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Schleswiger Nachrichten

07. Dezember 2016 | 21:21 Uhr

Der Schleswiger Holm : Jetzt kommt der Denkmalschutz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach jahrelangen Diskussionen wird die gesamte Fischersiedlung als Ensemble unter Schutz gestellt.

Zu behaupten, die Idee, den gesamten Holm unter Denkmalschutz zu stellen, sei ungefähr genau so alt wie der Holm selbst, wäre sicherlich etwas übertrieben. Tatsächlich aber kam diese Diskussion bereits vor 40 Jahren erstmals auf. Seitdem wurde immer wieder versucht, eine Regelung zu finden – immer wieder ohne Erfolg. Bis jetzt. Das Gebäudeensemble, das sich rund um den Friedhof erstreckt, wird unter dem Titel „Fischersiedlung Holm in Schleswig“ als Flächendenkmal ausgewiesen. Das erklärte Landeskonservator Michael Paarmann gestern bei einem Pressegespräch im Rathaus. „Schutzzweck dieser Verordnung ist es, den Grundriss und das Erscheinungsbild des Holms dauerhaft zu erhalten.“

Den entsprechenden Entwurf hat das Landesamt für Denkmalpflege nun ausgearbeitet und der Stadt übergeben. Bis allerdings die Endfassung der Denkmalschutz-Verordnung vorliegt und schließlich auch greift, werden noch bis zu sechs Monate vergehen. „Das ist ein langwieriges Verfahren. Aber die wichtigste Hürde haben wir schon genommen“, sagte Paarmann. Denn der Landesdenkmalrat (ein Gremium, in dem 17 verschiedene Organisationen Stimmrecht haben) hat bereits Grünes Licht dafür gegeben, den Holm als Ensemble unter Denkmalschutz zu setzen. Jetzt sind aber noch die Stadt und die Anwohner der Fischersiedlung gefragt. „Wir brauchen zwar das Einvernehmen der Stadt und der Bürger nicht. Aber wir wünschen es uns natürlich“, betonte der Landeskonservator. Deswegen wolle man das Verfahren so transparent wie möglich gestalten. Zu diesem Zweck sind die Anwohner am kommenden Donnerstag zu einer Infoveranstaltung im Rathaus eingeladen. Dann wird Paarmann versuchen, die Holmer – so gut wie möglich – mit ins Boot zu holen. „Eine Ausweisung zum Flächendenkmal ist nicht gleichzusetzen mit einer Unterschutzstellung aller Gebäude in dem Bereich. Es wird also nicht die berühmte Käseglocke über den Holm gestülpt“, versuchte er bereits im Vorfeld den Kritikern, die sicherlich auftreten werden, Wind aus den Segeln zu nehmen. „Es geht in erster Linie um die Struktur, nicht um die Häuser.“

Von denen stehen ohnehin bereits heute 19 unter Denkmalschutz. Sechs weitere werden zeitnah hinzu kommen. Auch für den zentralen Friedhof gibt es längst eine entsprechende Verordnung. 54 Gebäude am Holm betrachtet das Landesamt allerdings für nicht so wertig, dass man sie einzeln unter Denkmalschutz stellen müsste. Nun solle aber unter anderem das gesamte Erscheinungsbild und die Parzellenstruktur innerhalb der Siedlung geschützt werden, gleiches gilt für die historischen Kahnstellen an der Schlei. Ein Denkmalschutz für das gesamte Ensemble habe derweil auch viele Vorteile für die Anwohner, sagte Paarmann. Nicht nur, weil die Bezeichnung als Stadtdenkmal und somit als touristisch reizvolles Ziel auch die eigene Immobilie aufwerte. Zudem könne jeder Hausbesitzer notwendige Unterhaltungsmaßnahmen an seinem Gebäude dann steuerlich absetzen.

Bürgermeister Arthur Christiansen betonte, ihm sei bewusst, dass es dennoch einigen Anwohnern nicht schmecken werde, wenn die Verordnung kommt. „Aber sie schafft am Ende zumindest Klarheit. Dann weiß jeder, woran er ist. Umso wichtiger ist es aber auch, dass wir die Bürger und ihre Bedenken in den Prozess einbinden“, meinte er. Gleichzeitig müsse aber jedem Schleswiger bewusst sein, dass der Holm zur Stadt gehöre wie die Schlei und der Dom. „Ihn für die nächsten Generationen so zu erhalten, wie er ist, erachte ich als sehr sinnvoll.“

Dass es Paarmann und seinen Kollegen überhaupt möglich war, das Thema Holm nun endlich abschließend zu klären, ist übrigens der Novellierung des Landesdenkmalschutzgesetzes aus dem vergangenen Jahr zu verdanken. Erst in diesem Zuge erhielt das Landesamt die Zuständigkeit, „Denkmalbereiche“ festzulegen.

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erstellt am 28.Okt.2016 | 06:52 Uhr

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