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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 01:20 Uhr

Steinberg : Hier rauscht bald die Lippingau durch

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Brückenbauarbeiten auf der Nordstraße dauern noch zwei Wochen. Dimension der Querung bereitet dem Wasserverband Sorgen.

Das tiefste Loch in der Landschaft Angeln befindet sich derzeit unterhalb der Trasse der Nordstraße (B  199) bei Gut Oestergaard. Dort, wo die Lippingau in Richtung Ostsee fließt, entsteht ein neues Brückenbauwerk. 64 Jahre lang hatte die alte Brücke aus Stahlbeton ihre Dienste geleistet, doch wies sie inzwischen erhebliche Schäden auf. Der schleswig-holsteinische Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (Niederlassung Flensburg) sorgte dafür, dass die mit 462  000 Euro aus Bundesmitteln finanzierte Baumaßnahme in diesem Herbst innerhalb von sieben Wochen – bis zum 28. Oktober – erledigt werden kann. In dieser Zeitspanne ist die Nordstraße voll gesperrt. Alle Fahrzeuge müssen auf drei Landstraßen über die Dörfer Niesgrau, Esgrus, Sterup und Steinbergkirche einen rund zehn Kilometer längeren Umweg in Kauf nehmen.

Auf der Baustelle haben sich Baggerschaufeln der Strabag AG tief in den Untergrund gegraben und einen Bodenaustausch mit Kies begonnen. Die Lippingau fließt zwischenzeitlich durch einen extra aus kleineren Rohren geschaffenen Bypass. Angeliefert worden ist bereits das Kernstück des Neubaus: ein modernes Wellstahlrohr, zu dessen Vorteilen eine lange Lebensdauer und geringe Unterhaltungskosten gehören.

Jacob Möllgaard aus Westerholm, Vorsitzender des Wasser- und Bodenverbandes Lippingau, informierte sich vor Ort über den Stand der Dinge. Der künftige Durchlass unter der Nordstraße wird von der Sole bis zum gewölbten Oberteil eine Höhe von 3,34 Meter erhalten und 2,10 Meter breit sein. Dieses Wellstahlrohr mit einer Länge von 20 Metern wird laut Möllgaard für die Fische kein Hindernis bilden, denn die in dieser Jahreszeit zum Laichen in die Au kommenden Meerforellen „sehen ja auf der anderen Seite das Licht im Tunnel“. Eine besondere Zugabe der Wasserbehörde ist innerhalb der Durchflusszone die Anlage einer 80 Zentimeter messenden Schicht aus Sand und Kies, in denen sich alsbald Larven und Würmer ansiedeln und eine zusätzliche Nahrungsquelle für die Fische der Lippingau bieten werden. Sogar ein Extraplatz für Otter ist eingeplant, da von Biologen deren Zuwanderung aus anderen Regionen erwartet wird.

Verbandschef Möllgaard zeigt sich trotz alledem besorgt über die Dimension des Brückenbauwerks. Er sagt: „Bei Starkregen mit einem über einen Meter höheren Pegelstand strömt das Auwasser mit hoher Geschwindigkeit und Druck durch den Durchlass, und dabei drohen dann Überschwemmungen eines 30 Hektar großen Wiesenlandes.“ Bislang habe das alte Bauwerk eine Art Bremswirkung gezeigt, und bei Überflutungen sei das Wasser nach maximal zwei Tagen im Boden versickert. Der Wasser- und Bodenverband befürchtet nun, dass bei künftigen Hochwasserlagen nicht nur dem anliegenden Landwirt der Grasschnitt verloren geht, sondern auch Pumpen eingesetzt werden müssen, deren Betriebskosten zu 50 Prozent vom Eigentümer der Flächen zu bezahlen sind. Möllgaard: „Da kann Ärger auf den Verband zukommen.“

Die zuständige Wasserbehörde teilt allerdings diese Bedenken nicht. Sie hat dem Verbandschef aufgrund einer Untersuchung mitgeteilt, dass der Brückenneubau bei der Lippingau zu keinen Veränderungen führe und damit das Tempo in der Durchflusszone „so bleibt, wie es war“.

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