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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 23:20 Uhr

Stellungnahme von Nilgün Demir im Wortlaut : „Ich bleibe Mitglied der SPD-Fraktion“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

SPD-Ratsfrau nimmt zu ihrem umstrittenen Interview wie folgt Stellung:

„Mit dieser Stellungnahme gehe ich auf Kommentare und Fragen näher ein, die im Hinblick auf mein Freitagsinterview vom 22. Juli unter der Überschrift der SN „Erdogan gibt sich Mühe, dass es der Türkei gut geht“ aufgekommen sind. Dieses Interview hat in Teilen der Öffentlichkeit zu vielen Missverständnissen geführt. Daher will ich das Ganze klarstellen.
Zunächst teile ich mit, dass ich mich nach der Diskussion und dem Austausch in der Fraktion, im Ortsverein und in der Mitgliederversammlung entschieden habe, weiterhin als Mitglied in der SPD-Fraktion und als Ratsfrau in der Ratsversammlung tätig zu sein. Ich will an dieser Stelle stark hervorheben, dass ich ein ausgeprägtes Demokratieverständnis habe und dass mir bei den Maßnahmen, die in Türkei stattfinden, die rechtsstaatlichen Prinzipien von hoher Bedeutung sind. Sollte dies in der Türkei nicht der Fall sein, ist dies zu verurteilen und man muss schnellst möglich zu rechtsstaatlichen Vorgängen zurückkehren. Das gilt selbstverständlich ebenso für die Wahrung der Menschenrechte. Menschenrechte sind unantastbar. Ich bin mit Amnesty International bezüglich der Menschenrechtssituation in der Türkei im persönlichen Kontakt. Sofern kein Zugang zu den Gefängnissen stattfindet, setzte ich mich gerne hierfür ein. Dies ist mir besonders wichtig. Die in der Türkei diskutierte Todesstrafe lehne ich auf das Entschiedenste ab.

Vorweg möchte ich betonen, dass ich dieses Interview als türkischstämmige Privatperson durchgeführt habe und dass es sich hierbei ausschließlich um meine persönliche Meinung zu diesem Thema handelt. Ich habe meine persönlichen Eindrücke über die aktuelle Lage in der Türkei geschildert, diese resultieren in erster Linie aus meinen eigenen Erfahrungen mit meinem zweiten Heimatland, Informationen im Austausch mit engen Verwandten, die in diesem Land leben bzw. erlebt haben aus den deutschen und türkischen Medien.

Den 15. Juli 2016 werde ich nie in meinem Leben vergessen! Es ist unvorstellbar, was in dieser Nacht passiert ist. F16-Kampfjets über der Türkei. Panzer stehen überall. Die eigenen Soldaten schießen auf Zivilisten. Ich war in der Nacht sehr schockiert. Alle türkischstämmigen Bürger haben sich, so wie ich, Sorgen gemacht. Wir hatten Angst um unsere Familien.
Natürlich habe ich von Anfang an parallel sowohl die deutschen als auch die türkischen Medien verfolgt. In der Türkei konzentrierte sich die Berichtserstattung auf die Auswirkungen auf die Bevölkerung und die vielen Toten. In den deutschen Medien fand sich jedoch ausschließlich Kritik über das Vorgehen Erdogans. Das habe ich für einen Moment tatsächlich nicht ausgehalten. Und in dieser emotionalen Situation habe ich das Interview gegeben. Aber selbstverständlich verfolge ich nach wie vor täglich sowohl die deutschen als auch die türkischen Medien. Der versuchte Putsch war gegen die gesamte Republik Türkei, gegen alle Parteien und vor allem gegen die freiheitlich- demokratische Grundordnung gerichtet. Bei der Abwendung des Putsches haben 238 Menschen ihr Leben gelassen, 2797 sind verletzt worden. Einige von ihnen schweben weiterhin in Lebensgefahr. Die türkische Bevölkerung hat die Demokratie verteidigt. Es wurden in mehreren Städten vier Wochen "Wache für die Demokratie" abgehalten. Zehntausende Menschen beteiligen sich täglich daran. Da ich in Deutschland aufgewachsen bin, kann ich sehr gut nachvollziehen, dass das, was derzeit in der Türkei passiert, hier sehr kritisch gesehen wird. Ich kann aber andererseits auch die Stimmungslage in der türkischen Bevölkerung sehr gut nachvollziehen.
Ich möchte abschließend nochmals unterstreichen, dass ich uneingeschränkt für Demokratie und Rechtstaatlichkeit einstehe. Ich wünsche mir, dass der Ausnahmezustand beendet wird und dass die Menschenrechte gewahrt bleiben. Ich werde weiterhin die Ereignisse in der Türkei eng beobachten.

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erstellt am 24.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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