nur die der deutschen Mannschaft.

Es gibt auch Fans, die sich ihr eigenes Gemeinschaftserlebnis auf privater Ebene organisieren. So hat der Immobilienkaufmann Rolf Jacobsen für Dienstag, 21. Juni, einen Saal im Capitol-Kino angemietet. Dort wird ab 18 Uhr das Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Nordirland live übertragen. Von Freunden und Bekannten, die er dazu einlädt, nimmt er einen Kostenbeitrag von fünf Euro und hofft, am Ende sogar noch Geld übrig zu haben, das er für einen guten Zweck spenden kann. Noch ist der Saal indes nicht ausgebucht.

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erstellt am 08.Jun.2016 | 12:12 Uhr

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