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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 19:28 Uhr

Kreis Schleswig-Flensburg : Jäger bangen um ihre Rehe: In der Nacht kommen die Wilderer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Unruhe herrscht in der Kreisjägerschaft Flensburg, denn in den Revieren sind Wilddiebe unterwegs. Die Tätersuche erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Polizei.

Die Männer mit den Gewehren kommen meist nach Einbruch der Dämmerung, um Rehe zu schießen. „Wir haben schon seit Monaten Wilderer in unseren Revieren“, sagt Peter Hahn, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Flensburg, der zurzeit in den einzelnen Hegeringen unterwegs ist, um vor den Wilddieben zu warnen und seine Kameraden zur Aufmerksamkeit anzuhalten.

Die Täter haben es nach Angaben von Hahn vor allem auf Rehwild abgesehen. „Das Fleisch ist wertvoll und die Tiere sind eine leichte Beute, weil die nicht scheu und leicht abzutransportieren sind. „So ein Rehbock wiegt 18 bis 20 Kilo, den kann man auch allein in den Kofferraum wuchten und schnell wieder verschwinden“, sagt der Jäger. Und so ähnlich läuft es seiner Erfahrung nach auch ab: Die Täter fahren mit dem Auto an Lichtungen oder an Feldzugänge, leuchten das Gelände mit starken Scheinwerfern ab und verschwinden, sobald sie ein Tier erlegt haben. „Sie hinterlassen kaum Spuren wie Innereien, sondern nehmen in der Regel das ganze Tier mit“, erklärte Hahn.

Die Suche nach den Wilderern gestaltet sich schwierig. Zwar wurden in den Revieren fremde Fahrzeuge beobachtet. Auf frischer Tat wurde noch niemand erwischt, doch es gibt für die Jäger mehr als ausreichend Anzeichen dafür, dass Fremde in ihren Revieren ihr Unwesen treiben. „Es beginnt damit, dass das Wild sensibler auf Fahrzeuge reagiert. Es spricht sich eben herum, dass aus einem Auto geschossen wird“, so Hahn. Ebenso sei es sehr ungewöhnlich, wenn in der Dunkelheit Autos in Bereiche fahren, in denen sie nichts zu suchen haben. Und außerdem registrieren die Jäger beim Rehwild einen abnehmenden Bestand.

„Es ist nicht so sehr der wirtschaftliche Schaden, der uns beunruhigt, sondern in erster Linie die Tatsache, dass Unberechtigte mit Waffen in Wald und Flur unterwegs sind, die Straftaten begehen“, warnt Hahn. Seine Jägerkollegen hätten in den vergangenen Wochen schon einige Male Verdächtige beobachtet, seien der Sache allerdings nicht selbst nachgegangen. „Auch wenn wir das Problem lösen möchten, warne ich dringend davor, etwas auf eigene Faust zu unternehmen. Ich möchte nicht, dass einer von uns plötzlich in einen Gewehrlauf schaut. Eine solche Situation kann zu leicht eskalieren.“ Deshalb gibt für die Jäger: Genau beobachten, Autokennzeichen notieren – und sofort die Polizei anrufen. Wir haben in dieser Angelegenheit eine Verabredung mit der Polizei. Die ist informiert und kommt, wenn irgend möglich, sofort“, berichtet Peter Hahn.

Bisher ist es allerdings noch nicht gelungen, einen der Täter auf frischer Tat oder zumindest mit einem geschossenen Tier im Kofferraum zu erwischen. „Wir haben aber eine ganz gute Vorstellung davon, um welche Leute es sich handelt“, sagte Hahn. Immerhin gebe es in seinem Beritt rund 900 zugelassene Jäger mit Waffenbesitzkarte, die sich untereinander gut kennen. Seiner Einschätzung nach geht es den Wilderern darum, Tiere zu schießen und das Fleisch zu verkaufen.

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erstellt am 20.Apr.2016 | 16:15 Uhr

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