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Schleswiger Nachrichten

25. September 2016 | 05:42 Uhr

DRK-Blutspendedienst Schleswig : Keine Angst vor dem Pieks

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für die 25-jährige Michelle Thieme ist Blutspenden nach dem fünften Termin längst Routine – doch nur wenige junge Leute folgen ihrem Beispiel.

Ganz entspannt liegt Michelle Thieme auf dem Liegestuhl im ersten Stock des DRK-Gebäudes neben dem Parkhaus am Schwarzen Weg. Für die 25-jährige Schleswigerin ist Blutspenden inzwischen Routine. Sie ist bereits zum fünften Mal hier. „Bekannte haben mich auf die Idee gebracht. Da bin ich einfach mal mitgegangen, um mir das anzuschauen und habe es dann gleich ausprobiert“, erzählt sie. Ihre Motivation: „Es ist einfach eine gute Möglichkeit, anderen Menschen direkt zu helfen.“ Während sie das sagt, wird ihr die Kanüle gelegt und sie verzieht keine Miene. Wer sie beobachtet und vielleicht noch etwas skeptisch ist, verliert schnell jegliche Angst vor der Prozedur. „Beim ersten Mal war ich auch ein bisschen nervös“, sagt sie, „aber schon beim zweiten Mal war alles ganz normal.“ Sie weiß, dass sie damit einer Minderheit angehört. In ihrem Bekanntenkreis scheuen die meisten den Gang zur Blutspende.

Dabei ist das DRK gerade jetzt auf jeden Spender angewiesen. Im Sommer ist regelmäßig ein Rückgang zu verzeichnen. Die heißen Tage in der vergangenen Woche haben dazu geführt, dass sich die Regale beim Blutspendedienst nicht so schnell wieder füllten wie sonst im September.

„Dass die Spender im Sommer in den Urlaub fahren, ist ja ganz klar“, sagt Maria Jessen, die die Blutabnahme als Fachärztin begleitet. In der Schleswiger Zentrale habe man aber eine andere Situation als bei den Blutspende-Terminen, die die DRK-Ortsvereine auf den Dörfern organisieren. „Bei uns auf der Station führen wir hauptsächlich Apherese-Spenden durch.“ Beim Apherese-Verfahren werden vom gesunden Menschen Blutbestandteile wie Blutplättchen, Blutplasma oder Stammzellen gesammelt. Diese Prozedur dauert viel länger als eine normale Vollblutspende. Wer sie auf sich nimmt, kommt nicht spontan vorbei, sondern vereinbart im Voraus einen Termin. Michelle Thieme macht während der Blutabnahme schon ihren nächsten Termin aus.

Ganz anders sieht das natürlich bei den Außenstellen-Teams aus, die in verschiedenen Orten Halt machen und dann zum Beispiel in Kindergärten oder Schulen die Stationen zur Blutentnahme aufbauen. Aus diesem Bereich kommen die meisten Vollblutspenden. Dort mache sich das Sommerloch deutlicher bemerkbar, sagt Jessen und fährt fort: „Wir haben hier sehr viele Stammspender, von denen einige schon über 200 Mal gespendet haben, darauf sind wir sehr stolz.“ Es kommt auch vor, dass Urlauber zur Blutspende zum DRK kommen. Die Ärztin kann sich deshalb gut vorstellen, dass einige ihrer Stammspender dies auch in ihrem Urlaub machen. „Wo gespendet wird ist egal, Hauptsache es wird überhaupt getan“, sagt sie.

„Wir müssen die Spender auch schützen, deshalb werden sie vor der Blutabgabe durchgecheckt, unter anderem auch der Blutdruck gemessen, der bei hohen Temperaturen schon mal angeschlagen ist, dann stellen wir das Verfahren erstmal zurück.“ Ohne die treuen Spender, die in regelmäßigen Abständen im Rote-Kreuz-Weg einkehren, würde es in einer Stadt wie Schleswig schlecht aussehen. Junge Menschen wie Michelle Thieme sind unter den Blutspendern unterrepräsentiert. „Schleswig ist schon ein besonderes Beispiel, denn es herrscht hier ja bekanntlich eine besondere demographische Situation. In anderen Städten ist beispielsweise durch Universitäten mehr Durchlauf, das heißt mehr potenzielle junge Spender. Daher können wir uns umso mehr bei unseren treuen Stammspendern bedanken, ohne die hätten wir wirklich ein Problem,“ so die Ärztin.

Cathrin Hansen ist Teamleiterin auf der Entnahmestation. Sie rät den Spendern, vor der Blutabnahme etwas Leichtes zu essen, um eventuellen Kreislaufbeschwerden entgegenzuwirken. Während der Entnahme werden die Patienten mit Getränken versorgt. „Nach der Spende wird ein leckeres Buffet bereitgestellt“, sagt Hansen.

„Grundsätzlich werden immer Spender gebraucht“, so Jessen, die uns zum Schluss noch die leeren Kühlschränke zeigt, in denen die Blutkonserven lagern. „Wie Sie sehen, sind die Kühlschränke ziemlich leer.“ Besonders gefragt ist die Blutgruppe 0 weil es notfalls zum Spenden für andere Blutgruppen genutzt werden kann. Deshalb sei sie aber auch schnell vergriffen.

> Der DRK-Blutspendedienst im Rote-Kreuz-Weg 5 ist montags und freitags von 8 bis 12.30 Uhr geöffnet, dienstags und mittwochs von 14 bis 19 Uhr und donnerstags von 11 bis 19 Uhr. Weitere Infos unter www.blutspende-nordost.de

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erstellt am 22.Sep.2016 | 07:53 Uhr

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