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Wasserqualität : Faulschlamm-Untersuchung: Sie gehen der Schlei auf den Grund

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf dem Büsumer Forschungsschiff „Südfall“ erforschen Geologen, wie sich die Faulschlammschicht auf die Wasserqualität auswirkt.

Schleswig | Normalerweise arbeitet der Geologe Dr. Klaus Ricklefs mit dem Forschungsschiff „Südfall“ im Wattenmeer. Läuft das Schiff auf Grund, wartet er auf die Flut. Seit Anfang dieser Woche sind Ricklefs und seine Kollegen auf der Schlei unterwegs statt auf der Nordsee. Hier ist alles anders. Am Dienstag steckte ihr Schiff – 1,70 Meter Tiefgang – vor Weseby im Schlick fest. Der Seenotretter „Walter Merz“ aus dem Schleswiger Stadthafen musste kommen und die „Südfall“ freischleppen.

Es war ein direkter Kontakt mit dem Stoff, den die Geologen derzeit mit einem Sonargerät und einem Sediment-Echolot untersuchen – dem berüchtigten schwarzen Faulschlamm auf dem Grund der Schlei. Ihn machen Fachleute mitverantwortlich für die schlechte Wasserqualität. Unter anderem entzieht der Schlamm dem Wasser Sauerstoff. Zudem fördert der Phosphor, das aus dem Faulschlamm zurück ins Wasser gelangt, das Wachstum der Blaualgen, die nicht nur für die geringe Sichttiefe in der Schlei verantwortlich sind, sondern wiederum zur weiteren Faulschlamm-Bildung beitragen.

Der Faulschlamm hat sich in den letzten hundert Jahren gebildet. Erst waren es vor allem die Hausabwässer, die ungeklärt in die Schlei flossen. Heute – da es in der Region leistungsfähige Kläranlagen gibt – sind es vor allem Einleitungen aus der Landwirtschaft, die die Schicht stetig weiter wachsen lassen. Noch immer weiß man sehr wenig über diesen Schlamm, räumt Hans-Christian Reimers aus dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR), das auch für den Gewässerschutz zuständig ist, ein.

Einen Teil der Wissenslücken sollen die Geologen an Bord der „Südfall“ nun im Auftrag des LLUR schließen. Neben Klaus Ricklefs wird es vor allem sein junger Kollege David Höft sein, der die Ergebnisse auswerten wird. Beide sind am Forschungs- und Technologiezentrum Westküste tätig, das zur Universität Kiel gehört.

Gestern machten die Wissenschaftler im Stadthafen fest und gaben einen ersten Einblick in ihre Arbeit. Einer, der dies mit besonders großem Interesse verfolgte, war Karl Walther, der Vorsitzende des Vereins „Schlei-Informations- und Erlebniszentrum“ (SIEZ). Vereinsmitglied Svend Duggen, Geowissenschaftler und Lehrer an der A.P.-Møller-Schule, hatte vor rund anderthalb Jahren Aufsehen mit dem Vorschlag erregt, den Faulschlamm aus der kompletten Schlei abzusaugen, um die Wasserqualität nachhaltig zu verbessern.

 Das Forschungsschiff „Südfall“ aus Büsum – eine umgebaute Mittelmeer-Yacht – ist noch zwei bis drei Wochen auf der Schlei im Einsatz.
Das Forschungsschiff „Südfall“ aus Büsum – eine umgebaute Mittelmeer-Yacht – ist noch zwei bis drei Wochen auf der Schlei im Einsatz. Foto: oje
 

Anfangs wurde diese Idee belächelt. Inzwischen setzt man sich im LLUR ernsthaft damit auseinander – auch wenn Reimers gewichtige Bedenken ins Feld führt. Dabei geht es nicht nur um die Kosten für ein solches Mammut-Vorhaben, das wohl ohnehin nur zu stemmen wäre, wenn sich der Faulschlamm als Brennstoff vermarkten ließe. „Wir müssen sichergehen, dass die entsprechende Technik zur Verfügung steht“, sagte Reimers. Vor allem dürfe es nicht passieren, dass beim Absaugen der Schlamm aufgewirbelt wird und dadurch noch mehr schädliche Stoffe ins Wasser gelangen. Außerdem gelte es, keinen Lebensraum für Pflanzen und Tiere auf dem Schleigrund zu zerstören.

Bislang weiß man noch nicht einmal genau, wie viel Faulschlamm eigentlich in der Schlei liegt. Es gibt auch Zonen, die frei von Schlamm sind. Das wissen zum Beispiel die Holmer Fischer, mit dessen Ältermann Jörn Ross sich Ricklefs gestern austauschte, schon lange. Die ersten Messungen der „Südfall“ im Gebiet von Lindaunis bis zur Großen Breite haben das jetzt bestätigt. Insbesondere dort, wo starke Strömung herrscht, kann sich der Schlick anscheinend nicht ablagern. Anderswo ist die Schicht dafür umso dicker – an manchen Stellen sind es zwei Meter. Vor Fleckeby, berichtete Ricklefs, stiegen aus der Schlammschicht so viele Gase auf, dass die Messgeräte keine zuverlässigen Ergebnisse mehr liefern konnten.

In den nächsten Wochen werden die Geologen mit einem kleinen Bagger an rund 100 Stellen Proben vom Gewässergrund nehmen, um sie genauer zu untersuchen und mit ihren Sonar- und Echolot-Daten abzugleichen. Ein kleineres Forschungsboot, die „Seston“, soll zudem die Uferbereiche unter die Lupe nehmen, in denen das Wasser für die größere „Südfall“ zu flach ist. Die Ergebnisse sollen in diesem Herbst veröffentlicht werden.

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erstellt am 18.Mär.2017 | 08:31 Uhr

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