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Schleswiger Nachrichten

26. Juli 2016 | 14:08 Uhr

Tanzpaläste mit Problemen : „Fantasy“ und „Vineta“: Ausverkauf der Diskotheken

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das „Fantasy“ in Tarp soll veräußert werden, aber auch ein Abriss ist nicht ausgeschlossen. Das „Vineta“ in Busdorf wird für 500.000 Euro als „Disco mit Autobahnanschluss“ angeboten. Ist die Zeit der Diskotheken vorbei?

Theoretisch ist das „Fantasy“ in Tarp immer noch eine Großraum-Diskothek. Die Praxis aber sieht anders aus. „Wir haben in den Brandschutz investiert und dürfen hier mit fast 1500 Leuten feiern“, sagt Eigentümer Sebastian Tüxen. „Aber die Zeit der Discos ist vorbei. Ich kenne nur ganz wenige Ausnahmen, die finanziell zurechtkommen.“

Er selbst hat das „Fantasy“ 2014 gekauft, als der Laden vom Kreis Schleswig-Flensburg wegen Mängeln beim Brandschutz geschlossen wurde. Sebastian Tüxen erklärt, dass er nie vorhatte, den regelmäßigen Betrieb wieder aufzunehmen. Es sei es vielmehr darum gegangen, genügend große Räumlichkeiten zu bekommen, um seinem eigentlichen Geschäft nachzugehen – dem Bühnenbau.

Die Nord-Festival GmbH stellt sich auf seiner Internetseite als „Full-Service-Dienstleister“ für Events, Bühnenbau und Vermietung vor. „Wenn jemand das „Fantasy“ für eine Veranstaltung anmieten möchte, sind wir in jeder Beziehung behilflich“, sagt Sebastian Tüxen. Zwar gab es neben einem Markt für gebrauchte Kinderkleidung im vergangenen Jahr auch Musikveranstaltungen, doch das waren Ausnahmen.

Für die Diskothek, die Mitte der 1990er Jahre als eine der Besten in ganz Deutschland ausgezeichnet wurde, ist die Uhr offensichtlich abgelaufen. Der Eigentümer jedenfalls hängt nicht an der Immobilie. „Discos bringen nichts ein, und unser Geschäft orientiert sich mehr und mehr in Richtung Hamburg“, sagt Tüxen, „deshalb steht das Haus auch zum Verkauf.“ Da das Gebäude im Gewerbegebiet steht, könnte er sich durchaus auch vorstellen, das „Fantasy“ abzureißen, das Grundstück zu teilen und an Betriebe zu verkaufen.

Die Vorbereitungen laufen offensichtlich auf Hochtouren. Anfang des Monats bot Tüxen massenhaft Ton- und Lichttechnik, Möbel, Eiswürfelmaschinen und Zigaretten- und Kondomautomaten und zwölf Fluchtwegtüren zum Verkauf an – dass hier noch einmal gefeiert werden kann, scheint ausgeschlossen zu sein.

Das „Fantasy“ entstand 1982 im Tarper Gewerbegebiet und entwickelte sich zu einem der beliebtesten Anziehungspunkte für feierwillige Jugendliche und junge Erwachsene. Die Geschichte der Großraum-Disco war aber auch von Eigentümer-Wechseln, Schließungen, Neueröffnungen und Ärgernissen geprägt, die Einrichtungen dieser Art scheinbar unvermeidlich sind: Probleme mit Türstehern, Minderjährigen und Nachbarn, die sich durch Lärm gestört fühlten.

Der Anfang vom Ende für das „Fantasy“ waren schließlich die von den Behörden geforderten Auflagen zum Brandschutz und das Ausbleiben der Gäste.

Über mangelnden Besuch kann sich Helmut Kruse im Busdorfer „Vineta“ nach eigenen Angaben nicht beschweren. Dennoch wird sein Betrieb im Internet auf einer Immobilien-Plattform als „überregional bekannte Großraumdiskothek mit Autobahnanschluss“ für 500. 000 Euro zum Kauf angeboten: Gastraumfläche 800 Quadratmeter, voll eingerichtet, Besichtigungen auch am Wochenende möglich. „Wenn jemand kaufen möchte, verkaufen wir auch“, sagte Helmut Kruse gestern auf Nachfrage, „aber eigentlich ist das Angebot schon hinfällig, wir haben das nur reingestellt, weil wir andere Sachen verkaufen wollten. Die Disco müssen wir nicht verkaufen. Aber wenn jemand ein gutes Angebot macht ...“ Kruse wies darauf hin, dass der Betrieb im „Vineta“ wie geplant weiterläuft: Heute ist 1-Euro-Party, morgen wird Ü-30 gefeiert.

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erstellt am 12.Feb.2016 | 07:22 Uhr

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