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Schleswiger Nachrichten

29. September 2016 | 20:39 Uhr

Neue Gestaltungssatzung für Altstadt und Holm: : Gegen blanke Ziegel und braune Fenster

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jetzt können sich die Bürger zum Entwurf äußern. Eine weitere öffentliche Veranstaltung findet am 27. September statt.

Schwarz-glänzende Ziegel auf dem Dach? Das Stadtbauamt im Gallberg 4 geht hier mit schlechtem Beispiel voran. „Ja, das wissen wir“, sagte Bürgermeister Arthur Christiansen, als er gestern im Rathaus den Entwurf der neuen Gestaltungssatzung für Altstadt und Holm vorstellte. Glasierte Dachziegel zählen in diesem Bereich bald zu den Sünden der Vergangenheit. Zwar gibt es in der Altstadt etliche Gebäude, die bei Renovierungen oder Umbauten ihren ursprünglichen Charakter „verraten“ haben. Wenn aber erst die Gestaltungssatzung in Kraft getreten ist, soll eben dies verhindert werden. „Wir möchten zusammen mit den Bewohnern erreichen, den Charme der Schleswiger Altstadt für die Zukunft zu bewahren“, sagte Bauamtsleiterin Britta Gutknecht.

So haben Bürger und Hauseigentümer am Dienstag, 27. September, das Wort in Sachen Gestaltungssatzung. Ab 17 Uhr können sie im Ständesaal des Rathauses mit den Verantwortlichen darüber diskutieren und Anregungen geben. Anschließend wird der Entwurf vier Wochen lang öffentlich ausgelegt, so dass Bürger etwaige Einwände bis Ende Oktober bei der Verwaltung einreichen können. Nach dieser Frist soll die Endfassung der Satzung erarbeitet werden, die Anfang Dezember erneut öffentlich präsentiert wird. Die Ratsversammlung wird die Gestaltungssatzung für Altstadt und Holm dann voraussichtlich im Februar beschließen.

Wenn die Satzungsregeln gelten, dürfen glasierte Dachziegel wie auf dem Bauamt nicht mehr verwendet werden. Auch sind in den Gestaltungsvorschriften Dachneigungen, Ziegelart, Fassadenfarben oder Fenster- und Türformen genau beschrieben und festgelegt.

Alle 350 Hauseigentümer im Geltungsbereich Altstadt/Holm bekommen die Gestaltungssatzung zugestellt. „Natürlich gilt für das, was jetzt ist, der Bestandsschutz“, sagte Christiansen. Das heißt, auch was bisher schief gelaufen ist und den gestalterischen Ansprüchen der Planungsexperten nicht genügt, wird so bleiben. Doch bei jeder künftigen Renovierung sowie bei jedem Umbau muss der Leitfaden zur Hand genommen und berücksichtigt werden.

Da ist dann Gelb nicht gleich gelb. Ein krasses Gelb etwa wird laut Gestaltungssatzung für einen Fassaden-Anstrich in der Altstadt oder auf dem Holm nicht mehr gestattet sein – stattdessen sind es sanfte Gelbtöne, die genommen werden dürfen. Für Putzfassaden in der Altstadt steht eine Reihe von Farbtönen zur Auswahl, überdies sind auch geschlämmte Fassaden erlaubt.

Handelt es sich um ein Sichtmauerwerk, darf es rot, braun oder gelb sein. Unzulässig jedoch werden grob gemusterter oder strukturierter Putz, Beton oder gar Eternit-Platten sein, betonte Stadtplaner Robert Schulze. Auch glänzende, spiegelnde, reflektierende Materialien sowie Außenverkleidungen aus Kunststoff, Metall oder Kacheln würden der Gestaltungssatzung zuwiderlaufen. Natürlich stehen auch Fenster künftig im Blickpunkt. Ausschließlich Holzfenster sollen es künftig sein. Vorherrschende Farbe: weiß oder zweifarbig mit weiß. Nicht mehr tolerierbar wird dunkelbraun als Fensterfarbe sein.

Die Vorbereitungen für die Gestaltungssatzung waren enorm. Gemeinsam mit dem Hamburger Stadtplanungsbüro Evers & Küssner wurde jedes Haus im Altstadt-Geltungsbereich, der Gallberg und Plessenstraße mit einschließt, nach seinen typischen Merkmalen bis ins Detail eingeordnet – es hat nun seinen eigenen „Steckbrief“.

Wenn Eigentümer eigenwillige Baupläne verfolgen, die nicht ins Stadtbild passen (wie beim Projekt Lange Straße 36) – diesen Ärger wird es dank der Gestaltungssatzung kaum mehr geben, meint Christiansen: „Denn wir haben dann einen Leitfaden, nach dem sich sowohl Eigentümer wie Behörden zu richten haben.“

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erstellt am 20.Sep.2016 | 07:33 Uhr

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