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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 14:41 Uhr

Immobilienkompass 2016 : Häuser in Schleswig werden teurer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schleswig zieht bei den Immobilienpreisen nach. Wohneigentum ist aber noch immer günstiger als in Eckernförde oder Flensburg.

Schleswig | Die Nachfrage nach Immobilien in Schleswig-Holstein ist hoch, das Angebot niedrig, und das führt auch in Schleswig und dem Umland zu steigenden Immobilienpreisen. Der aktuelle „Immobilienkompass“ der Bausparkasse LBS weist für 2016 einen Quadratmeterpreis für Ein- und Zweifamilienhäuser von 1227 Euro aus. 2014 waren es noch 1111 Euro. Ein Preisanstieg um 10,4 Prozent. Zum Vergleich: In Eckernförde blieben die Preise nahezu unverändert hoch und liegen bei 1859 Euro je Quadratmeter (-0,4 Prozent). In Rendsburg stieg der Quadratmeterpreis zwar ordentlich an (um 12,6 Prozent auf 1192 Euro), im Schnitt ist der Kauf von Eigentum aber noch immer etwas günstiger als in Schleswig. Auch in Flensburg schießen die Preise nach oben – um insgesamt 15,7 Prozent au f durchschnittlich 1749 Euro. Die Preise liegen jedoch noch weit unter denen im Ballungsraum Hamburg, wo beispielsweise in Norderstedt rund 2493 Euro (+12,7 Prozent gegenüber 2014) je Quadratmeter Eigenheim berappt werden müssen.

Die Entwicklung in Schleswig kommt nicht von ungefähr, weiß Immobilienmakler Hans-Jürgen Schuhmacher von der VR Bank Schleswig. „Einfamilienhäuser mit einem überschaubaren Modernisierungs- und Renovierungsaufwand werden am häufigsten nachgefragt, nur gleichzeitig ist das Angebot hier sehr gering.“ Im Schnitt wechselten solche Häuser für 150.000 bis 200.000 Euro den Besitzer.

Ursache für diese Schere sei zum einen das niedrige Zinsniveau, denn Verkäufer wüssten nicht, wo sie ihr Geld anlegen sollen und überlegen daher gut, ob sie verkaufen. Gleichzeitig ließen sich Immobilien über Kredite derzeit günstig finanzieren. „Wer 200  000 Euro aufnimmt, zahlt momentan rund 800 Euro monatlich für Zinsen und Tilgung“, sagt Schuhmacher. Zum anderen würden viele ältere Leute ihr Haus im Gegenzug für eine seniorengerechte Wohnung zwar gerne verkaufen, aber auch hier sei die Nachfrage nach solchen Wohnungen größer als das Angebot. Der Markt für Eigentumswohnungen spielt in Schleswig eine große Rolle. Rund 30 Prozent aller von der LBS analysierten Angebote sind Eigentumswohnungen. In Eckernförde sind es nur zehn Prozent. Im Schnitt kostet der Quadratmeter in Schleswig 1212 Euro – 9,2 Prozent weniger als 2014. Der Rückgang sei ein statistischer Effekt, sagt Schuhmacher. „Es gibt nur wenige Neubauten, neue Eigentumswohnungen sind auf dem Markt daher selten.“ Aufgrund der moderneren Ausstattung kosteten diese mit 2500 bis 3500 Euro pro Quadratmeter aber auch deutlich mehr als Bestandswohnungen mit einfacher oder mittlerer Ausstattung. Die seien weitaus einfacher zu finden. Oftmals hätten ältere Wohnungen aber schlechte Fenster oder in die Jahre gekommene Heizungsanlagen. „In Schleswig gibt es viele Wohnungen aus den 50er und 60er Jahren, die sehr günstig sind, aber auch hohe Folgekosten nach sich ziehen“, bestätigt Immobilienmakler Arne Klein von Engel und Völkers. Es fehle an Mittelbauten, also Wohnungen aus den 90er Jahren. Anders als in Schleswig steigen in anderen Städten wie beispielsweise Eckernförde (+19,9 Prozent auf 2017 Euro/Quadratmeter) oder Husum (+36,3 Prozent auf 1653 Euro/Quadratmeter) die Preise für Eigentumswohnungen. Günstiger ist es auch hier in Rendsburg (907 Euro/Quadratmeter, +1,7 Prozent)

Beliebte Wohngegenden in Schleswig seien die Mitte und der Norden sowie umliegende Dörfer mit guter Infrastruktur, sagt Schuhmacher. „Passen Preis, Leistung und Lage, dann sind die Immobilien momentan in unter drei Monaten verkauft.“ Oftmals schafften es die Angebote nicht mal ins Internet, da so viele Gesuche vorliegen würden. Schleswig sei extrem beliebt. Weil Kredite günstig sind und das Angebot klein, würden viele gleich neu bauen. „Die Leute prüfen, ob ein Neubau nicht günstiger ist, als der Kauf und die Sanierung eines älteren Hauses“, sagt Klein. Neue Eigenheime kosten im Land laut „Immobilienkompass“ im Schnitt 1800 Euro je Quadratmeter, in Schleswig etwas weniger. „Die nächsten zwei bis drei Jahre wird die Entwicklung ähnlich sein, da sich die Zinssituation vermutlich nicht ändert“, sagt Schuhmacher. „Die Immobilienpreise hängen mehr an den Zinsen, als viele denken.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 07:45 Uhr

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