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Schleswiger Nachrichten

27. April 2017 | 09:11 Uhr

Schleswig : Kampf gegen die Klinik-Keime

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit einem aufwendigen Putzsystem gehen die Hygiene- und Reinigungsleiter im Schleswiger Krankenhaus gegen Krankheitserreger vor. Welche Keime die Patienten selbst mit ins Haus bringen, wird durch ein Screening erfasst.

Schleswig | Die blauen Reinigungswagen im Helios-Klinikum haben es in sich. Ausgerüstet mit Spezial-Tinkturen, Wischmops und allerlei Lappen sind sie quasi das Waffenarsenal im täglichen Kampf gegen Krankenhauskeime. Nach welchem Putzsystem die Saubermacher dabei im Schleswiger Krankenhaus vorgehen, ist offenbar eine Wissenschaft für sich. Und ob sie es dabei schaffen, tatsächlich eine hundertprozentige Keimfreiheit zu erreichen – darüber informierten jetzt die Hygiene- und Reinigungsfachkräfte Michaela Thater-Schöpp, Elisabeth Kock und Ulrich Würfel im Rahmen einer neuen Veranstaltungsreihe, zu der das Helios-Klinikum eingeladen hatte. „Wir möchten im Dialog mit Patienten und interessierten Bürgern bleiben und unsere Arbeit transparent machen“, erklärte Krankenhaus-Geschäftsführer John Friedrich Näthke zu Beginn.

Mehr als 99,99 Prozent der Bakterien in uns, auf uns und um uns herum sind gute Bakterien – und lebenswichtig. Doch selbst die „bösen“ Bakterien, zu denen die berüchtigten MRSA-Keime (Abkürzung für das Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) zählen, sind für Gesunde in der Regel problemlos. Für immungeschwächte Patienten wie auch für Frischoperierte hingegen können sie wegen ihrer Antibiotika-Resistenz zur echten Bedrohung werden, wenn sie über Wunden oder durch Schleimhäute in den Körper gelangt sind. „Deshalb unternehmen wir alles, um die Verbreitung dieser Keime in unserem Krankenhaus im Zaum zu halten“, meint Näthke.

Die erste und wichtigste Hygiene-Regel ist simpel, wirkt aber nur, wenn sie befolgt wird: die Hände-Desinfektion. Elisabeth Kock berichtet, dass das gesamte Ärzte- und Pflegepersonal im Helios-Klinikum regelmäßig in Hygienefragen geschult werde. Jedoch komme es beim hygienischen Umgang mit Patienten ebenso auf das Verhalten der Angehörigen und Besucher im Krankenhaus an: „Auch sie müssen vorher und nachher, also beim Betreten und beim Verlassen des Krankenzimmers, ihre Hände desinfizieren“, sagt Kock. Denn nur im Zusammenspiel aller Beteiligten könnten die gefährlichen Krankenhaus-Keime eingedämmt werden.

Nur eingedämmt – aber nicht hundertprozentig beseitigt?

„Nein“, erläutert Ulrich Würfel, „eine vollkommene Keimfreiheit ist nicht möglich – wohl aber, eine keimarme Umgebung zu erreichen.“ Sämtliche Flächen sowie alle medizinischen Geräte und Instrumente müssten durch Reinigung und Desinfektion „in einen Zustand versetzt werden, damit von ihnen keine Infektionsgefährdung ausgehen kann“. Man befolge hier strikt die Empfehlungen zur Krankenhaus-Hygiene des Robert-Koch-Instituts, außerdem habe der Helios-Konzern einen eigenen verbindlichen Leitfaden dazu entwickelt.

Welche Keime die Patienten bei ihrer stationären Aufnahme selbst mit ins Haus bringen – das wird seit April 2015 durch ein Screening erfasst. „Jeden Tag werden bei uns auf diese Weise die wichtigsten infektionsrelevanten Erreger, darunter auch MRSA, dokumentiert“, erklärte auf SN-Nachfrage
Dr. Sebastian Rudolf, Ärztlicher Direktor des Helios-Klinikums und Chefarzt der Psychiatrie. Durch Abstriche unter anderem aus Nase und Rachen könnten gefährdete Patienten gleich erkannt und entsprechend behandelt werden. Dieses komplette Patienten-Screening im Schleswiger Klinikum entspreche nicht einer gesetzlichen Vorgabe, sondern sei trotz zusätzlicher Kosten freiwillig eingeführt worden, um das generelle Keimrisiko im Krankenhaus abschätzen zu können.

Welche Erkenntnisse konnten bereits aus dem Screening gewonnen werden? Rudolf: „Eine Feststellung ist, dass vier von hundert Patienten mit dem MRSA-Keim besiedelt waren.“ Zu den Risikogruppen zählen Menschen, die in der Landwirtschaft mit intensiver Tiermast zu tun haben, sowie auch Altenheim-Bewohner. Allgemein geht man davon aus, dass zehn Prozent der Bevölkerung mit multiresistenten Keimen leben.

Und Patienten, die sich während des Klinikaufenthaltes eine Keimbelastung zuziehen? Auch hier gebe es Erkenntnisse: „Einer von hundert Patienten ist davon betroffen“, sagt Rudolf. Im vergangenen Jahr hätten insgesamt 14  000 Screenings stattgefunden. Rudolf: „Das bedeutet für alle ein Stück Sicherheit mehr.“

Die nächste Informationsveranstaltung, bei der Bürger Fragen zum Krankenhaus stellen können, findet am 22. Juni im Helios-Klinikum statt.

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erstellt am 20.Mär.2017 | 11:10 Uhr

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