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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 15:25 Uhr

Schleswig : Hertie-Abriss ist beschlossene Sache

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bauausschuss spricht sich einstimmig für den Rückbau des maroden Kaufhauses aus. Die Bagger sollen noch im ersten Halbjahr 2017 anrollen.

Den Stein, der Bürgermeister Arthur Christiansen vom Herzen gefallen ist, konnte man zwar nicht wirklich plumpsen hören. Die Erleichterung aber schien ihm förmlich ins Gesicht geschrieben, als der Bauausschuss am Mittwochabend endlich grünes Licht gab für den Abriss der Hertie-Ruine im Stadtweg. Denn obwohl diese Maßnahme im Rathaus schon längst beschlossene Sache war, hatte es aus der Politik heraus – insbesondere vonseiten der CDU – bis zuletzt Stimmen gegeben, die sich gegen einen Rückbau aussprachen. Man zweifelte daran, ob ein Abriss der richtige Schritt sei, bevor überhaupt feststeht, welcher Investor welche Pläne mit dem Grundstück hat.

Diese Zweifel hatte Christiansen offenbar bereits im Vorfeld der Sitzung ausgeräumt. Denn alle Parteien, einschließlich der CDU, folgten seinem Antrag auf Abriss – ohne, dass es dabei starken Gegenwind gegeben hätte. „Die Zukunft dieses Grundstückes ist ein wichtiges Projekt für die Innenstadt, mit dem Rückbau der Ruine schlagen wir den ersten Pflock für deren Sanierung ein“, sagte Helge Lehmkuhl (CDU), der die Sitzung als Vertreter für den kürzlich verstorbenen Ausschussvorsitzenden Klaus Bosholm leitete (in Gedenken an ihn gab es eine Schweigeminute). Auch die SPD, die sich bereits zuvor für einen Abriss ausgesprochen hatte, unterstrich die Notwendigkeit dieser Maßnahme. „Jetzt haben wir endlich Einfluss auf das Gelände, deswegen sollten wir jetzt aktiv werden und das Gebäude nicht länger so stehen lassen, wie es seit Jahren der Fall ist“, betonte Jürgen Lorenzen.

Zumal das Geld für den Abriss schon bereitsteht – zumindest zu großen Teilen. Denn von den kalkulierten 500  000 Euro übernimmt das Land zwei Drittel. Den Rest muss die Stadt beisteuern. Dies bestätigte nun noch einmal ein Mitarbeiter des beauftragten Sanierungsträgers, der BIG Städtebau. Demnach sei der Abriss als Teil der Innenstadtsanierung eigentlich bereits 2015 von der Ratsversammlung beschlossen worden und schon länger mit dem Kieler Innenministerium abgestimmt.

Deshalb könnte das heruntergekommene Kaufhaus, das die Stadt im März 2016 nach zähen Verhandlungen für 1,7 Millionen Euro gekauft hatte, schon im ersten Halbjahr 2017 zurückgebaut werden. Das erklärte die für den Rückbau beauftragte Ingenieurin Andrea Hagedorn. Man habe bereits ein sogenanntes Gebäudeschadstoff-Kataster erstellt. Zudem habe man die Schäden untersucht, die bei einem Feuer, das Jugendliche im Oktober 2013 in dem leer stehenden Haus gelegt hatten, untersucht. „Alles ist soweit erledigt. Noch im ersten Quartal 2017 können wir mit der Ausschreibung für die Rückbaumaßnahmen beginnen. Danach kann es damit dann auch schon losgehen“, sagte sie.

Dass dieser Zeitplan eingehalten wird, hofft auch Bürgermeister Christiansen. „Je schneller, desto besser“, betonte er noch einmal. Denn: „Wir haben zwei Jahre daran gearbeitet, dieses Haus samt Grundstück zu kaufen. Jetzt muss dort etwas Neues entstehen“, sagte er. Dafür stünden gleich mehrere Investoren parat. „Es gibt einige Interessenten, davon auch mehrere seriöse, mit denen wir im Gespräch sind“, sagte Christiansen. Aber egal wer den Zuschlag am Ende bekomme: „Wir wollen dort keine Ein-Euro-Shops oder Sonnenstudios, sondern neue Anker für unsere Innenstadt.“ Dabei solle auch die Ästhetik eine wichtige Rolle spielen. „Aus den Plänen für die Schmid-Villa haben wir gelernt. Deswegen haben wir Ansprüche an die Architektur.“ Um die Politik und die Öffentlichkeit in diesem Punkt mitzunehmen, kündigte er an, dass interessierte Investoren gemeinsam mit ihren Architekten die einzelnen Entwürfe dem Bauausschuss vorstellen können.

Auch dieser Vorschlag kam bei der Politik gut an. Allein Steffen Hempel von den Grünen äußerte Zweifel: „Dass es viele Investoren gibt und ein freigeräumtes Grundstück leichter zu vermarkten ist als ein bebautes, das haben wir alles schon damals gehört, als das Theater abgerissen wurde. Jetzt haben wir da eine Beachparty-Fläche und sonst nichts. Wer sagt uns, dass es diesmal anders wird?“ Soweit werde es ganz bestimmt nicht kommen, entgegnete Arthur Christiansen. Das Lollfuß-Gelände liege allein deswegen noch brach, „weil ich so lange warten wollte, bis die Theaterfrage endgültig geklärt ist. Es konnten ja jederzeit wieder Stimmen laut werden, die eine Rückkehr an den alten Standort fordern.“ Wenn die Entscheidung endlich getroffen sei, werde es auch wieder verstärkt um die Nachnutzung für das Grundstück am Lollfuß gehen. „Die Interessenten dafür gibt es noch immer. Sie warten“, sagte Christiansen.

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erstellt am 02.Dez.2016 | 07:19 Uhr

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