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Schleswiger Nachrichten

30. September 2016 | 15:27 Uhr

Kampf um die Wasserqualität : Heizen mit Schlamm aus der Schlei?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein umstrittener Vorschlag sorgt auf Diskussionsabend der Grünen für Gesprächsstoff.

Wenn es um die Wasserqualität in der Schlei geht, dann werden die Menschen neugierig. Veranstaltungen zu diesem Thema sind fast ein Selbstgänger. Davon profitierten auch die Schleswiger Grünen, als sie am Mittwochabend in den großen Saal des Hotels „Hohenzollern“ einluden. Fast alle Plätze waren besetzt. Dazu dürfte indes auch der prominente Gast des Abends beigetragen haben, Umweltminister Robert Habeck. Der Polit-Star hielt jedoch nur ein kurzes Grußwort. Danach hatten die Fachleute das Wort, die fast zwei Stunden lang über die Düngeverordnung referierten und darüber, dass die Auflagen für bestimmte Pflanzenschutzmittel abhängig sind von der jeweiligen Spritztechnik.

Dann aber wurde die Diskussion auch für den Laien noch richtig interessant. Karl Walther, der Vorsitzende des Koseler Schlei-Informations- und Erlebniszentrums (SIEZ) stellte einen neuen Vorschlag seines Vereins vor: Er möchte den Faulschlamm, der sich über Jahrzehnte auf dem Grund des Gewässers gebildet hat, entfernen und als Energiequelle nutzen. Svend Duggen, Geowissenschaftler und Lehrer an der A.P.-Møller-Schule, hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Nach seinen Berechnungen haben sich in der Schlei inzwischen fünf Millionen Tonnen Faulschlamm gebildet. Ein Großteil davon stammt noch aus Zeiten, als die Kläranlagen in der Region deutlich schlechter arbeiteten als heute und als viele Abwässer noch völlig ungeklärt in die Schlei flossen.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Wasserqualität messbar verbessert. Entsprechende Daten stellte Michael Trepel aus dem Kieler Umweltministerium auf der Veranstaltung vor. Heute sind nicht mehr die Abwässer das Problem, wohl aber die Einleitungen aus der Landwirtschaft, die insbesondere über die Füsinger Au aus halb Angeln in die Schlei gelangen. Auch deshalb redeten die Fachleute so intensiv über die Düngeverordnung, von der Robert Habeck eingangs gesagt hatte, dass sie demnächst novelliert werden soll.

Einig waren sich die Fachleute aber auch darin, dass ein relevanter Teil der Stoffe, die das Schleiwasser belasten, aus dem Faulschlamm am Boden stammt. Lohnt es sich also, den Schlamm zu entfernen? Ist das überhaupt praktikabel? Duggen verweist darauf, dass er sich als Rohstoff nutzen ließe. Wissenschaftliche Studien würden zeigen, dass aus Faulschlamm zusammen mit Stroh, Torf oder Sägemehl Briketts gepresst werden können, die sich zum Heizen verwenden lassen. Der Brennwert sei höher als der von Holzbriketts und erreiche zwei Drittel des Wertes von Kohle. Duggen schlussfolgert: „Eine Entfernung des Faulschlamms aus dem biogeochemischen Kreislauf der Schlei wäre sehr wahrscheinlich die effektivste Vorgehensweise, um das Faulschlamm-Problem der Schlei zu lösen.“


Skepsis im Umweltministerium


Im Kieler Umweltministerium stößt dieser Vorschlag bislang nicht auf Gegenliebe. „Wir sehen das im Moment sehr kritisch“, sagte Trepel. Den Faulschlamm zu entfernen, würde nicht nur sehr teuer, es bestehe auch die Gefahr, dass durch Aufwirbelungen am Grund der Schlei noch mehr Schadstoffe ins Wasser geraten als jetzt. „Der Schlamm ist einfach eine Altlast, mit der wir leben müssen“, befand er.

Was die übrigen Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität angeht, waren sich aber alle Gesprächspartner auf dem Podium einig: Die Bauern müssen verantwortungsvoll düngen. Claus-Peter Boyens von der Landwirtschaftskammer versicherte, dass 95 Prozent aller Bauern dies ohnehin täten, und auch Moderator Johannes Thaysen, Grünen-Ratsherr und ebenfalls bei der Landwirtschaftskammer beschäftigt, betonte, dass „nicht jede Düngung eine Überdüngung“ sei. Hans Heinrich Hennings vom Gewässer- und Landschaftsverband Schlei, in dem alle Anrainergemeinden zusammengeschlossen sind, berichtete, wie nach und nach die Bachläufe in der Region aus begradigten Läufen oder aus Rohren wieder zurück in ihre ursprünglichen Betten verlegt werden. Aus dem Publikum meldete sich Hans-Jürgen Boeck vom Naturschutzbund und forderte, weniger Genehmigungen für immer größere Schweine- und Geflügelmastbetriebe auszusprechen.

 

 

>Svend  Duggens Thesen zum Faulschlamm sind auf der Internetseite des SIEZ veröffentlicht: www.schleiinfozentrum.de. Auf einer Veranstaltung am Mittwoch, 13. April, um 19 Uhr in der A.P.-Møller-Schule wird er sie öffentlich vorstellen.

 

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erstellt am 19.Feb.2016 | 12:30 Uhr

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