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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 05:46 Uhr

Schleswig : Gewalttäter flüchtete bei Bäckerei-Besuch – Wie sicher ist die Forensik?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Polizei sucht weiter nach Gewalttäter Idris Musa – und die Schleswiger Bevölkerung ist beunruhigt.

Schleswig | Die Nachricht sorgte für reichlich Aufsehen in Schleswig: Am Freitagmorgen ist aus der Forensischen Psychiatrie ein Häftling geflohen, der dort unter anderem wegen mehrerer Raub- und Gewaltdelikte einsaß. Nachdem die Schleswiger Nachrichten den Suchaufruf der Polizei per Facebook veröffentlichte, verbreitete sich die Meldung wie ein Lauffeuer und wurde von Nutzer zu Nutzer weitergereicht. Am Ende hatten fast 90.000 Menschen allein über diesen Weg von der gelungenen Flucht des Gewalttäters gehört – und viele davon äußerten im Internet ihre Sorgen darüber.

Noch immer ist Idris Musa (Foto), so der Name des Flüchtigen, auf freiem Fuß. Das bestätigte Franziska Jurga, Sprecherin der Polizeidirektion Flensburg, am Montag auf Nachfrage. „Es gab nach der öffentlichen Bekanntmachung des Falles zwar einige Hinweise, aber bisher haben sie nicht dazu geführt, dass wir den Mann festnehmen konnten. Wir bitten die Bevölkerung deshalb, weiterhin wachsam zu bleiben.“

<p>Fahndungsfoto des Flüchtigen.</p>

Fahndungsfoto des Flüchtigen.

Foto: Polizei

Neben der Schleswiger und der Flensburger Polizei sind seit dem Wochenende insbesondere auch die Beamten in Hamburg und Lübeck in die Fahndung eingebunden. Denn der 29-jährige Musa, der aus Algerien stammt, soll in den beiden Hansestädten seine persönlichen Kontakte haben.

Wie es überhaupt zu der Flucht kommen konnte, dazu machte das für die Forensik zuständige Sozialministerium in Kiel am Montag auf Anfrage der Schleswiger Nachrichten nähere Angaben. Demnach war Musa am Freitag unter Beaufsichtigung von zwei Pflegekräften ohne Fesselung in Schleswig unterwegs. Als die drei eine Bäckerei betraten, nutzte er eine unübersichtliche Situation zur Flucht. Der Freigang sei Teil der sogenannten Vollzugslockerungen gewesen, die den Patienten der Forensik je nach Erfolg der Behandlung zustünden (§17 des Landes-Maßregelvollzugsgesetz). In Musas Fall, der seine Straftaten offenbar unter starkem Drogeneinfluss beging, seien die entsprechenden Voraussetzungen offenbar erfüllt gewesen. Auch wenn Ministeriums-Sprecher Frank Strutz-Pindor einschränkte: „Die generelle Möglichkeit einer Lockerung (...) setzt die ärztliche Einschätzung voraus, dass der Patient die Lockerung nicht zu einer Entweichung oder der Begehung von Straftaten missbrauchen werde.“

Musa ist derweil nicht der einzige Patient, der die Schleswiger Forensik in den vergangenen Jahren ungeplant verlassen hat. 2015 gab es laut Ministerium zwei Entweichungen, genau wie im laufenden Jahr. 2014 gab es hingegen keine einzige, 2012 waren es vier. Als „Entweichung“ werde allerdings bereits eine verspätete Rückkehr von Lockerungen gewertet, erklärte Strutz-Pindor.

Im vergangenen Jahr war die Forensische Psychiatrie am Neufelder Weg mit durchschnittlich 84 Patienten (sowohl Männer als auch Frauen) belegt, die allesamt schwere Straftaten begangen haben. Aktuell befinden sich darunter keine Insassen, die wegen eines Morddeliktes verurteilt wurden, jedoch zwei, die wegen Totschlages hinter Gittern sitzen.

Dass Teile der Schleswiger Bevölkerung mit Blick auf die Flucht von Idris Musa nun mit gemischten Gefühlen auf die Forensik blicken, weiß auch Bürgermeister Arthur Christiansen. „Fälle wie dieser lassen sich wahrscheinlich in keiner Stadt, in der es ähnliche Einrichtungen gibt, komplett verhindern. Aber ich bin sicher, dass die Polizei ihr Bestes tut, damit der Flüchtige so schnell wie möglich wieder da ist, wo er offenbar hingehört“, sagt er.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 06:30 Uhr

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