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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 17:47 Uhr

Fischotter in der Treene : Einem Rückkehrer auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Fischotter galten als nahezu ausgestorben – jetzt wächst ihr Bestand entlang der Treene und in Teilen Angelns wieder. Die Tiere erobern sich ihren Lebensraum zurück.

In vielen Tierparks zählen Fischotter zu den heimlichen Attraktionen. Nicht nur Kinder erfreuen sich an den niedlichen Tieren, die so elegant durch Wasser gleiten. In freier Wildbahn gab es in den vergangenen Jahrzehnten kaum die Chance, Fischotter zu Gesicht zu bekommen – die Tiere galten bis vor Kurzem in Schleswig-Holstein als ausgestorben. Die jüngste Bestandsaufnahme hat nun ergeben: Die Tiere sind zurück.

„Die Fischotterbestände haben ganz erheblich zugenommen im Land“, sagt Arne Drews, der beim Landesamt für Landwirtschaft, Natur und ländliche Räume (LLUR) zuständig für den Artenschutz in Schleswig-Holstein ist. Alle fünf Jahre werden landesweit nach einem genau festgelegten Schema Stellen, an denen Fischotter sich wohlfühlen könnten, auf Spuren der Tiere untersucht. Zwar sind die Daten der aktuellen Untersuchung, die im vergangenen Winterhalbjahr stattfand, noch nicht vollständig ausgewertet, Drews ist sich aber sicher: „Der Fischotter ist im Kreis Schleswig-Flensburg wieder heimisch.“ Seit zehn Jahren gehe er die Strecken ab. „An 28 Punkten hatte ich vor zehn Jahren keine Otterspuren. Vor fünf Jahren zwei, und diesmal waren 26 von 28 Kartierungsstellen positiv.“

Zu sehen bekommen hat Drews in all den Jahren allerdings keines der nachtaktiven Tiere. Seine Erkenntnisse stützt der Naturschützer auf eindeutige Spuren, die er an markanten Stellen entdeckt hat, in Form von Kot und Pfotenabdrücken. Vor allem der Kot, voller Fischgräten und Fischschuppen mit einem moschusartig-fischigen Geruch, weise eindeutig auf Fischotter hin, erklärt Drews. „Die Tiere ziehen klare Reviergrenzen und nutzen zum Markieren gern markante Stellen in der Landschaft wie Wälle, große Steine aber auch Bauwerke und Brücken“, sagt er.

Seinen Erkenntnissen zufolge wurden Fischotter an Eider und Sorge nachgewiesen. Die Treene besiedeln die Tiere demnach von der Mündung bis nach Tarp und Oeversee. Spuren gefunden wurden auch am Schafflunder Mühlenstrom, weiter in Richtung Dänemark, rund um Schleswig, an der Füsinger Au, am Langsee, am Idstedter See und an der Bondenau bis zum Winderatter See. „Weiter nach Angeln rein ist dann Schluss“, sagt Drews. Dort gebe es zwar nicht so viele Seen und fischreiche Gewässer, dass sich der Fischotter aber auch dorthin ausbreitet, will er nicht ausschließen.

Bestätigen, dass Fischotter in der Region unterwegs sind, kann auch Günter Klinck vom Glücksburger Verein Natur-Umwelt-Mensch. Seit 13 Jahren untersucht der passionierte Jäger und Fischer 16 Kontrollpunkte im Raum Flensburg und Glücksburg – und auch er hat noch nie eines der Tiere lebend in seinem Revier zu Gesicht bekommen.

Siedlungen scheinen für die Tiere bei ihrer Rückkehr kein Hindernis darzustellen. „In der Ortslage Schafflund sind Fischotter unterwegs“, weiß Drews. Regelmäßig tappen sie in die Kamerafalle, die der Kreisnaturschutzbeauftragte Edmund Link am Schafflunder Mühlenstrom aufgestellt hat. „Im Frühjahr habe ich beinahe täglich Tiere aufgenommen“, berichtet Link. Auch in Treia und Tarp wurden Fischotterspuren gefunden. Besonders scheu seien die Tiere nicht. „Das ist typisch für die Art“, erklärt Drews. „Wie andere Marder halten sie nicht so große Distanz zu Menschen. Nur Hunden gehen sie aus dem Weg.“

Die Zunahme der Spurenfunde lässt sich laut Drews nicht durch Vermehrung allein erklären. Angesichts der starken räumlichen Ausbreitung hätte sich der Bestand verdreifacht haben müssen, rechnet er vor. „Die Zunahme ist nur zu erklären durch Zuwanderung aus Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark.“ Dort gibt schon etwas länger wieder größere Bestände.

Genetische Untersuchungen von tot aufgefundenen Tieren bringen Klarheit über deren Herkunft. Doch die Ergebnisse haben Drews überrascht: „Wir hatten zunächst gedacht, dass die ersten Tiere in den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland aus Dänemark stammen würden. Sie kamen aber aus Mecklenburg-Vorpommern.“ Und Tiere, die am Hamburger Stadtrand gefunden wurden, stammten aus Dänemark. „Das heißt, dass die Zuwanderer das ganze Land durchqueren. Die Tiere sind sehr mobil.“ Bis zu 30 Kilometer legen Tiere in einer Nacht zurück.

Die positive Entwicklung der Fischotterbestände führt Julia Jacobsen, Leiterin der Integrierten Station Eider-Treene-Sorge und Westküste in Bergenhusen, eine Außenstelle des LLUR, auf die Verbote des Insektizids DDT und der chemischen PCB-Verbindungen sowie die Verbesserung der Gewässerqualität in den letzten zwei Jahrzehnten zurück. „Man hat Gewässern wieder eine wildere Struktur gegeben. Alte Flussschlingen wieder angeschlossen und viele Eingriffe in die Natur wieder rückgängig gemacht. Ein daraus resultierendes verbessertes Nahrungsangebot haben die Bäche und Flüsse im Land wieder attraktiver für Fischotter werden lassen“, sagt sie.

Wie hoch die Zahl der Tiere tatsächlich ist, können auch die Experten nicht sagen. Weil die Fischotter so weit wandern können, lasse sich kaum sagen, ob in Tarp und in Hollingstedt gefundene Spuren zu einem Tier gehören oder zu mehreren, so Jacobsen. „Wie viele wirklich hier sind, weiß keiner“, sagt sie. Im Rahmen eines Uferschnepfen-Projektes seien viele Wildkameras aufgestellt und ausgewertet worden. „Da lachen viele Tiere in die Kamera“, sagt Jacobsen – neben Fuchs, Marder und Schnepfe neuerdings eben auch gelegentlich ein Fischotter.

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erstellt am 31.Aug.2016 | 07:45 Uhr

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