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Schleswiger Nachrichten

29. September 2016 | 22:23 Uhr

Aus dem Schleswiger Amtsgericht : Fatales Wiedersehen mit der Ex-Freundin

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein 37-jähriger Familienvater wird wegen sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Dass er jemals auf der Anklagebank in einem Gerichtssaal würde Platz nehmen müssen, das hätte sich dieser 37-jährige Vater von drei Kindern wohl nicht träumen lassen – bis zu einem verhängnisvollen Abend vor zwei Jahren, der anders endete als geplant. Für das, was er damals tat, verurteilte das Amtsgericht ihn gestern zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten.

Neun Jahre lang war der Mann verheiratet. Er lebte mit seiner Frau und den Kindern in der Nähe von Rendsburg und arbeitete in einem Callcenter. Dort verliebte er sich in eine elf Jahre jüngere Kollegin. Hals er über Kopf verließ er seine Familie und zog zu seiner neuen Freundin nach Schleswig. Aber die Sache ging nur zweieinhalb Monate lang gut.

Nach der Trennung verabredeten die beiden sich zu einer Aussprache. Sie kochten gemeinsam und leerten zwei Flaschen Wein. Ob er denn gehofft habe, die Beziehung an diesem Abend wieder kitten zu können, fragte Richter Martin Krauel. Die Antwort: „Natürlich habe ihr vorher nicht gesagt: ,Ich möchte wieder mit dir zusammenkommen.’ Das ist ja klar, dass man das nicht so direkt sagt.“

Als der Abend zu Ende ging, wurde ihm endgültig klar: Sie wollte nicht. Dann wurde er zudringlich. Er drückte seine Ex-Freundin aufs Sofa, berührte erst ihre Brüste, legte sich auf sie und versuchte dann, ihr noch näher zu kommen. Sie fing an zu weinen. Als sie sich immer heftiger wehrte, ließ er schließlich von ihr ab. „Mir wurde sofort klar, dass ich mich richtig blöde verhalten habe.“

In den zwei Wochen nach der Tat erschien er nicht mehr zur Arbeit. Danach liefen sich die beiden Kollegen wieder täglich über den Weg. „Wir haben weiter miteinander geredet und einmal sogar zusammen Döner gegessen“, sagte der Angeklagte. Für die Frau war die Situation aber ganz offensichtlich sehr belastend. Sie kündigte und suchte sich einen neuen Job. Wenig später gab auch der Mann seine Arbeitsstelle auf. Denn es hatte sich herumgesprochen, was vorgefallen war. „Ich wurde ständig von Kollegen gefragt, ob ich ein Sexualtriebtäter bin.“

Mit seinem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Strafmaß bewegt sich im unteren Bereich dessen, was bei einem minder schweren Fall der sexuellen Nötigung gesetzlich möglich ist. Richter Krauel hielt ihm sein Geständnis zugute. „Es kommt selten vor, dass jemand eine solche Tat uneingeschränkt zugibt, ohne jede Ausflüchte und ohne jedes Ja-Aber.“ Dadurch blieb es dem Opfer erspart, im Zeugenstand Aussagen zur Sache zu machen, und das Gericht stand auch nicht vor dem Problem, angesichts zweier sich widersprechenden Aussagen die Wahrheit herausfinden zu müssen.

Nur zu einer Frage schwieg der Angeklagte: Wie er nach einer ganzen Flasche Wein nach Hause gekommen sei, nachdem sich die Hoffnung zerschlagen hatte, bei der Ex-Freundin übernachten zu können? „Ich“, sagte er, bevor sein Verteidiger ihn unterbrach: „Dazu wollen wir keine Angaben machen.“

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erstellt am 16.Sep.2016 | 15:45 Uhr

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