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Schleswiger Nachrichten

07. Dezember 2016 | 09:41 Uhr

Willkommensempfang für Flüchtlinge : Gottorf: Selfie mit dem Ministerpräsidenten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Rund 60 Flüchtlinge waren am Mittwoch zum Willkommensempfang der Landesregierung auf Schloss Gottorf eingeladen.

Auch dies ist wohl ein typisches Stück Deutschland: Zwei Stunden lang sitzt man still und hört sich Festreden an, die immer wieder kurz von musikalischen Einlagen unterbrochen werden. Danach wird zur Belohnung das kalte Buffet eröffnet. Rund 60 Flüchtlinge machten gestern diese Erfahrung. Viele von ihnen stammten aus Syrien, andere aus Afghanistan, Irak, Iran, Eritrea, Tunesien und dem Jemen.

Die Landesregierung hatte sie eingeladen zum Willkommens-Empfang mit Torsten Albig. Der Ministerpräsident war mit seinem halben Kabinett angereist, und so hatten die Gäste, nachdem der offizielle Part geschafft war, die Gelegenheit, an ihren Tischen mit Politikern wie Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) oder Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) zu plaudern. Mit vielen kleinen Tischen zwischen den modernen Kunstwerken im Gottorfer Kreuzstall hatten die Mitarbeiter der Landesmuseen für die passende Restaurant-Atmosphäre gesorgt.

Gesprächsthemen gab es genug. Dafür sorgten auch die zahlreichen ehrenamtlichen Flüchtlingslotsen, die ebenfalls eingeladen waren. Da ging es um den Mangel an Deutschkursen ebenso wie um das gestrige Urteil des Schleswiger Oberverwaltungsgerichts zum Schutzstatus von syrischen Asylbewerbern. Es war bereits der vierte Empfang dieser Art. Nach zwei Veranstaltungen in Kiel und einer in Ellerhoop (Kreis Pinneberg) hatte die Landesregierung nun gezielt Neubürger aus dem Norden Schleswig-Holsteins eingeladen – aus einem Einzugsbereich von Nordfriesland bis vor die Tore Kiels.

Ausgewählt wurden die Gäste von ihren Wohngemeinden und anderen öffentlichen Institutionen. Die beiden Schwestern Jin und Heen Mohammad zum Beispiel verdankten ihre Teilnahme Oksana Wittmann vom Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werks. Die Schwestern – 20 und 21 Jahre alt – kamen vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland.

„Schloss Gottorf mal von innen zu sehen, fand ich auf jeden Fall interessant“, meinte Jin Mohammad, bevor sie zusammen mit ihrer Schwester ein Selfie mit Torsten Albig machte. Während der Rede des Ministerpräsidenten hatten die beiden jungen Frauen am Tisch mit der Grünen-Landtagsfraktionsvorsitzenden Eka von Kalben gesessen. Begonnen hatte der Empfang in der Schlosskapelle, wo Domorganist Rainer Selle ein kleines Konzert gab und Museumschef Claus von Carnap-Bornheim einen Abriss der Geschichte Gottorfs gab – in dem angesichts der internationalen Zuhörerschaft die Persienreise einer Gottorfer Gesandtschaft im Jahr 1634 nicht fehlen durfte.

Albig erklärte in seiner Rede dann, welche Ziele seine Regierung mit den Willkommensempfängen verfolgt. „Neu-Schleswig-Holsteiner sollen das Land und seine Werte kennen lernen.“ Dabei würdigte er auch den Einsatz der zahlreichen ehrenamtlichen Betreuer – ganz bewusst als Kontrapunkt zu vielen negativen Nachrichten, die sich besonders in sozialen Netzwerken verbreiten. „Die Helfer kommen auf Facebook viel zu wenig vor. Auch deshalb machen wir Veranstaltungen wie diese.“ Wie harmonisches Zusammenleben von Einheimischen und Zuwanderern funktioniert, davon erzählten in einer kleinen Talkrunde die Betreuer des interkulturellen Zeltlagers, das der Kreisjugendring Schleswig-Flensburg seit neun Jahren regelmäßig in Neukirchen veranstaltet. „Eigentlich gibt es im Ablauf keinen Unterschied zu unseren anderen Zeltlagern“, meinte der stellvertretende Kreisjugendrings-Vorsitzende Philipp Hoffmann.

 

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erstellt am 24.Nov.2016 | 07:12 Uhr

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