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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 02:12 Uhr

Kropp/Kreta : Kaum geboren – und schon im Tierheim

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Kropper Ehepaar reist jedes Jahr auf die Urlaubsinsel, um dort Hunden zu helfen.

Olivenhaine, Strände, 300 Sonnentage im Jahr: „Kreta ist eine wunderschöne Insel“, sagt Waltraut Fischer. Mit ihrem Mann Dieter fährt die Kropperin jedes Jahr auf das griechische Eiland im Mittelmeer. Doch das Ehepaar sitzt dort nicht unter Palmen und genießt den Urlaub, sondern hilft im Tierheim „Nerokouro“, das bis zu 450 Hunde versorgt.

Dieter Fischer ist Vorsitzender des 2008 gegründeten Vereins „Kreta-Tierhilfe“, der mit zwei weiteren deutschen Vereinen das Heim unterstützt. Eigentlich wäre das Aufgabe der Stadt Chania im Westen Kretas. „Aber dafür hat sie kein Geld“, sagt er. Dank Spenden und Mitgliedsbeiträgen zahlt ihr Verein bis zu 1500 Euro im Monat an die Griechin Costoula Dornbrach-Stoupi, die lange in Deutschland gelebt hat und das Heim seit 2002 mit Hilfe von zwei Angestellten leitet. Inzwischen ist sie Ende 70 und braucht eine Gehhilfe. „Daher steht in jedem Zwinger ein Gartenstuhl – insgesamt 25“, sagt Fischer.

„Das Gelände ist sehr weitläufig, tagsüber können die Hunde in fünf großen Gehegen frei laufen“, erzählt seine Frau. Nachts werden sie in Rudeln von zehn bis 20 Tieren in Zwinger geschlossen. Alle Tiere haben einen Schlafplatz, überdachte Bereiche schützen sie vor Sonne wie Regen, es gibt immer genug frisches Wasser und Futter. Jetzt im Sommer sorgen Badetonnen und Wasserschläuche für Abkühlung. „Ich habe das Gefühl, die Tiere merken, dass wir helfen, und sind dankbar“, sagt sie und betont: „Nicht einer der Hunde ist böse.“ Sie wollten einfach nur kuscheln – gebissen worden sei sie noch nie.

Dabei haben die meisten Tiere das harte Leben eines Streuners hinter sich. „Das Kastrieren weiblicher Hunde in Griechenland ist teuer“, so Dieter Fischer, daher lassen es Tierhalter oft sein. Als Folge werden viele Welpen geboren und ausgesetzt. „Die Hunde werden zum Teil über den Zaun des Tierheims geworfen. Manchmal sind die Welpen erst einen Tage alt, haben die Augen noch zu“, berichtet er. Diese Tiere zu retten sei so gut wie unmöglich.

Ein anderes Problem sind „Tonnenhunde“. „Sie werden an Ölfässer angebunden und sollen Weidetiere bewachen – die Funktion erfüllt in Deutschland ein Gatter“, meint Fischer. „Sie haben schlechtes Futter, kaum Wasser und keinen Schutz vor der Sonne, denn das Fass wird sehr heißt“, ergänzt er. Werden solche Hunde gefunden, greife heute zum Glück die Polizei ein. Auch andere Veränderungen stellt Dieter Fischer fest, der 1994 das erste Mal auf Kreta war: „In den Städten werden heute viele Hunde gut gehalten.“

Der pensionierte Oberstleutnant kennt die Insel auch beruflich gut, war bis 2003 fünf Sommer lang auf einem Schießplatz beschäftigt. Schon früh sprach sich seine Tierliebe herum. „Vor meinem Büro lag fast jeden Tag ein kleiner Hund“, berichtet er. Nach seiner Pensionierung vor elf Jahren gründeten sie zunächst den Verein „Tierfreunde Kreta“, der bis heute besteht, 2007 folgte ihr heutiger Verein. Ihr „unendlicher Kampf“ gegen das Tierleid sei ein „traurig-schönes Hobby“, meint Waltraut Fischer. Schön, „weil wir wissen, unseren Tieren geht es gut“. Traurig, weil es vielen anderen nicht so gut gehe. So erinnern sie sich an einen Kater, der auf ihrem Hotelgelände lebte. Sie ließen ihn kastrieren, tauften ihn daraufhin „Ohnewas“. „Er kam sofort angelaufen, wenn er Dieters Stimme hörte“, erinnert sich Waltraut Fischer. Zehn Jahre lang. Dann wurde der Kater krank, brauchte Medizin. Das Ehepaar versuchte, seine Versorgung während ihrer Abwesenheit zu regeln – am Ende erfolglos: Bei ihrem nächsten Besuch war der Zustand des Katers so jämmerlich, dass sie ihn einschläfern lassen mussten.

Um das Heim auf Kreta zu entlasten, vermittelt der Verein Tiere nach Deutschland. „Vorher überprüfen wir die häuslichen, sozialen und finanziellen Verhältnisse“, betont Dieter Fischer. Auch das Alter der neuen Besitzer spielt eine Rolle. „Wer wie wir über 70 ist, kriegt nur ein Tier, wenn der Verbleib gesichert ist“, sagt er. Der neue Halter zahlt eine Schutzgebühr von bis zu 300 Euro. Für die Nachkontrolle im neuen Zuhause – der Verein führt eine Datenbank über den Verbleib der Tiere – „fahren meine Frau und ich bis nach Bremerhaven“. Für alte Tiere, die keine Chance auf Vermittlung haben, können Patenschaften übernommen werden.

Bis 2015 haben die Kropper zudem jedes Jahr einen Lastwagen mit Futter, Werkzeugen oder Baumaterial nach Kreta transportiert – per Fähre von Italien aus. Weitere Transporte seien nicht geplant, da mittlerweile viele Dinge vor Ort günstiger zu bekommen seien, so Fischer. Zudem sei es am Hafen auf Kreta zu einem Handgemenge mit Schwarzafrikanern gekommen, die auf den Lastwagen klettern und so Italien erreichen wollten. „Uns wurde das Risiko zu groß“, sagt er und meint damit auch die Gefahr, dass ihnen eine Schleusertätigkeit vorgeworfen werde.


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