zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 19:44 Uhr

Schleswig : Große Sorgen um die Kastanien

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Bakterienbefall hält ungemindert an. Auch in diesem Winter werden weitere Bäume aus dem Stadtbild verschwinden.

Wenn es um das Thema Kastaniensterben geht, hat Schleswig in der jüngsten Vergangenheit eine fast traurige Bekanntheit erlangt. Egal ob im NDR-Radio, im ZDF-Heute-Journal oder in der Süddeutschen Zeitung: Jens Bagehorn-Delor, Grünplaner der Stadt Schleswig, ist ein beliebter und begehrter Ansprechpartner, wenn es Fragen zum sogenannten Kastanien-Killer, das Bakterium Pseudomonas syringae, geht. Dieses Problem hat Schleswig zwar längst nicht exklusiv, denn in allen Regionen Deutschlands kämpfen Kastanien ums Überleben. Aber anhand der Schlossallee, die vom Barockgarten Richtung Gottorf führt, kann man dieses allgemeine Problem besonders gut verdeutlichen. Denn hier stehen – noch – über 50 Kastanienbäume. Und an vielen davon kann man mit bloßem Augen erkennen, welche Schäden das Bakterium hinterlässt.

Pseudomonas infiziert die Bäume, macht sie krank und anfällig und bereitet dadurch den Weg für den Befall mit Holz-zersetzenden Pilzen. Die Folge sind brüchige Rinden, die irgendwann abfallen und so Stamm und Äste völlig schutzlos stehen lassen. „Die Kastanien verfaulen von innen und sind irgendwann so kaputt, dass ihre Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet ist und sie gefällt werden müssen“, sagt Mathias Frahm. Der Leiter der Umweltdienste hat sich gestern gemeinsam mit Jens Bagehorn-Delor einen Eindruck vom aktuellen Zustand der Allee verschafft. Ob und wann Bäume der Motorsäge zum Opfer fallen, das entscheidet sich allerdings erst im Winter. Bis dahin wird der Baumkontrolleur der Umweltdienste Klarheit darüber haben, welche Kastanien sich in diesem Jahr so schlecht entwickelt haben, dass sie nicht mehr zu retten sind.

Dass es auch diesmal einige Kastanien im Stadtgebiet treffen wird, ist allerdings schon sicher. Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich damit fort. 2014 standen an den Straßenrändern und in öffentlichen Parks in Schleswig noch 144 Kastanienbäume. Inzwischen sind es nur noch 120. Insbesondere am Stadthafen, aber auch direkt auf der Schlossinsel, die in diesen Tagen wieder ein beliebter Treffpunkt für Kastanien-Sammler ist, waren einige Bäume nicht mehr zu retten. „Ein Ende dieser Entwicklung ist leider nicht in Sicht. Bislang gibt es kein Mittel gegen das Bakterium“, sagt Bagehorn-Delor. Aber die Hoffnung, dass Schleswiger Kinder auch in zehn Jahren noch nach den begehrten Herbst-Früchten suchen können, hat er noch nicht aufgegeben. „Vor Jahren gab es mal ein Ulmensterben. Da hat man gesagt, dass dieser Baum vollständig aus dem Stadtbild verschwindet. Aber es gab Exemplare, die Resistenzen entwickelt haben. Und inzwischen hat sich die Situation entspannt. Warum sollte das nicht auch bei den Kastanien passieren?“

Danach jedoch sieht es zurzeit noch nicht aus. Auch das Anpflanzen von jungen Kastanien kommt für die Umweltdienste mit Blick auf die anhaltende Verbreitung des Bakteriums, das seinen Ursprung offenbar in Asien hat und in Deutschland zuerst im Jahr 2007 aufgetreten ist, nicht in Frage, wie Jens Bagehorn-Delor betont. Der ist übrigens – dank seiner Medienpräsenz – ein gefragter Pseudomonas-Experte auch für besorgte Gartenbesitzer aus ganz Deutschland. „Ich hatte tatsächlich einige Anrufe. Mal war es ein Tipp, wie man das Bakterium bekämpfen könnte, mal eine Frage danach“, erzählt er. Aber wirklich helfen kann auch er in diesem Fall nicht.

zur Startseite

von
erstellt am 14.Okt.2016 | 07:52 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen