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Lungwurst-Essen bei den Pommern : Eine Wurst, wie es sie in Schleswig sonst nicht gibt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit 60 Jahren trifft sich die Pommersche Landsmannschaft einmal im Jahr zu einem ganz besonderen Essen.

Früher war der Saal brechend voll, wenn sich die Mitglieder der Pommerschen Landsmannschaft zum Lungwurstessen im „Hohenzollern“ trafen. Daran erinnert Brunhild Unger sich noch gut. „Hinterher gab es Tanz mit Livemusik.“

Heute ist sie die Schatzmeisterin des Vereins, der das traditionelle Lungwurst-Essen seit genau 60 Jahren einmal im Jahr ausrichtet. An diesem Sonnabend saß sie wieder an der Kasse und nahm von jedem Gast 15 Euro für Lungwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln zum Mittagessen und Kaffee und Kuchen am Nachmittag.

„Es kommen immerhin noch 60 Gäste“, sagt die Vorsitzende Christa Abraham. Von diesen Gästen allerdings sind nur etwa 20 auch Mitglieder der Landsmannschaft. Die übrigen schätzen einfach den besonderen Geschmack der typisch pommernschen Wurst. „Lungwurst kennt man in Schleswig-Holstein nicht. Man kann sie nicht einfach beim Schlachter kaufen“, weiß Wolfhard Schulz, der mit seiner Mutter Ella schon seit Jahren Gast der Veranstaltung ist. Er besaß selbst jahrelang eine Fleischerei im Lollfuß und lieferte von 1974 bis 1981 die Wurst. „Damals wie heute wurde vom Schwein – bis auf den Schrei – alles verarbeitet“, erzählt er. In der Vergangenheit geschah dies noch in erster Linie, weil Lebensmittel sehr teuer waren. Es sei aber auch eine respektvollerer Umgang mit dem Tier, nicht nur die Filetstücken zu verarbeiten. So sehr viel Schweinelunge ist dabei in der Lungwurst gar nicht enthalten. Die Lunge macht rund vier Prozent des Wurst-Inhalts aus.

„Schon immer wird die Wurst extra einmal im Jahr für uns hergestellt“, erzählte Unger stolz. Seit einigen Jahren übernimmt dies nun die Fleischerei Petersen aus Engbrück. Mit der Qualität sind alle Gäste mehr als zufrieden.

Für das Essen an diesem Sonnabend hatte Brunhild Unger 48 Kilogramm Wurst bestellt und selbst beim Schlachter abgeholt und in die Hotelküche gebracht.

Es gibt jedoch auch Gäste, die gar nicht wegen der Wurst dabei sind. „Ich hab sie mal probiert, aber ich bin kein großer Fleischesser. Ich bekomme hier jedes Jahr ein paar Wiener und esse dazu das leckere Erbsenpüree, Sauerkraut und Kartoffeln“, gestand Gerda Brandt aus Brodersby, die sich einfach freut, mit ihren Bekannten einen netten Tag zu haben.

Nach dem Essen und vor dem Kaffee gab es einen Vortrag von Hartwig Wilkens aus Süderschmedeby zum Thema Landleben. Anschließend verkaufte Brunhild Unger noch eingeschweißte Lungwurst für zu Hause, denn diese Wurst gibt es eben erst in einem Jahr wieder.

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