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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 22:59 Uhr

Flüchtlingsdorf wird abgebaut

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis zu 1500 Menschen hätten in der Erstaufnahmeeinrichtung in Husum Platz gefunden. Doch so weit kam es nie. Das Containerdorf wird abgebaut, ohne je genutzt worden zu sein.

Da verschwinden sie wieder: In den vergangenen Tagen wurde augenscheinlich damit begonnen, die nie genutzte Husumer Erstaufnahmeeinrichtung auf der Multifunktionsfläche am Engelsburger Weg in Husum abzubauen. Das Innenministerium bestätigte es gestern nicht und verwies auf eine heutige Pressekonferenz von Minister Stefan Studt zu diesem Thema. 1500 Menschen hätten auf dem Gelände eigentlich untergebracht werden können.

Nicht nur in Husum, auch in Eggebek wird die Erstaufnahmeeinrichtung für Geflohene wieder geschlossen – wie bereits berichtet. Nicht einmal fünf Monate sind vergangen, seit die ersten Flüchtlinge dort angekommen sind. 440 Container bilden die Unterkunft auf dem ehemaligen Flugplatzgelände, die für insgesamt 500 Flüchtlinge gedacht war und auf 1000 Plätze erweiterbar wäre. Zurzeit sind aber auch dort nur noch 46 Geflohene vor allem aus Syrien untergebracht.

Zurzeit gibt es im Land elf Einrichtungen mit einer Kapazität von über 9000 Plätzen, die zu unter zehn Prozent belebt sind. Zusätzlich stehen in Itzehoe, Husum, Leck und Kellinghusen vier Einrichtungen leer oder sind im Aufbau begriffen – Reserven, die im vergangenen Jahr geschaffen wurden, als 55  000 Flüchtlinge aufgenommen werden mussten. Jetzt soll die Gesamtkapazität offenbar spürbar reduziert werden.

Der Abbau der Husumer Container geschieht fast ein Jahr, bevor aufgrund eines Vertrages des Landes mit der Husum Messe & Congress GmbH & Co. KG, der Pächterin des stadteigenen Multifunktionsgeländes, das Gelände hätte geräumt sein müssen, damit die Vorbereitungen für die „Husum Wind“ nicht behindert werden. Genutzt worden ist die Adresse für Flüchtlinge nie. Sie war als Puffer gedacht gewesen, falls die Kapazitäten der Erstaufnahme in der ehemaligen Stapelholm-Kaserne in Seeth einmal ausgeschöpft gewesen wären. Dort können bis zu 1400 Flüchtlinge untergebracht werden: in festen Unterkünften, aber auch in Containern.

Zurzeit leben in Seeth nur 56 Flüchtlinge – betreut von 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des nordfriesischen Roten Kreuzes. Etwa 16 Kräfte von ihnen sollten eigentlich nach einer Hospitation in Seeth nach Husum wechseln. Geschäftsführer Torben Walluks hatte sie vorsorglich eingestellt, um bereits vor der Ausschreibung für die Betreuung der Husumer Einrichtung gut aufgestellt zu sein. Denn in Seeth musste die Organisation im Sommer 2015 in 48 Stunden startklar sein. Doch auch die Ausschreibung ist nie auf den Weg gebracht worden. Bis zum 31. Dezember 2017 läuft der Vertrag mit dem Land für Seeth und dieser Stichtag gilt auch für die Verträge mit dem Personal.

Heute Nachmittag soll Torsten Geerdts, Sprecher des Vorstands des DRK-Landesverbandes, in Kiel über das weitere Vorgehen des Landes informiert werden. Denn die elf Flüchtlingseinrichtungen in Schleswig-Holstein „haben wir unter unseren Fittichen – und die sind jeweils nur zu 13 Prozent ausgelastet“, erklärte auf Anfrage Torben Walluks. Er vermutet, dass deshalb Husum nicht mehr benötigt werde und die hohen Mietkosten für die Container eingespart werden sollen.

Im Husumer Rathaus war man von dem Rückbau der Erstaufnahme überrascht. „Dazu können wir nichts sagen, weil wir selbst keine Informationen haben“, ließ Bürgermeister Uwe Schmitz nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt ausrichten.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 11:54 Uhr

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