zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 05:29 Uhr

A7, A21, A20 : „Geisterbaustellen“ in SH: Hier müssen Autofahrer lange warten

vom
Aus der Onlineredaktion

Überall im Land wundern sich Autofahrer über Baustellen, an denen sich monatelang nichts tut. Die Gründe dafür sind verschieden. Eine Übersicht.

Kiel | Absperrungen, Bauschutt – aber kein Arbeiter in Sicht: So präsentiert sich die Baustelle am Parkplatz Lottorf an der A7 den Autofahrern seit Wochen. Es geht nicht voran, die Geschwindigkeit ist auf Tempo 100 begrenzt, dabei sieht eigentlich alles fertig aus. Hintergrund der Verzögerung ist ein Streit zwischen dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) und der Baufirma Schleswiger Asphaltsplitt-Werke (SAW). „Die Verhandlungen laufen“, sagt Heiko Tessenow, Bereichsleiter für Straßenbau, auf Anfrage von shz.de. Wann die Bauarbeiten weiter gehen, kann er jedoch noch nicht sagen.

Doch wo überall in Schleswig-Holstein gibt es „Geisterbaustellen“? Eine Übersicht.

Lottorf: Parkplatz an der A7

Kein Fortschritt: Nachdem der Rastplatz erweitert wurde, ruhen die Restarbeiten.
Kein Fortschritt: Nachdem der Rastplatz erweitert wurde, ruhen die Restarbeiten. Foto: Tilmann Post
 

An der A7 wird der Rastplatz Lottorf seit Oktober 2015 erweitert - eigentlich hätten Auto- und LKW-Fahrer den Parkplatz zwischen Owschlag und Schleswig-Jagel bereits seit Anfang Mai nutzen sollen. Hintergrund der Verzögerung ist ein Streit zwischen dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV)  und der Baufirma Schleswiger Asphaltsplitt-Werke (SAW). Laut Karl-Heinz Roos, dem Leiter der Flensburger Niederlassung LBV, sind Baumängel festgestellt worden, die die Firma beheben muss.

Doch wie lange müssen die Autofahrer noch warten? Der Bereichsleiter für Straßenbau, Heiko Tessenow, konnte noch keinen genauen Zeitplan nennen. Nur so viel: „In diesem Jahr wird die Baustelle definitiv noch fertig.“ Die Baufirma wollte sich gegenüber shz.de nicht dazu äußern.

Husum: Verbindungsstraße zwischen B5 und Außenhafen

Wann der wellenförmige Asphalt geglättet wird, ist unklar.
Wann der wellenförmige Asphalt geglättet wird, ist unklar. Foto: Bandixen
 

Die Rödemisser Umgehungsstraße in Husum wurde im April 2015 wegen baulicher Mängel voll gesperrt – auf die Reparatur warten die Husumer allerdings bis heute. Noch immer gleicht die Straße, die die B5 mit dem Husumer Außenhafen verbindet, einer Buckelpiste. Sie begann bereits ein knappes Jahr nach der Eröffnung, wellenförmig abzusacken.

Noch immer ist das Ende der Sperrung nicht absehbar: Die am Bau der Straße beteiligten Unternehmen haben dem Kreis zwar ein Sanierungskonzept vorgelegt – aber „aufgrund der hohen Schadenssumme ziehen sich die Verhandlungen leider hin“, sagt Hans-Martin Slopianka, Sprecher des Kreises Nordfriesland. Gelinge bald eine Einigung, könne die Straße voraussichtlich 2017 saniert werden. Gelinge sie nicht, müsse der Kreis eine Klageerhebung prüfen.

Rendsburg: Kanaltunnel

Die Fahrt durch den Tunnel zeigte: Es sieht schon alles einigermaßen fertig aus.
Die Fahrt durch den Tunnel zeigte: Es sieht schon alles einigermaßen fertig aus. Foto: Screenshot
 

Die Bauarbeiten dauern immer länger, die Kosten schießen in die Höhe, die Nerven liegen blank: Die Sanierung des Kanaltunnels ist eine unendliche Geschichte, die viele Menschen im Raum Rendsburg wütend macht. Nicht nur wird die Sanierung beider Röhren erst 2019 statt 2013 fertig sein – die Rendsburger ärgert auch, dass die Oströhre noch immer nicht freigegeben ist. Denn ein Video, das bei einer Fahrt durch den abgesperrten Tunnel entstand, zeigte bereits Mitte Juli: Von Bauarbeiten ist keine Spur mehr.

Laut dem Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau hat das gute Gründe: „Viele Abläufe, die für die Freigabe erforderlich sind, spielen sich hinter den Kulissen ab“, schreibt das Amt auf seiner Website. Derzeit laufen in der Oströhre noch Prüfungen des TÜV, und die seien für Verkehrsteilnehmer eben nicht sichtbar. Aktueller Stand: Noch im Sommer sollen die Arbeiten beendet sein.

Mönkhagen: A20 zwischen Geschendorf und Mönkhagen

Weiß-rote Baken stehen neben der rechten Spur, damit die Autos nicht auf den Standstreifen kommen.
Weiß-rote Baken stehen neben der rechten Spur, damit die Autos nicht auf den Standstreifen kommen. Foto: sh:z
 

Seit zwei Jahren dürfen die Autofahrer auf der A20 zwischen Geschendorf und Mönkhagen nur mit Tempo 80 fahren.  Baken neben der rechten Spur verhindern, dass Autos auf den Standstreifen kommen. Die Sperrung in diesem Fall sei aus Sicherheitsgründen vorgenommen worden, heißt es vom LBV in Lübeck.

Das Problem sei „schwieriger Baugrund“, durch den sich der Straßenrand abgesenkt hat. So erklärt es Jens Sommerburg, Niederlassungsleiter des LBV. Doch der Schaden, der bereits entstanden ist, könne nicht einfach behoben werden. „Es waren umfangreiche Untersuchungen erforderlich“, sagt Sommerburg. Die Tests haben Zeit gekostet, seien nun aber abgeschlossen. Die Sanierung des 80 Meter langen Teilstücks solle noch in diesem Jahr beginnen.

Wankendorf: A21 zwischen Wankendorf und Wahlstedt

Auf der A21 zwischen Wankendorf und Wahlstedt wird über 13 Kilometer die Straße erneuert. Die Bauarbeiten laufen seit Mitte Mai – losgelegt werden sollte aber eigentlich schon Anfang März, wie die Sprecherin des Verkehrsministeriums, Birte Pusback, auf Anfrage des sh:z bestätigt. Grund für die Verzögerung war eine Klage im Vergabeverfahren.

Die Baustelle sei erst im Mai eingerichtet worden, um Verkehrsbehinderungen zu vermeiden. Und durch die kurzfristige Verzögerung seien die Arbeiten in den ersten Wochen nicht „in der ursprünglich vorgesehenen Intensität“ vorgenommen worden.

Hier sehen Sie die Baustellen auf der Karte: rot bedeutet, dass sich die Baustellen aus Verwaltungsgründen verzögern, grün, dass die Straßen aus Sicherheitsgründen gesperrt wurden:

 

Nervig und gefährlich: Was Politiker, das Verkehrsministerium und der ADAC dazu sagen

Gerade in der Ferienzeit gibt es wohl wenig, was die Autofahrer mehr nervt als Baustellen, an denen es nicht weiter geht. Die Piraten forderten daher unlängst die Landesregierung auf, Autofahrer zügiger über Bauverzögerungen zu informieren. „Wenn man einen Autobahnabschnitt zur Baustelle erklärt, dann dort über Wochen aber nichts passiert, ist das für Autofahrer schwer nachvollziehbar“, sagt der Landtagsabgeordnete der Piraten, Uli König. „Mega frustrierend“ sei das, und sogar gefährlich, weil Autofahrer die Schilder mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung irgendwann nicht mehr ernst nehmen würden.

Hans-Jörn Arp, verkehrspolitischer Sprecher der CDU, pflichtet ihm bei – und geht sogar noch weiter: Seiner Meinung nach könnte das Image Schleswig-Holsteins darunter leiden, wenn Touristen immer wieder diese Erfahrung machen. „Es ist so schon schwer genug, durch Schleswig-Holstein zu kommen“, meint er. König wie Arp fordern daher schnellere Informationen für Autofahrer und mehr Transparenz von der Landesregierung. 

Doch die wehrt sich gegen den Vorwurf, sie würde mit Infos hinterm Berg halten. „Manchmal lassen sich Verzögerungen nicht absehen“, sagt Birte Pusback, Sprecherin des Verkehrsministeriums. „Und die Gründe sind auch sehr verschieden.“ Ob Insolvenz eines Unternehmens, rechtliche Verfahren, die abgewartet werden müssen, oder Wetterkapriolen: Das Problem bei zu früher Information sei, dass man sie wieder zurücknehmen müsse, wenn etwas dazwischen kommt. „Dann könnten auch wieder Irritationen entstehen.“ Und das wolle schließlich auch keiner.

Für Ulf Evert vom ADAC Schleswig-Holstein ist die Diskussion ebenfalls nur schwer nachvollziehbar. „Ich habe nicht den Eindruck, dass Schleswig-Holstein von Geisterbaustellen übersät ist“, sagt er. Und wenn Tempo 80 ausgeschildert sei, dann gelte eben auch Tempo 80. „Nur wenn wirklich längerfristig nichts passiert und es aus verkehrssicherheitlichen Gründen möglich ist, sollte man über eine Aufhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung nachdenken.“

zur Startseite

von
erstellt am 19.Aug.2016 | 06:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen