zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 01:12 Uhr

Schleswig : Faulschlamm-Briketts aus der Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Geowissenschaftler Svend Duggen stößt mit seiner Idee auf immer mehr Interesse / Dünger-Einleitungen bleiben das große Problem

Wie ein glibberiger schwarzer Wackelpudding, der nach faulen Eiern stinkt. So beschreibt Svend Duggen den Faulschlamm mit dem hohen Schwefelwasserstoffgehalt, der in Massen auf dem Meeresboden der Schlei liegt. Die ist insgesamt 53,4 Quadratkilometer groß und bis zu 70 Prozent mit dem Schlamm bedeckt – am stärksten von Schleswig bis Missunde. Der promovierte Fahrdorfer Geowissenschaftler Duggen, der kaum mehr die Schlei anschauen kann, ohne sich Sorgen um das Gewässer zu machen, sieht in dem schwarzen Schlamm denn auch das größte Problem für deren Öko-System: „Der muss weg“, sagt er. Dafür tüftelt er mit Mitstreitern der gemeinsam gegründeten Initiative, dem Schleiinformations- und Erlebniszentrum (SIEZ), an teilweise gewagten Methoden. Mit denen soll das faulige Zeug aus der Schlei geholt und in erneuerbare Energien umgesetzt werden. Als Roh- und Brennstoff.

Zusammen mit Schleswigs Öko-Veteran Fritz Laß sowie den Mitgliedern des Grünen-Vorstands Dorothee Tams und Jonas Kähler hat Svend Duggen am Montagabend die Kieler Fraktionsvorsitzende vom Bündnis  90/Die Grünen, Eka von Kalben, in die Schlei-Problematik eingewiesen. Die Politikerin war zu dem Treffen auf die Freiheit gekommen, um mehr zu erfahren über die Schlei, die zunehmend um genug Sauerstoff ringt. Im Rahmen ihrer Sommertour wolle sie alle Institutionen im Lande besuchen, die sich dem Schutz und der Forschung von Meeren und Gewässern widmen, erklärte sie, bevor Svend Duggen einen Überblick gab über gute und schlechte Zeiten der Schlei.

Ihre besten Zeiten hat die Schlei naturgemäß vor dem Mittelalter gehabt – als es die Zutaten aus Müll und künstlichem Dünger nicht gab. Nach 1930 ging es mit ihr immer weiter bergab. Die zweifellos schlechteste Phase hatte die Schlei dann in den 1970er- bis 80er-Jahren – als die Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft, insbesondere über die Füsinger Au, enorm hoch waren, erklärt Duggen. Die Einleitungen mit dem hohen Phosphor- und noch höheren Stickstoffgehalt ließen die Schlammschicht in der Schlei stetig anwachsen. Und zusätzlich, zu frischen Nährstoff-Einleitungen, setzt sich in jedem Sommer das Phosphor nochmals aus dem Faulschlamm heraus frei und gelangt ins Wasser. Die Folgen: Noch mehr Blaualgen (die wiederum für mehr Faulschlamm sorgen), weniger Sauerstoff, geringer werdende Sichttiefe.

Ein Teufelskreislauf, sagen Svend Duggen und Fritz Laß. Obwohl leichte Besserungen durch moderne Kläranlagen erzielt werden konnten, bleibe der Faulschlamm das Dauerproblem.

Während Laß eher darauf setzt, dass die Dünger-Einträge über das weit verzweigte Füsinger Auen-Netz viel stärker reduziert werden als bisher („dafür müssten kostenlose Beratungen von der Landwirtschaftskammer wie am Langsee auch in der Füsinger Region angeboten werden“), verfolgt Duggen noch andere Strategien.

Die Schlei wieder gesund machen? „Das ist machbar“, sagt er und hält Kontakt zu der süddeutschen Firma „Flottweg“, die gerade in ihrer Forschungsabteilung an einer Methode feilt, mit der der Faulschlamm auf der Schlei „mittels einer Pumpe nach oben befördert und noch auf dem Schiff mit einer Industrie-Zentrifuge aufgearbeitet wird“. Das Ziel dabei: den Faulschlamm als Rohstoff zu gewinnen – „entweder für ein Kraftwerk, das den Rohstoff in Strom und Wärme ummünzt, oder auch als Baustoff für Deiche“. Noch nicht gelöst sei die Frage der Materialtrennung vom Faulschlamm – „denn die mineralischen Anteile wie Sand und Muschelreste sollten bei der Schlammförderung zurück in die Schlei fließen“.

Übrig bleiben soll nach Duggens Vorstellung eine Art „fester Kuchen“, der aussieht wie Brikett und brennt wie Holz. Er ist überzeugt davon, dass diese Faulschlamm-Kuchen in einem Kraftwerk – „möglicherweise auf dem ehemaligen Zuckerfabrik-Gelände“ – als erneuerbare Energien eingesetzt werden könnten.

Gespräche zum Thema Energie aus Faulschlamm möchte er jetzt auch mit den Schleswiger Stadtwerken führen.


> Mehr zum Thema Faulschlamm auf www.schleiinfozentrum.de. Wer im SIEZ mitarbeiten möchte, kann sich an den Vorsitzenden Karl Walther aus Kosel wenden, Telefon 04355 999769.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Jul.2016 | 14:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen