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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 15:17 Uhr

Flaggen-Diebstahl und Warnbrief : EM-Schmuck am Auto: Schleswigerin Opfer einer Antifa-Aktion

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am Auto von Vanessa Neumahr fehlte plötzlich der EM-Schmuck – stattdessen klemmte ein Warnbrief einer linken Gruppierung an der Scheibe.

Die paar Euro fünfzig, die die Dinger gekostet haben, sind ihr egal. Aber der Grund dafür, dass die beiden schwarz-rot-goldenen Stoffüberzüge neulich morgens plötzlich von den Rückspiegeln ihres Opel Astra verschwunden waren, ärgert Vanessa Neumahr dann doch. „Das ist einfach nur albern – und völlig übertrieben“, sagt die 31-Jährige und präsentiert einen kleinen Zettel, der an besagtem Morgen hinter dem Scheibenwischer des Wagens klemmte, den sie wie immer in der Nähe ihrer Wohnung am Brautsee geparkt hatte. Er beginnt mit folgenden Worten:

„Liebe*r Autofahrer*In, ich habe Ihre Nationalfahne entfernt, da sie in jedem Fall Nationalismus produziert. Mit diesem Fähnchen schließen Sie sich dem Partypatriotismus an.“

Was dann folgt, ist eine Warnung, die sich gewaschen hat. Denn, so ist weiter auf dem Zettel zu lesen, die Zahl rechtsextremer Gewalttaten steige laut einer Studie während internationaler Sportereignisse, wie jetzt etwa bei der Fußball-Europameisterschaft, deutlich an – mit fatalen Konsequenzen, wie weiter zu lesen ist: Nationalismus grenze aus und „tötet durch rassistische Gewalt, brutale Abschottungspolitik und Abschiebung in Krisengebiete“.

Dieser Zettel klemmte jetzt hinter dem Scheibenwischer von Vanessa Neumahrs Auto.
Dieser Zettel klemmte jetzt hinter dem Scheibenwischer von Vanessa Neumahrs Auto. Foto: wim

Für jemanden, der ein paar Deutschland-Fahnen an seinem Auto als Zeichen dafür angebracht hat, dass er der Nationalmannschaft während der EM als Fan die Daumen drückt, klingt das alles nach starkem Tobak. Erst recht dann, wenn man – wie Vanessa Neumahr – gewiss nicht in Verdacht steht, Rassist zu sein. Das hätten die Absender des Briefes, der mit dem Logo der „Antifaschistischen Aktion“ unterschrieben ist, selbst auch sehen können. Denn neben den Deutschlandfahnen wird der silberne Kombi der zweifachen Mutter auch noch von einem Aufkleber von „Pro Asyl“ geschmückt, auf dem unter anderem der Slogan „Refugees welcome“ (Flüchtlinge willkommen) zu lesen ist. „Ich habe viel Kontakt zu Ausländern, unterstütze auch einige Flüchtlinge. Dass ich jetzt in die rechte Ecke gestellt werde, weil ich – auch auf Wunsch meiner Kinder – zur EM mein Auto schmücke, kann doch nicht wahr sein!“

Der Aufkleber an der Heckscheibe zeigt, was die zweifache Mutter von Rassismus hält.
Der Aufkleber an der Heckscheibe zeigt, was die zweifache Mutter von Rassismus hält. Foto: wim
 

Den Zettel, der an ihrer Frontscheibe heftete, hat sie abfotografiert und über Facebook im Internet veröffentlicht. Dabei hat sie von ihren Freunden viel Zuspruch bekommen. „Aber mir sind auch einige Leute zur Seite gesprungen, die eindeutig rechts sind. Das fand ich natürlich nicht lustig.“ Ebenso ärgere es sie aber auch, „dass man in Deutschland noch immer ein Problem damit hat, die Nationalfahne zu zeigen. Jedes Land feiert während der EM ganz selbstverständlich mit seinen Farben und Flaggen. Nur hier muss man sich noch rechtfertigen“, sagt Vanessa Neumahr. Dafür hätten insbesondere ihre ausländischen Freunde kein Verständnis. Im Gegenteil: „Die haben selbst die Deutschlandfahne ins Gesicht gemalt, wenn wir die Spiele zusammen gucken.“

Anzeige wegen Diebstahls hat die junge Frau übrigens nicht erstattet. Der Schleswiger Polizei sind bislang auch keine weiteren Fälle bekannt. „Dafür ist der Wert dann doch zu gering“, sagt Neumahr. Sie hat sich inzwischen aber neue Spiegel-Überzüge gekauft. „Die Lust auf die EM lasse ich mir durch die Geschichte ganz bestimmt nicht nehmen“, fügt sie an. Schon morgen werden sie und ihre Familie wieder leidenschaftlich die Daumen drücken für die deutsche Nationalmannschaft.

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erstellt am 25.Jun.2016 | 13:00 Uhr

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