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Schleswiger Nachrichten

31. Juli 2016 | 02:15 Uhr

Schattendasein der „Anschlagsäule“ : Ernst Litfaß und seine 27 Denkmäler in Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

200 Jahre nach der Geburt ihres Erfinders ist die „Anschlagsäule“ noch immer im Stadtbild präsent – aber führt ein Schattendasein.

Wenn Angela Möller morgens auf dem Weg zur Arbeit durch die Friedrichstraße fährt, gleitet ihr Blick automatisch nach links. Auf dem breiten Bürgersteig gegenüber der Bugenhagenschule steht eine der 27 Schleswiger Litfaßsäulen. Und Angela Möller, die leitende Mitarbeiterin für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit beim Landestheater, zählt zu den treuesten Kunden dieser „Anschlagsäulen“, wie sie offiziell heißen.

Eine der ersten Litfaßsäulen in Schleswig stand in der Friedrichstraße auf dem Platz vor dem damaligen Bahnhofshotel, wie diese Postkarte aus jener Zeit dokumentiert.
Eine der ersten Litfaßsäulen in Schleswig stand in der Friedrichstraße auf dem Platz vor dem damaligen Bahnhofshotel, wie diese Postkarte aus jener Zeit dokumentiert.
 

Ihr Erfinder, der Berliner Druckereibesitzer Ernst Litfaß, wäre vor wenigen Tagen 200 Jahre alt geworden. Im Jahr 1854 bekam er von der Stadt Berlin die Erlaubnis, in der damaligen preußischen Hauptstadt Werbesäulen aufzustellen. Bald gab es Unternehmer in vielen anderen Städten, die es ihm nachmachten. Bis die Schleswiger Stadtverwaltung ihre Zustimmung gab, dauerte es bis zum Jahr 1900. Damals ließ die Stadt fünf Litfaßsäulen aufstellen, und zwar an markanten Punkten: vor dem damaligen Bahnhofshotel in der Friedrichstraße, an der Schleihalle, auf dem Rathausmarkt und an zwei Stellen im Stadtweg.

Von diesen fünf Säulen steht schon seit Jahrzehnten keine mehr. Heute gibt es in Schleswig 27 Litfaßsäulen. Die Stadt hat sie an die Firma „ZOB – Flensburger Gesellschaft für Außenwerbung“ vermietet. An dieses Unternehmen muss man sich wenden, wenn man eine der Plakatflächen mieten möchte. Die Preise erfahren die Kunden auf Nachfrage – und sind oft überrascht, wie günstig es ist. Das Landestheater, das regelmäßig Flächen auf fast allen Säulen bucht, zahlt dafür im Jahr einen dreistelligen Euro-Betrag. „Plakatwände sind deutlich teurer“, sagt Angela Möller. Sie setzt auch in Zukunft auf die Litfaßsäulen, und das nicht nur, weil Ernst Litfaß sich viele Jahre als Bühnenschauspieler versuchte, bevor er in die Werbebranche wechselte. „Die Säulen stehen an markanten Punkten und werden sowohl von Autofahrern als auch von Fußgängern wahrgenommen“, sagt Möller.

Dennoch: Offensichtlich schwören nicht mehr viele Unternehmen auf die Zugkraft der Litfaßsäule. Auf einigen der inzwischen sichtbar in die Jahre gekommenen runden Gebilde sind überwiegend weiße Flächen zu sehen. Anderswo sind die Termine für die Segeberger Karl-May-Festspiele im Sommer 2015 zu lesen. Manche Plakate aber kleben auch genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort – zum Beispiel die Ankündigung für den Kunsthandwerkermarkt am übernächsten Sonntag in der „Heimat“ auf der Säule an der Einfahrt in die Freiheit.

 

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erstellt am 16.Feb.2016 | 17:45 Uhr

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