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„Immelmänner“ in Afghanistan, der Türkei und Mali : Jageler Soldaten seit zehn Jahren im Dauereinsatz

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für die Soldaten des Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ sind die Auslandsmissionen inzwischen zur Normalität geworden.

Jagel | Nächsten Monat muss Bernd A. wieder los. Nach Incirlik. Auf dem türkischen Nato-Stützpunkt wird der 34-Jährige mehrere Wochen lang Luftbilder auswerten, die deutsche Tornado-Jets im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ bei ihren Aufklärungsflügen über Syrien und dem Irak schießen. Bernd A. ist Chef der Luftbildstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ in Jagel. Seinen richtigen Namen will der Hauptmann nicht nennen. Zum Schutz seiner Familie. Es ist schon öfter vorgekommen, dass Frauen belästigt wurden, während ihre Männer im Auslandseinsatz sind. Und Bernd A. ist oft weg von seiner Familie. „Ich habe es in den vergangenen Jahren auf etwas mehr als 500 Einsatztage gebracht“, erzählt der Vater zweier kleiner Kinder. Manche seiner Kameraden haben sogar das Dreifache auf dem Buckel.

Auslandseinsätze sind für die „Immelmänner“ zur Normalität geworden. Seit genau zehn Jahren sind Jageler Soldaten nunmehr ununterbrochen in solchen Missionen gefordert: erst in Afghanistan, dann in der Türkei und seit vergangenem Oktober auch in Mali. Zwar war das Geschwader auch schon in den 90er Jahren während der Balkan-Kriege dabei, doch ein ganzes Jahrzehnt am Stück – das ist eine neue Dimension. Mit einem feierlichen Appell auf dem Fliegerhorst in Jagel wurde dieses Jubiläums gestern gedacht.

Als Festgast war die Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack gekommen, um die Leistung der Soldaten zu würdigen. „Wir sind stolz auf Sie“, sagte sie vor den in der Halle 36 angetretenen Männern und Frauen. „Auslandseinsätze sind zum festen Bestandteil der deutschen Politik geworden“, machte die CDU-Parlamentarierin deutlich. Zugleich stellte sie klar: „Soldaten dürfen aber nicht zum Ausputzer einer verfehlten Politik werden.“ Im Mai vergangenen Jahres hatte sich Sütterlin-Waack bei einem Besuch in Incirlik persönlich ein Bild von den Bedingungen gemacht, unter denen die Jageler fernab der Heimat Dienst fürs Vaterland leisten. Auslandseinsätze seien mit physischen und psychischen Belastungen verbunden. „Meine Hochachtung gilt auch den Angehörigen, die den Soldaten den Rücken freihalten“, betonte die Abgeordnete.

Geschwaderkommodore Michael Krah erinnerte daran, wie am 13. März 2007 ein Vorkommando mit zirka zehn Soldaten von Jagel aus ins afghanische Masar-i-Scharif aufgebrochen war. „Zu dem Zeitpunkt konnte niemand absehen, dass wir seitdem zehn Jahre ohne Unterbrechung im Einsatz sind“, sagte der Oberst. War die damalige Tornado-Mission, die bis November 2010 dauerte, anfangs hoch umstritten, wird heute kaum mehr wahrgenommen, dass immer noch rund 35 Jageler in Afghanistan stationiert sind. Sie bedienen dort die Aufklärungsdrohnen vom Typ „Heron 1“. Von rund 2800 Flügen dieser unbemannten Flieger seien mittlerweile mehr als 25  000 Stunden an Videoaufnahmen ausgewertet worden, berichtete Krah.

Der Kommodore bescheinigte seinen Kameraden „ein Höchstmaß an Professionalität und soldatischem Selbstverständnis“. Auch Krah vergaß nicht zu betonen, dass die vielen Einsätze auch den Familien viel abverlange. „Sie müssen immer wieder Abschied nehmen und den Alltag alleine bewältigen.“ Sein Geschwader, so Krah weiter, müsse sich darauf einstellen, noch länger in den Auslandsmissionen gefordert zu sein. Dabei werde versucht, die Belastungen für jeden Einzelnen möglichst zu reduzieren – vor allem durch mehr Personal für die besonders gefragten Bildauswerter und „Heron“-Bediener.

Hauptmann Bernd A. ist einer jener Spezialisten, dessen Staffel sich in gleich allen drei Auslandsmissionen befindet. Beklagen will er sich aber nicht. „Das ist meine Berufung. Wir leisten im internationalen Umfeld einen wichtigen Beitrag für mehr Sicherheit“, sagt er pflichtgemäß. Und in gewisser Weise sei ein Auslandseinsatz so, wie auf Montage zu sein. Seine Frau, die mit den beiden Kindern gestern auch zum Appell gekommen ist, stimmt ihm zu. „Für mich ist das Normalität.“ Und ob sie Angst um ihren Mann habe? „Nein, ich weiß ja, was er macht.“

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erstellt am 17.Mär.2017 | 18:35 Uhr

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