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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 03:12 Uhr

Schleswig : Interimslösung mit Bauchschmerzen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Rat stimmt für Slesvighus als Übergangsspielstätte für das Landestheater bis 2019.

Nein, sie werde nicht zustimmen. Es war ein sehr nachdrückliches „Nein“, das von CDU-Ratsfrau und Finanzausschuss-Vorsitzender Steffanie Hildebrandt am Montag in der Ratsversammlung zur Interimslösung für das Landestheater kam. Dennoch fiel am Ende dieser Debatte eine mehrheitliche Entscheidung (21 dafür, vier dagegen, eine Enthaltung) für den Vorschlag der Stadt, dem Landestheater bis 2019 das Slesvighus als Übergangsspielstätte zur Verfügung zu stellen. Das wird die Stadt insgesamt 400  000 Euro kosten. Während dieser Zeit soll das frühere Mannschaftsheim auf der Freiheit zur multifunktionalen Spielstätte umgebaut werden.

„Ich habe es satt, mit diesen Interimslösungen und deren Berechnungen zugeschüttet zu werden. Und mir dauert es einfach zu lang, wenn wir beim Theater wieder zwei Jahre lang in einer Warteschleife stecken“, sagte Steffanie Hildebrandt ungewohnt verärgert. Ihrer Meinung nach müsste „doch bis Ende 2016“ der Zukunftsplan für das Landestheater stehen.

Ebenso eindringlich hatten auch die Einzelkämpfer Jürgen Wenzel (FDP) und Ingo Harder (Bündnis für Bürger) ihr Nein zur Beschlussvorlage der Stadt begründet. Wenzel sieht, wie er sagte, einen „glasklaren Machtkampf“ hinter den Streitereien um die beste Interimslösung. Denn allesamt seien sie gleich teuer, gleich schlecht oder gut gewesen, so dass man sich eigentlich hätte in Ruhe einigen können. „Aber der Machtkampf ist vermutlich nur ein müdes Vorspiel gegenüber dem, was beim Ausbau des Mannschaftsheimes noch folgt“, sagte er und warf Theaterintendant Peter Grisebach vor, „die Stadt am Nasenring durch die Manege zu ziehen“. Ingo Harder brachte Zahlen und Kosten ins Spiel. Obwohl vom Bürgermeister laut Beschlussvorlage vorgesehen sei, das Slesvighus sowohl für das Landestheater als auch für das Varieté-Theater „Heimat“ zur Verfügung zu stellen, gäben die Kapazitäten dort das gar nicht her, meinte er. Denn im Slesvighus seien 300 Besucherstühle, während die „Heimat“ 600 brauche, um kostendeckend zu arbeiten. Zudem sei die Slesvighus-Lösung um gut 150  000 Euro teurer als es die Lösung mit der Panzerhalle gewesen wäre. Dabei habe die sowohl für das Landestheater als auch für die „Heimat“ als Provisorium dienen können. Harder: „Warum war man dagegen? Weil dort mal Panzer repariert wurden? Das ist doch der beste Beweis für die Stabilität des Gebäudes.“

Die SPD dagegen votierte geschlossen für die Übergangslösung im Slesvighus. Fraktionsvorsitzender Stephan Dose erinnerte zuvor an die fraktionsübergreifende Entscheidung im Frühjahr, das frühere Mannschaftsheim auf der Freiheit zu kaufen, um es umzubauen zur multifunktionalen Spielstätte. Auch die Grünen stimmten der vorübergehenden Lösung mit dem Slesvighus zwar zu, kritisierten aber „den Prozess zur Entscheidungsfindung“ der jeweiligen Interimslösungen. Johannes Thaysen: „Mal war es das Zelt, mal die Panzerhalle, dann wieder Slesvighus – das hat mir überhaupt nicht gefallen.“ Für den SSW sagte Harry Heide: „Ich finde die jetzige Beschlussvorlage vom Bürgermeister für die Interimslösung gut, und das sollten wir jetzt nicht wieder zerreden.“ Dass indessen die CDU nicht einheitlich abstimme, dafür habe er Verständnis, machte Fraktionschef Holger Ley deutlich. „Auch ich teile die Bedenken gegen die Interimslösung, sehe aber derzeit keine Alternative dazu. Denn ich möchte unser gemeinsames Ziel verwirklicht sehen – die multifunktionale Spielstätte für Landestheater, ,Heimat‘ und mehr.“ Bürgermeister Arthur Christiansen hob die Verpflichtung der Stadt hervor, die im Gesellschaftervertrag mit der Landestheater GmbH verankert sei, nämlich bis 2019 eine Spielstätte vorzuhalten. Zudem hätten die beiden anderen Haupt-Gesellschafter Rendsburg und Flensburg das Recht zu erfahren, welche Rolle Schleswig künftig innerhalb der GmbH spielen möchte.

Zwei Dollpunkte allerdings ließ auch der Bürgermeister völlig im Dunkeln. Da war die von Susi Ross (CDU) vorgebrachte Frage: „Wo soll eigentlich das Varieté-Theater ,Heimat‘ während der Umbauzeit hin?“ Und: Keinerlei Hinweise gab es darauf, wie teuer der Umbau des Mannschaftsheimes zur Spielstätte werden könnte – ob die Stadt womöglich das Fünf-Millionen-Euro-Limit für den Theaterausbau weit überschreiten wird.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 08:29 Uhr

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