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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Lürschau : Er steigt dem Windrad aufs Dach

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Robert Zychlinskis Arbeitsplatz befindet sich in rund 100 Metern Höhe. Er wartet und repariert Windräder.

Tritt für Tritt geht es knapp fünf Meter die steile Metalleiter hinauf bis zur ersten Etappe. Der Helm sitzt gut und die „persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz“ (PSA) mit Fallschutzgurt und Karabinerhaken wurde bereits am Boden unter professioneller Anleitung angepasst. An diesem Tag geht es mit Elektriker Robert Zychlinski (35) 95 Meter in die Höhe, bis auf das Gondeldach der Windkraftanlage in Lürschau.

Beim Aufstieg sollte man nicht nach unten gucken. Der Blick geht stets nach oben: Kahle, weiße Wände umschließen unseren Weg. Jeder Schritt hallt, bis wir in den zwei Meter hohen Fahrstuhl steigen. Dabei sorgen 50 mal 80 Zentimeter für den beengten, aber sicheren Transport. Im Nu werden weitere 80 Meter überwunden. Es fühlt sich nicht hoch an, denn der Blick nach draußen bleibt noch verwehrt. Dabei ist genau das der Antrieb und das Ziel für heute. Also wieder eine Leiter hinauf, weitere zehn Meter. Wie war das gleich noch mal mit dem Ein- und Aushaken am Ende des Aufstiegs? Die gelb markierten Haken helfen beim Übergang zur nächsten Plattform.

„Erst eine Sicherung aufbauen, bevor eine andere Sicherung abgebaut wird“, erinnert Robert Zychlinski, am Ende der Strecke. Für Sicherheit ist gesorgt. Drei Mitarbeiter stehen parat: Am Boden, während des Aufstiegs und im Maschinenhaus, der sogenannten Gondel. Sie sind durch fortlaufende Schulungen für einen Notfall ausgerüstet. Denn hier hilft man sich im Ernstfall gegenseitig. Das Surren und Klackern der Rückfallsicherung, einem kleinen Hakensystem des Sicherungsgurtes vor dem Bauch, lenkt beim Klettern von derartigen Szenarien ab. Fast entwickelt man mit dem Geräusch eine gewisse Entspannung. Angekommen im Gondelhaus, gibt es viele technische Infos zur Bauart und Energiegewinnung der Windkraftanlage.

Das Getriebe hat eine Übersetzung von eins zu 100. Der Rotorendurchmesser mit Blattwurzel und Nabe zählt stolze 114 Meter. Das leichte Schwanken der Anlage ist hier oben zu spüren. Der Turm mit einer Höhe von 150 Meter bis zur Blattspitze ist immer in Bewegung. Die drei Blätter mit einer Länge von jeweils fast 65 Metern sind ausgestellt, drehen sich dennoch leicht im Wind. „Wären sie starr, würden sie durch den Winddruck kaputt gehen“, erklärt der Elektriker, der seit sieben Jahren auf die Arbeit in Windkraftanlagen spezialisiert ist. Das „Herz“ der Anlage, der Umverteiler, befindet sich hier oben und kann unter Volllast mit 3,2 Megawatt Jahresleistung glänzen. „Saubere Energie für nachkommende Generationen“, sagt Zychlinski. Der 35-Jährige arbeitet gerne in und auf Windkraftanlagen. Durch eine Art Dachluke gelingt der fast wolkenfreie Blick. „Für mich ist das Routine, ich mache meine Arbeit und gucke nicht so viel“, so Zychlinski, der nach eigenen Angaben in der Höhe bedächtig und körperlich fit für seine regelmäßigen Wartungsarbeiten oder in Störungsfällen sein muss. „Aber Mittagspausen bei schönem Wetter machen wir dann doch gerne oben auf dem Gondeldach“, fügt er hinzu. Mit der Sicherungsbrücke, wie sich das nahtlose Absichern an den verschiedenen Haken nennt, ist der letzte Schritt nach draußen möglich.

Eingehakt auf dem Gondeldach ist der Blick aus fast 100 Metern Höhe beeindruckend und lässt Ehrfurcht aufkommen. Der Wind zeigt dabei seine gewaltige Macht und drängt sich am ganzen Körper entlang.

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