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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 02:58 Uhr

Familiäre Gründe : Kaufmann in Jagel schließt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Erst vor zwei Jahren hat Aline Döring den Kaufmannsladen in Jagel übernommen. Jetzt hört sie wieder auf.

Seit 111 Jahren besteht der Kaufmannsladen als zentraler Treffpunkt in Jagel, nun wird er geschlossen. Das Lebensmittelgeschäft ist Treffpunkt und einzige Einkaufsmöglichkeit in der 1000-Einwohner-Gemeinde. Bereits vor zwei Jahren drohte die Schließung des Edeka-Ladens. Doch das konnte Kauffrau Aline Döring abwenden. Sie übernahm den traditionsreichen Familienbetrieb nach dem Tod des Inhabers Hans-Jürgen Petersen am 22. Juni 2014 und firmierte ein Jahr später unter dem Logo „Ihr Kaufmann“.

Aline Döring erfüllte sich mit dem Geschäft einen langjährigen Traum, steckte viel Herzblut in das Projekt, investierte Zeit und Geld. Doch nun, nach nur zwei Jahren, scheint ihr Traum ausgeträumt. Aline Döring wird „Ihr Kaufmann“ zum 1. August schließen – zunächst, wie sie hofft. Die 34-jährige gebürtige Brasilianerin möchte sich mehr um die Gesundheit der Familie kümmern, auf der ein Schatten liegt. Das betrübt Döring, schließlich fühlt sie sich in der Verantwortung für die Nahversorgung so vieler Menschen in der Region. Aber: „Die Familie geht vor!“

Aline Döring hofft, dass es mit dem Laden irgendwie weitergeht. „Ich hatte eigentlich noch so viel vor“, sagt Döring und blickt auf das Rondell des früheren Eingangsbereiches. Dort hätte sie gerne einen Wintergarten angebaut, um diesen den Kunden als Ruhezone und Sitzbereich anbieten zu können. Die Pläne wurden nun auf Eis gelegt. Gespräche und Verhandlungen, die zur Fortsetzung des Betriebes führen sollen, laufen derweil – neben der Arbeit der temperamentvollen Kauffrau – auf Hochtouren.

Für viele Jageler geht weit mehr verloren als nur ein Nahversorger. Insbesondere für die ältere Generation war der Kaufmannsladen seit vielen Jahren ein wichtiger Treffpunkt, hier fand sie immer ein offenes Ohr und Zuspruch. Aber auch Kinder und Jugendliche sind gern gesehene Besucher. Handwerker und Durchreisende sowieso. Die belegten Brötchen und der Kaffee „to go“ waren der Renner, da kam Aline Döring nach eigener Aussage bei der Zubereitung gar nicht hinterher.

Den Großeinkauf nehmen die Familien indes in den Einkaufszentren und Supermärkten in Kropp oder Schleswig vor. Zum Kaufmannsladen an der Ecke der B  77 kommen die Menschen zumeist erst dann, wenn etwas fehlt. Auf diesen Wandel im Landleben hatte sich Aline Döring, die ihren Laden gemeinsam mit einer Mitarbeiterin führte, eingestellt. „Ich verstehe, dass die Familien ihren Großeinkauf in den größeren Läden tätigen. Aber die Kleinigkeiten könnten die Leute doch in ihrem Ort kaufen. Wegen einem Liter Milch muss man nicht nach Kropp fahren, um vielleicht am Ende einen Cent zu sparen.“ Und gehe es nach ihr, solle das auch zukünftig so bleiben. 

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