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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 15:38 Uhr

Norderbrarup : Feuerwehrmann mit Protesen: „Ich möchte keine Vorzugsbehandlung“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Lars Vogt (35) trägt zwei Beinprothesen – und ist doch aktives Mitglied der Feuerwehr.

Beim letzten Truppführerlehrgang der Feuerwehren im Amt Süderbrarup fiel Lars Vogt auf – als einziger Absolvent, der auf Krücken teilnahm. Keine Folgen einer Sportverletzung, kein verstauchter Fuß war es, der ihn kurzzeitig handicapte. Nein, bei Lars Vogt sind die Krücken keine vorübergehenden Gehhilfen. Er hat sie stets dabei – im Alltag wie im Einsatz. Denn der 35-jährige Diplom-Medieninformatiker lebt seit seiner Geburt mit einer Behinderung. Er trägt zwei Beinprothesen und ist daher auf die Hilfsmittel angewiesen. Doch das hält ihn nicht davon ab, sich voll für die Gemeinschaft in seinem Dorf einzubringen. Als aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Norderbrarup ist er bei allen Übungen und Einsätzen dabei.

Lars Vogt ist ein selbstbewusster Mann, der nie das Gefühl hatte, im Leben zu kurz gekommen zu sein oder sich außergewöhnlich durchsetzen zu müssen. „Wer nicht mit mir umgehen kann, der kann gerne einen Umweg machen“, meint er. In Bezug auf seine Behinderung hat er bisher wenig Negatives erlebt. Selbst aus seiner Schulzeit kann er sich nicht daran erinnern, jemals gemobbt worden zu sein.

Heute ist er Betreiber des Werbeunternehmens „northern concepts“. Er lebt in einer eigenen Wohnung und fährt mit seinem auf Handsteuerung umgebauten VW Touran Kundenbesuchen. Auch sonst legt er sehr großen Wert auf Selbstständigkeit. „Was nicht geht, wird gehend gemacht“, ist seine Devise.

„Ich möchte im Blick auf meine Behinderung keine rücksichtsvolle oder Vorzugsbehandlung, sondern möchte so genommen werden, wie ich bin“, ist sein Standpunkt. Dazu gehöre auch, dass er seinen Anteil an bürgerlichem Engagement übernehme. Und deshalb sei er aktiv in der Feuerwehr. Mit seinem Wehrführer habe er abgestimmt, welche Aufgaben er bei einem Einsatz übernehmen könne und welche nicht, sagt Vogt.

„Bei einem Brand kann ich natürlich nicht in Gebäude vordringen“, fährt er fort. Doch beispielsweise die Überwachung der Atemschutzgeräteträger sei ein fester Teil seiner Aufgaben im Einsatzgeschehen. Die Lehrgänge habe er alle absolviert. Und auch bei anderen Einsätzen könne er Aufgaben übernehmen. „Wenn ich mit der Kelle im Verkehr stehe oder Menschen betreue, sorge ich dafür, dass ein körperlich nicht eingeschränkter Kamerad für andere Aufgaben frei ist“, argumentiert Vogt weiter. Außerdem erhöhe sich durch seinen Arbeitsplatz im Ort die Tagesverfügbarkeit der Feuerwehr.

Kreiswehrführer Mark Rücker sieht dieses Engagement sehr positiv. „Wir nehmen jeden gerne auf, der sich in der Feuerwehr engagieren will“, sagt er. Das gelte auch für Führungsaufgaben. Paradebeispiel dafür sei beispielsweise ein stellvertretender Wehrführer, der einen Arm verloren habe. Aber auch in den neu geschaffenen Verwaltungsabteilungen der Feuerwehren bestehe Bedarf, um den immer üppiger werdenden Papierkram zu bewältigen.

Doch Verwaltung und Papierkram sind keine Perspektive für Vogt. Er will aktiv im Rahmen seiner Möglichkeiten dabei sein. „Bevor ich mich in eine Verwaltungseinheit versetzen lasse, trete ich eher aus der Feuerwehr aus!“

 


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