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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 06:05 Uhr

Schleswig : „Event-Bahnhof“ nimmt Gestalt an: Das ist der ehrgeizige Plan

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im nächsten Jahr sollen im Schleswiger Bahnhof Gastronomie, Kleinkunstbühne und verschiedene Bars entstehen.

Wenn all das Wirklichkeit wird, was sich dieser Mann vorstellt, dann könnte sich der Schleswiger Bahnhof schon bald von einer grauen Maus in ein echtes Schmuckstück verwandeln. Und die Chancen darauf stehen nicht schlecht. Denn auch wenn es äußerlich kaum danach aussieht: Der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes läuft im Innern auf Hochtouren. Im Herbst 2017 soll hier der „Event-Bahnhof Schleswig“ seine Türen öffnen.

Der Schleswiger Bahnhof ist in die Jahre gekommen. Seine letzte kleine Schönheitskur erlebte er, als Bundeskanzler Gerhard Schröder sich auf Schloss Gottorf mit Russlands Präsident Wladimir Putin traf. Das ist zwölf Jahre her. Die frische Farbe von damals ist längst verwittert.

Bereits im April 2013 war die Immobilie bei einer Auktion in Berlin von einem Unternehmensberater aus der Nähe von Freiburg für 182.000 Euro ersteigert worden. Schon damals wollte dieser lieber anonym bleiben als im Mittelpunkt stehen. Das ist bis heute so geblieben. Auf Nachfrage konnten wir nun dennoch erstmals hinter die Kulissen seines ambitionierten Projektes blicken – und staunten. Denn es geht sichtlich voran.

„Ich habe sechs Arbeiter, die ausschließlich hier im Einsatz sind. Demnächst kommen die Fachfirmen hinzu. Ich bin sehr optimistisch, dass wir weiterhin im Plan bleiben“, sagt der zweifache Vater. Anders, als viele Schleswiger vermuten, ist an dem Gebäude in den vergangenen Monaten bereits viel gemacht worden, das meiste allerdings hinter den Kulissen. Wände und Zwischendecken wurden herausgerissen, ebenso der alte Öltank im Keller. Es wurden neue Leitungen verlegt, auch die Heizungsanlage wurde schon ausgetauscht. Im Untergeschoss sind die neuen Toiletten bereits fast fertig, in den Etagen darüber wurden die Wände isoliert und frisch gestrichen, manche Fußböden sind erneuert worden. „Da sind bereits ganz viele Dinge passiert, die man so vielleicht nicht sieht, die aber wichtig sind, um jetzt richtig loszulegen“, sagt der Investor.

Für jedermann sichtbar sind allerdings die Holz-Stahl-Konstruktionen, die links und rechts in der Bahnhofshalle aufgebaut wurden. Sie dienen künftig als Emporen und gleichzeitig als Erweiterungen der verschiedenen Event-Bereiche. Und davon soll es fünf geben: Im Erdgeschoss, auf der rechten Seite, wenn man durch den Haupteingang kommt, entsteht ein After-Work-Bistro, in dem man künftig „in gemütlicher und ansprechender Atmosphäre“, wie der Unternehmensberater betont, sein Feierabend-Bier oder einen Wein trinken kann.

Tristesse und tote Hose sollen am Schleswiger Bahnhof bald der Vergangenheit angehören: Hier zum Beispiel soll künftig die Dachterrasse einer Musik- und Cocktailbar entstehen.
Tristesse und tote Hose sollen am Schleswiger Bahnhof bald der Vergangenheit angehören: Hier zum Beispiel soll künftig die Dachterrasse einer Musik- und Cocktailbar entstehen. Foto: Sven Windmann
 

Auch Motto-Partys könnten hier stattfinden. Im Stockwerk darüber könnte man sich dann in einer Musik- und Cocktail-Lounge mit Freunden treffen, gerne auch auf der dazugehörigen Dachterrasse. Links unten wiederum wird eine Sportsbar eröffnet, in der man unter anderem Bundesliga-Fußball über mehrere Fernseher und Leinwände live sehen kann. Dahinter entsteht ein Bereich, den der Investor als „Erlebnis-Gastronomie“ bezeichnet. Hier soll es angesagte Gerichte wie etwa verschiedene Burger und mediterrane Speisen geben, die man dann auch auf einer Terrasse essen kann. Im darüber gelegenen Obergeschoss schließlich entsteht eine Kleinkunstbühne. In diesem Raum, der sich durch seine hohe Decke und viele Holzbalken auszeichnet – und der bereits fast fertig gestaltet ist – sollen „weniger bekannte Künstler, die in der Region kaum ein Forum haben, zeigen, was sie können“. Dabei sollen alle fünf Bereiche auch optisch einiges hermachen: stilvolle Möbel, bunte Lichter, Fotowände und sogar ein Springbrunnen in der Bahnhofshalle sind geplant.

Die neuen Toiletten im Keller sind bereits frisch gefliest worden.
Die neuen Toiletten im Keller sind bereits frisch gefliest worden. Foto: Sven Windmann
Wo früher einmal der Bahnhofskiosk war, entsteht eine Sportsbar mit langer Theke.
Wo früher einmal der Bahnhofskiosk war, entsteht eine Sportsbar mit langer Theke. Foto: Sven Windmann
 

All das klingt äußerst ambitioniert. Zumal für eine kleine Stadt wie Schleswig. Das weiß auch der Investor. „Natürlich gibt es da ein unternehmerisches Risiko. Aber ich bin mir sicher, dass dieses Konzept auch hier funktionieren kann. Manchmal muss man einen Bedarf auch erst erzeugen – und zwar mit einem guten Angebot und guter Qualität bei normalen Preisen.“ In erster Linie habe er dabei die „Generation 30 Plus“ im Blick, der – seiner Meinung nach – viel zu wenig geboten werde in der Region. Diese Menschen sollen künftig nicht nur zu den Öffnungszeiten in den Bahnhof kommen, „um hier eine gute Zeit zu haben“, sondern es gibt auch die Möglichkeit, einzelne Bereiche zu buchen, etwa für Hochzeiten.

Um das zu organisieren, plant der Mann aus dem Süden, der den Bahnhof damals ersteigerte, ohne jemals in Schleswig gewesen zu sein, die Gründung einer Betreibergesellschaft. Der Investor, der das Konzept selbst entwickelt hat, bleibt Geschäftsführer, an seiner Seite soll ein Eventmanager fungieren.

Für normale Bahnreisende wird sich übrigens nicht alles ändern. Die Toiletten und der Fahrscheinautomat werden zwar nach außen verlegt, das Reisezentrum und der Kiosk bleiben aber dort, wo sie sind. Für die Bahn-Tochter DB Netz wird zudem ein neuer Anbau geschaffen, ebenso wie für die Bahnhofsmission. Die Hauptfront des Gebäudes bleibt derweil – aus Denkmalschutzgründen – fast unverändert. Allerdings soll der Vorplatz „aufgehübscht“ werden und der herausgeputzte Bahnhof dann künftig von außen beleuchtet werden.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 12:23 Uhr

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