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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 15:36 Uhr

Schleswig : Größere Autos – mehr Unfälle

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Polizei registriert immer mehr Fahrerfluchten auf Supermarkt-Parkplätzen. Revierleiter Frenzer hat dafür eine simple Erklärung.

Erst vor zwei Tagen war es wieder in den Schleswiger Nachrichten zu lesen: Nach vier Fällen von Unfallflucht sucht die Polizei nach Zeugen. Jedes Mal war ein parkendes Auto von Unbekannten angefahren worden. Dass solche Meldungen in jüngster Zeit häufiger auftreten, liegt daran, dass die Polizei vermehrt darauf setzt, öffentlich nach Zeugen zu suchen. Die Zahl der unerlaubten Entfernungen vom Unfallort ist in den letzten Jahren aber tatsächlich kontinuierlich gestiegen. Schleswig-Holstein-weit weist die Statistik für das vergangene Jahr einen Anstieg um acht Prozent auf jetzt 18  896 Fälle aus.

2015 zählte die Polizei allein in Schleswig 344 Fälle. 40 mehr als noch im Jahr zuvor. Bis Ende Juli 2016 liegt die Zahl bereits bei 197. Fast täglich kracht es also irgendwo in der Stadt – und der Verursacher fährt einfach davon, ohne seine Daten zu hinterlassen. Meistens geschieht dies auf Supermarkt-Parkplätzen. Im fließenden Verkehr kommen Unfallfluchten hingegen eher selten vor, sagt Ferdinand Frenzer, der Chef des Schleswiger Polizeireviers. „Das sind Einzelfälle, in denen der Fahrer keinen Führerschein hat, er unter Drogen steht oder das Auto nicht versichert ist.“

Dafür, dass er und seine Kollegen immer häufiger gerufen werden, wenn Supermarkt-Kunden nach dem Einkauf Kratzer und Dellen an ihren Autos entdecken, nennt Frenzer einen einfachen Grund: „Es geschehen dort einfach mehr Unfälle.“ Entsprechend steige auch die Zahl der Unfallfluchten. „Die Autos werden immer größer, immer breiter, aber die einzelnen Stellplätze wachsen nicht mit.“ So war der erste VW Golf in den 70er Jahren 3,83 lang und 1,63 Meter breit. Das aktuelle Golf-Modell ist 4,25 Meter lang und – mit Spiegeln – über zwei Meter breit.

Nur wenige Märkte, bedauert Frenzer, reagierten darauf so vorbildlich, wie es vor wenigen Wochen auf dem Real-Parkplatz an der Flensburger Straße geschehen ist. Die einzelnen Stellplätze sind dort nicht nur verbreitert worden, sondern auch mit doppelten Trennlinien versehen. Übrigens widerspricht Schleswigs Polizeichef der verbreiteten Meinung, die Unfall-Verursacher seien vor allem ältere Autofahrer. „Das können wir mit unseren Daten absolut nicht belegen.“

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort ist offenbar eine Straftat, die in allen Generationen und allen gesellschaftlichen Schichten vorkommt. „Dabei ist es eigentlich kein großes Problem, sich zu melden“, sagt Frenzer. „Die Haftpflichtversicherung kommt ja für den Schaden auf.“ Doch die Versuchung, einfach wegzufahren, wenn man sich unbeobachtet fühlt, scheint oft zu groß zu sein. Auf Supermarkt-Parkplätzen sind die Zeugen aber oft nicht weit. Immerhin jeden vierten Schuldigen kann die Polizei ausfindig machen. Den Tätern drohen saftige Geldstrafen (oft bis zu zwei Monatseinkommen) und Punkte in Flensburg.

Aber was tun, wenn man beim Ausparken ein anderes Auto erwischt hat und dessen Halter nicht in Sicht ist? Warten, sagt Frenzer. „Vor einem Supermarkt dauert es ja meistens nicht so lange, bis der Kunde vom Einkaufen zurückkommt.“ Nach 20 Minuten könne man dann einen Zettel mit den Kontaktdaten an die Windschutzscheibe klemmen. „Und rufen Sie die Polizei an“, empfiehlt Frenzer. Die Beamten kommen dann zwar nicht unbedingt sofort raus zur Unfallstelle, aber sie nehmen den Fall telefonisch auf – damit ist der Verursacher auf der sicheren Seite.

Auch in dieser Woche sucht die Polizei wieder nach Zeugen für eine Unfallflucht auf einem Supermarkt-Parkplatz: Diesmal ereignete sie sich am Dienstag zwischen 12.30 und 20.15 Uhr bei Rewe in der Hans-Jürgen-Klinker-Straße. Dort wurde ein dunkler Mercedes angefahren.  Hinweise nimmt das Polizeirevier Schleswig unter Tel. 04621- 840 entgegen.

 

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erstellt am 11.Aug.2016 | 07:51 Uhr

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