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Parkplatznot in St. Jürgen : „Helios sollte kein Parkgeld nehmen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

SPD appelliert an Klinik-Geschäftsführung: Weil Mitarbeiter zahlen müssen für Betriebsstellflächen, nehmen sie den Anwohnern Parkplätze weg

Der Parkplatz-Ärger von Anwohnern rund um das Helios-Gelände weitet sich aus. Gerade klagen St. Jürgener darüber, dass schon frühmorgens fast alle freien Stellplätze vor ihren Wohnblocks besetzt sind – und zwar von Mitarbeitern des Krankenhauses, wie sie beobachten. „Leider stellen viele von ihnen vor ihrer Arbeitsschicht ihre Autos bei uns ab“, stellt auch Tierärztin Dr. Christine Andresen-Schäfer fest. Sie hat ihre Kleintierpraxis in der früheren Sparkassen-Filiale Am Brautsee 21, und davor gibt es für ihre Kunden, von denen manche ihr Tier im Körbchen transportieren müssen, eigentlich eine Menge öffentlicher Parkplätze. Eigentlich. Denn meist sind diese belegt. „Das ist ein gravierendes Problem“, betont sie gegenüber den SN, „denn zu mir kommen auch Tierbesitzer, die gehbehindert und deshalb darauf angewiesen sind, ihr Auto nahe der Praxis parken zu können.“

Christine Andresen-Schäfer

Christine Andresen-Schäfer

 

Die Parkplatznot und das Krankenhaus. Jetzt will der SPD-Ortsverein das Thema aufgreifen.

„Auch an uns wurden viele Beschwerden herangetragen“, hatte Fraktionsvorsitzender Stephan Dose bereits vergangene Woche in der Jahresversammlung gesagt. Zwar sei die Kommunalpolitik nicht zuständig für den ruhenden Verkehr, doch wolle man sich kümmern um dieses Problem – „auch, weil bei einem Teil der Anwohner der Eindruck entstanden ist, dass die Verwaltungsspitze im Rathaus deren Anliegen nicht ernst nimmt“. Daher habe die SPD Bürgermeister Arthur Christiansen in einem Schreiben ermuntert, ein klärendes Gespräch mit dem Helios-Geschäftsführer zu führen. Dose: „Die Situation ist ja für Image und Akzeptanz des Krankenhauses nicht eben förderlich. Und Helios sollte es eigentlich auch nicht nötig haben, von seinen Beschäftigten Geld für Mitarbeiter-Parkplätze zu nehmen.“

Die SPD-Fraktion will außerdem mit dem Ordnungsamt und der städtischen Straßenverkehrsbehörde die rechtliche Lage sowie die Handlungsmöglichkeiten von städtischer Seite prüfen, kündigt er an. Bisher vertritt die Stadt die Ansicht, dass „niemand das Recht auf einen Parkplatz vor der eigenen Haustür hat“.

Doch trotz der aufgetretenen Probleme mit den öffentlichen Stellplätzen rund um das Helios-Gelände sei stets zu betonen, wie sehr man es begrüße, ein neues Krankenhaus bekommen zu haben und dass Arbeitsplätze gesichert werden konnten, merkte Dose an.

Mit einem Appell, der direkt für die Ohren von Geschäftsführer John Friedrich Näthke bestimmt ist, geht Birte Pauls, Mitglied des SPD-Ortsvereinsvorstandes und Landtagsabgeordnete, in die Offensive. „Wäre ich Klinik-Chef“, meint sie, „würde ich mich nicht mit allen Anwohnern anlegen, sondern zu meinen Mitarbeitern sagen: Wir freuen uns, dass Sie täglich bei uns arbeiten, deshalb stellen wir Ihnen gerne auf unserem Betriebsgrundstück einen Parkplatz zur Verfügung – kostenfrei.“ Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen wäre so eine Geste doch angebracht, betont sie.

Tatsächlich scheint das der Casus Knacktus zu sein: Die betriebseigenen Stellplätze, von denen es insgesamt 470 auf dem Helios-Areal gibt, sind nicht umsonst. Das Tagesticket ist für vier, das Monatsticket für 20 Euro zu haben. Und wohl deshalb, so ist zu vermuten, halten die Klinik-Mitarbeiter vor der Arbeit Ausschau nach einem Parkplatz, der kein Geld kostet. Doch die Anwohner, die sich dadurch nun vertrieben sehen, werden die Situation auf Dauer offenbar nicht hinnehmen. Es sollen Unterschriftenlisten gesammelt werden, heißt es.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 07:44 Uhr

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