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Schleswiger Nachrichten

27. März 2017 | 16:27 Uhr

von Schleswig nach Sierra Leone : Hilfe für blinde Kinder in Afrika

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Manche Kinder an der Blindenschule in Makeni hatten noch nie eine Augenuntersuchung erlebt - bis Susanne Kunert-Keu kam.

„Ich hatte ein kleines, provisorisches Sprechzimmer dabei“, sagt Susanne Kunert-Leu schmunzelnd, „mit allem, was man für die Diagnostik benötigt: Handspaltlampe, Ophthalmoskop, Sehtafeln und Probierbrillen.“ Kunert-Leu ist Orthoptistin, das heißt, sie behandelt und untersucht Augenerkrankungen. Mit ihrem provisorischen Sprechzimmer reiste sie auf eigene Kosten nach Makeni, eine 120  000-Einwohner-Stadt in Sierra Leone in Westafrika. Dort besuchte sie Schüler der „Bombali School of the blind“. Für manche der blinden oder sehbehinderten Kinder war es die erste Augenuntersuchung ihres Lebens.

Von ihren Erlebnissen berichtet die Flensburger Orthoptistin an diesem Sonnabend in einem Vortrag, der um 19.30 Uhr in der Aula der Lornsenschule beginnt. Mit dabei sind dann auch Annette Hallenberger und Sabine Häßler-Hahm, die als Sonderpädagoginnen am Schleswiger Landesförderzentrum Sehen tätig sind. Beide besuchen die Blindenschule im vom Bürgerkrieg gebeutelte Sierra Leone schon seit Jahren immer wieder. Nun haben sie Susanne Kunert-Leu bei der Digitalisierung und Aufzeichnung der Screening-Ergebnisse unterstützt. Die dokumentierten Untersuchungsergebnisse wurden auch an die Augenklinik in Makeni weitergeleitet. Dort haben Mitarbeiter der Hilfsorganisation Cap Anamur während der verheerenden Ebola-Epidemie eine Notaufnahme aufgebaut.Die Weiterbehandlung der Kinder wird in Sierra Loene bereits vorbereitet. „Das ist für uns alle ein sehr gutes Gefühl zu wissen, dass es bald weitergeht und es nicht bei der Diagnostik bleibt“, betont Susanne Kunert-Leu. Die Hälfte der Kinder sei eindeutig blind, sagt sie. „Aber bei einigen haben wir festgestellt, dass lediglich ein Auge betroffen ist. Sechs Kindern konnten wir sofort mit einer Brille helfen.“

Annette Hallenberger befasst sich während ihrer Aufenthalte mit der Weiterbildung der meist selbst blinden Lehrkräfte. „Ich arbeite schon länger daran, gemeinsam mit den Lehrern ein neues Verständnis für das Unterrichten zu schaffen“, beschreibt sie, „zum Beispiel wurde Mathematik immer sehr vernachlässigt. Dabei kann man gerade das wunderbar unterrichten, indem der eigene Körper mit einbezogen wird.“ Während ihres Aufenthalts versucht sie, alte Lehrmuster aufzubrechen und gemeinsam mit den Lehrern neue Möglichkeiten des Unterrichtens zu erarbeiten und auszuprobieren – mit großem Erfolg, wie sie sagt.

Zum Team gehörten auch Bauingenieur Stefan Burau und die passionierte Hobbyschneiderin Ulrike Sadler. „Stefan hat eine Bestandsaufnahme der Baumängel vorgenommen“, sagt Annette Hallenberger, „und mit dem Auftrag für den Bau eines Handlaufs aus Metall sorgte er für eine gefahrlose Orientierung der Schüler auf dem Gelände.“ Die Schüler der Schneiderklasse des Berufsausbildungszentrums in Makeni haben mit Ulrike Sadler Taschen genäht. Den Stoff dafür hat sie auf dem Markt in Makeni gekauft Die fertigen Taschen werden nun in Deutschland verkauft und der Erlös wieder in das Zentrum reinvestiert.

Für die Schüler war vor allem die Arbeit mit der Heilpädagogin Brigitte Franzen spannend. Sie hatte einen ganzen Koffer voller Material dabei: Pfeifenputzerdraht, Papier und Stifte, Luftballons und einen mechanisch betriebenen Handbohrer. „Ich war sehr erstaunt darüber, was die Kinder trotz ihres Handicaps alles hinbekommen haben.“

Der Vortrag am Sonnabend wird begleitet von einer Fotoausstellung mit Bildern von Florian Hahm und Awina Nölte.

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