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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

Gewerkschafter-Treffen in Schleswig : Gregor Gysi nimmt Leiharbeit aufs Korn

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte auf ihrer Jahresversammlung im Slesvighus einen prominenten Gast.

Zwei Stunden später als geplant traf Gregor Gysi am Sonnabend in Schleswig ein. Die Bahn, mit der der Linken-Politiker aus Basel kam, hatte Verspätung. Doch dem früheren Parteivorsitzenden war kein bisschen Erschöpfung anzumerken, als er der Mitgliederversammlung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Slesvighus mit seinem rhetorischen Talent einen unterhaltsamen Abschluss bescherte.

Vor rund 100 Gewerkschaftern aus dem gesamten NGG-Bezirk, der von Kiel bis Sylt reicht, legte Gysi selbstironisch und gut gelaunt seine politischen Ansichten dar.

Zum Thema Leiharbeit, auch in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ein großes Thema – sagte er: „Es soll sich bei Leiharbeitern um Ausnahmen handeln. Dies ist tatsächlich jedoch nicht der Fall.“ Dies führe zu sozialen Konflikten zwischen den Mitarbeitern, sei es, weil der Festangestellte um seinen Job fürchte oder weil die Billigkraft frustriert darüber sei, dass der Kollege für die gleiche Arbeit sehr viel mehr Lohn erhalte. „Leiharbeiter müssten zehn Prozent mehr kosten als Festangestellte, erst dann wird nur in wirklichen Ausnahmen zu diesem Beschäftigungsmodell gegriffen“, forderte Gysi.

Mit seinen Gastgebern war der Berliner Politiker sich da einig. Nach der jüngsten Gesetzesänderung würden zukünftig Leiharbeiter zwar ab dem neunten Beschäftigungsmonat wie Festangestellte bezahlt. Jedoch befürchtet man bei der NGG, dass die Betriebe nun dazu übergehen, Mitarbeiter nicht mehr als Leiharbeiter zu beschäftigen, sondern mit Werkverträgen auszustatten. So würden die Unternehmen nicht nur Kosten sparen, sondern auch die Beteiligungsrechte des Betriebsrates zu umgehen.

„Es ist für uns interessant zu hören, wie das politische Berlin über die aktuellen Änderungen insbesondere im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz denkt“, begründete NGG-Regionalgeschäftsführer Finn Petersen die Einladung. an Gysi.

Dabei hatten Petersen und sein Kollege Steffen Lübbert den Anwesenden auch Positives zu berichten – nicht nur von steigenden Mitgliederzahlen, sondern auch davon, dass die Gewerkschaft in den vergangenen Monaten sehr erfolgreich ihren Mitgliedern dazu verholfen habe, die aktuelle Rechtsprechung zum Thema „Umkleidezeiten sind Arbeitszeiten“ in ihren Betrieben durchzusetzen. Gerade in der Lebensmittelbranche sei dies ein nicht unerheblicher Faktor, da man sich häufig umziehen müsse.

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